#Christchurch: Warum es falsch ist, die Namen der Täter und ihr Manifest zu veröffentlichen

Berichterstattung auf bild.de (Screenshot: bild.de)
Berichterstattung auf bild.de (Screenshot: bild.de)

Der Kollege Christopher Lemmer hat sich durch einen meiner Tweets provozieren lassen und mich mehrmals angegriffen. Ich habe ein wenig überlegt, ob ich mit ihm in den Disput treten will, denn er hat mich an einigen Stellen falsch zitiert, Aussagen von mir falsch ausgelegt, mich und andere beleidigt.

Das ist eigentlich eine schwierige Grundlage für eine Diskussion mit Argumenten. Wenn man das Gegenüber diskreditiert und beleidigt, warum soll man sich also mit so jemanden auseinandersetzen?

Dass ich es trotzdem tue, liegt daran, dass ich mir selber noch mal im Detail darüber klar werden wollte, wie ich das meine und wie ich es vermitteln kann.

Täter verlangen Aufmerksamkeit – Journalisten geben sie ihnen

Ausgangspunkt war dieser Tweet:

Das konkrete Zitat, auf das ich mich beziehe, lautet so:

Der Haupttäter, von dem wissen wir sogar den Namen, es handelt sich um den (…)* Er lebte in Neuseeland, und er wollte, dass die ganze Welt seinen Namen erfährt, denn er hat das gesamte Attentat – die Anfahrt, den Gang in die Moschee, das Attentat selbst – nicht nur gefilmt, sondern auch noch live über seine Facebook-Seite im Internet gestreamt.

* An dieser Stelle nennt der Reporter Name und Details.

Es gibt auch Berichte darüber, dass der Täter ein Manifest ins Internet gestellt haben soll, in dem er seine Motivation darlegt. Hätten Journalisten darüber berichtet, wenn er es einfach so ins Netz gestellt hätte? Wohl nicht. Warum berichten Journalisten also darüber? Weil er Dutzende Menschen umgebracht hat. Was heißt das für andere Täter? Wenn sie ihre Ideen verbreiten wollen, sollten sie etwas tun, das ihnen entsprechende Aufmerksamkeit verschafft.

Ex-Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo und Terrorismusexperte Peter Neumann schrieben schon 2016 in der Süddeutschen Zeitung:

Beim Terrorismus geht es nicht in erster Linie ums Töten. Es geht vielmehr um das „Terrorisieren“, es ist eine spezielle Form der Provokation. Eine Tat, die keine Verbreitung findet, ist daher nutzlos. Schon die Anarchisten machten sich die im 19. Jahrhundert beginnende Massenproduktion von Zeitungen zunutze. In den Achtzigerjahren wurden Flugzeugentführungen für das Fernsehen geradezu inszeniert. Und Timothy McVeigh, der 1995 in Oklahoma ein Verwaltungsgebäude der US-Bundesbehörden in die Luft sprengte, gestand später, er habe dieses wegen des „guten Kamerawinkels“ ausgesucht. Al-Quaida schuf mit dem Einsturz der Twin Towers die bis heute einprägsamsten Bilder eines terroristischen Anschlags. Von Osama bin Laden soll der unter Islamisten geltende Lehrsatz stammen, dass ein Radiosender wichtiger sei als eine Atombombe. Der Anschlag auf die Londoner U-Bahn 2005 soll innerhalb der Organisation kritisch kommentiert worden sein: Unter der Erde gäbe es zu wenig Bilder.

Für Verbreitung aber sind die Täter immer noch auf die Massenmedien angewiesen. Klar, der offensichtliche Haupttäter von Christchurch hat seine Tat bei Facebook live gestreamt. Aber wenn ich ihm auf Facebook nicht folge und das niemand in meiner Facebook-Timeline teilt, bekomme ich es nicht mit. Wenn ich nicht auf Facebook bin, erst recht nicht. Die große Verbreitung erhält so etwas immer noch durch Massenmedien, also journalistische Medien. Denn sie berichten über die Taten.

Christopher Lemmer schreibt:

Die Täter wollen mit ihrer Tat in die Medien kommen? Mag sein, dass die das wollen. Aber was heißt das für Journalisten? Doch wohl sicher nicht, dass sie sich in irgendeiner Weise vom Willen der Täter beeindrucken lassen. Es ist völlig egal, was die Täter wollen. Wer als Journalist ernst genommen werden will, sollte seinen eigenen Willen haben und den auch durchsetzen.

Die Ironie dieser Aussage liegt ja darin, dass der Journalist hier eben nicht seinen eigenen Willen durchsetzt, sondern genau das tut, was der Attentäter beabsichtigt hat. Dieser erzwingt durch seine Tat Berichterstattung, weil sie den Nachrichtenkriterien entspricht, die wir alle gelernt haben und immer wieder anwenden.

Die Frage ist nicht, ob man berichtet, sondern wie

Um nicht missverstanden zu werden: Auf jeden Fall muss über die Taten berichtet werden. Deswegen stimme ich Christopher Lemmer auch zu, wenn er schreibt, dass Journalisten aufzuklären haben. Er schreibt weiter:

Sie sind nicht dazu da, Dinge für sich zu behalten. Wenn ein relevantes Ereignis passiert, ist es guter Journalismus, so viele Informationen über dieses Ereignis zu recherchieren und zu berichten wie möglich. Täter und Opfer, Tathergang, Vorbereitung, Hintergründe, Motive, Reaktionen, Schäden.

Richtig. Aber. Journalisten behalten ständig Dinge für sich. Sie recherchieren immer viel mehr als sie dann an ihre Nutzer weitergeben. Sie treffen nämlich eine Auswahl, ein wesentliches Merkmal ihrer Arbeit. Das heißt auch, dass sie über Täter und Opfer berichten sollen. Und das geht, ganz ohne dass man ihre Namen nennt und sie identifizierbar macht. Im Pressekodex gibt es dazu eine eigene Ziffer (Nr. 11), in der es heißt:

Bei der Berichterstattung über Gewalttaten, auch angedrohte, wägt die Presse das Informationsinteresse der Öffentlichkeit gegen die Interessen der Opfer und Betroffenen sorgsam ab. Sie berichtet über diese Vorgänge unabhängig und authentisch, lässt sich aber dabei nicht zum Werkzeug von Verbrechern machen.

Und weiter:

Die Berichterstattung über Unglücksfälle und Katastrophen findet ihre Grenze im Respekt vor dem Leid von Opfern und den Gefühlen von Angehörigen. Die vom Unglück Betroffenen dürfen grundsätzlich durch die Darstellung nicht ein zweites Mal zu Opfern werden.

Damit will ich nur zeigen: Journalisten haben sich durchaus auf Maßstäbe verständigt, die sie an ihre Berichterstattung anlegen. Fälle wie die Geiselnahme von Gladbeck, der Amoklauf von Winnenden, die Berichterstattung über den Germanwings-Piloten usw. haben gezeigt, dass solche Regeln notwendig sind. Aber auch, dass immer wieder gegen sie verstoßen wird.

Es geht also nicht darum, nicht zu berichten. Es geht um das Wie. Die Kriminologen Frank J. Robertz und Robert Kahr appellieren (im konkreten Fall bei Amokläufen, die ja auch nichts anderes als Anschläge sind) an Journalisten, möglichst keine Porträts der Täter zu zeichnen, die eine Identifikation mit ihnen erleichtern, schreibt Ronen Steinke in der Süddeutschen Zeitung:

Vor allem aber geht es ihnen um etwas, das sie „Täter-PR“ nennen. Der Schulamokläufer im amerikanischen Blacksburg, Virginia, unterbrach 2007 seine Tat, um ein Paket mit Fotos, Texten und Videos für den Fernsehsender NBC in die Post zu geben. Ein finnischer Täter lud sein „Medienpaket“ hoch, zwanzig Minuten bevor er sein erstes Opfer erschoss. 2009 schrieb der Winnenden-Amokläufer über seine Ziele: „Also ich meine nur, man wird noch berühmt und bleibt anderen Menschen im Gedächtnis.“

In der Ankündigung des Sammelbandes von Robertz und Kahr heißt es:

Schulamokläufer und Terroristen sichern sich durch das kalkulierte Ausüben von Gewalt einen Platz in den Schlagzeilen der Weltpresse. Sie folgen damit einer bewährten Kommunikationsstrategie, die ebenso menschenverachtend wie durchschaubar ist. Dieses Kalkül der Täter geht insbesondere dann auf, wenn Medien die destruktiven Botschaften der Täter ungefiltert weitertragen. Sie verbreiten auf diese Weise Angst in der Gesellschaft, belasten die Opfer und liefern im schlimmsten Fall eine Inspiration für Nachahmer.

Auch eine Untersuchung von Jennifer Johnston und Andrew Joy von der Western New Mexiko University kam zu diesem Ergebnis, bezogen auf Amokläufer. Die FAZ zitiert sie so:

Die Identifikation mit früheren Tätern, die durch die extensive Berichterstattung berühmt geworden sind, einschließlich der Veröffentlichung ihrer Namen, Gesichter, Lebensgeschichten und Hintergründe, löst einen mächtigeren Schub in Richtung Gewalt aus als psychische Erkrankungen oder der Zugang zu Waffen.

Und sie gehen weiter:

Johnston und Joy wollen, dass man Amokläufern den Ruhm, den sie suchen, mit einer „Don’t Name Them“-Kampagne verweigert. „Wenn die klassischen und die sozialen Medien übereinkommen würden, die Namen der Täter, ihre Lebensgeschichten und ihre verqueren Ideen nicht mehr zu publizieren, würden wir schon in den kommenden ein oder zwei Jahren eine deutliche Abnahme dieser Tötungen sehen“, schreiben sie in einer Erklärung.

Wenn Journalisten ihre Arbeit machen, halten sie die Nutzer nicht für blöd

Was bringt mir als Nutzer der Name von jemanden, den ich sowieso nicht kenne? Er führt nur dazu, dass derjenige genau die Aufmerksamkeit bekommt, die er sich wünscht, und die er – ich wiederhole das bewusst – nur bekommt, weil er Menschen getötet hat. Er animiert Nachahmer, er wird zum Vorbild für weitere Täter, ebenso, wie er sich möglicherweise prominente Massenmörder zum Vorbild genommen hat.

Das Gleiche gilt für sein Bekennerschreiben.

Es geht nicht darum, dass Nutzer solche Dokumente nicht lesen sollen, weil sie sie nicht einschätzen können. Es geht darum, dass sie überhaupt darauf aufmerksam werden. Denn damit bekommen potenzielle Täter einen Anreiz, genau solche Taten zu begehen. Sie sehen, dass solche Dokumente verbreitet werden. Daran wirken Journalisten mit, wenn sie ihnen genau diese Berichterstattung bieten.

Deswegen verstehe ich auch dieses Argument von Christopher Lemmer nicht:

Und für wie bescheuert halten manche Journalisten eigentlich die Mehrheit der Nichtjournalisten, wenn sie glauben, die werden alle zu Nazis, wenn sie einen Nazi-Text lesen? Und kann irgendjemand erklären, warum diese Deppenlogik für Journalisten nicht gelten soll?

Falls ich gemeint bin: Ich halte die Mehrheit der Nichtjournalisten nicht für bescheuert. Wenn sie das Dokument lesen sollen, bitte sehr. Aber warum muss ich als Journalist es ihnen denn zugänglich machen? Das finden sie schon selbst. Stattdessen sollte ich meine Arbeit machen? Solche Dokumente verlangen Einordnung, die Journalisten liefern können. Denn das ist ihr Job: Kontext liefern. Sie können mit ihrem Fachwissen Hintergründe berichten, Falsches als falsch bezeichnen, Richtiges als richtig, Widersprüchlichkeiten aufdecken, Zusammenhänge erklären. Man kann über den Täter berichten, ohne seinen Namen zu nennen. Ist ganz einfach.

Wenn sie einfach nur weiterreichen, was andere ihnen diktiert haben, machen sie ihren Job nicht. Dann unterwerfen sie sich der Agenda der Täter. Wenn Journalisten sagen, dass die Nutzer ja alles im Original kriegen können und wir das einfach nur weiterreichen, dann können wir unsere Arbeit auch einstellen.

Zwei Ansätze

Es sind in diesen beiden Punkten (Nennung des Namens, Veröffentlichung des Bekennerschreibens), zwei unterschiedliche Ansätze, die Christopher Lemmer und ich verfolgen. Auf eine etwas abstraktere Ebene gehoben, würde ich sagen, dass der Unterschied darin liegt, ob wir uns als außenstehende Berichterstatter verstehen oder als Teil des Spiels.

Die erste, Lemmers Position, geht nicht etwa davon aus, dass unsere Berichterstattung keinerlei Einfluss auf die Ereignisse in der Welt haben. Ich glaube, das ist ihr schon bewusst. Sie lässt sich vielmehr nicht für die Folgen dieser Berichterstattung in die Pflicht nehmen. Das verstehe ich sogar, denn es kann Berichterstattung einschränken, wenn man ständig mögliche Folgen antizipiert. Tut man das nicht, ist man völlig frei in seiner Arbeit – aber eben nicht bei den Konsequenzen.

Ich finde aber, dass wir bestimmte Ergebnisse unserer Berichterstattung durchaus antizipieren müssen. In vielen Situationen tun wir das schon, etwa indem wir eben nicht mehr Geiselnehmer und Geiseln während der Tat interviewen, wie im Fall Gladbeck passiert (siehe Richtlinie 11.2 Pressekodex). Oder indem wir über Selbsttötungen zurückhaltend berichten (Richtlinie 8.7 Pressekodex). Das heißt, wir übernehmen Verantwortung für unsere Berichterstattung.

Wenn wir das nicht tun, besteht eben die Gefahr, dass man von Terroristen instrumentalisiert wird. Terroristen, denen es um die Verbreitung von Terror geht, für die sie uns brauchen, tun das. Und das hat eben nichts mehr mit eigenem Willen der Journalisten zu tun.

 

Nachsatz: Ich mache mir keine Illusionen. Natürlich wird der Name des oder der Täter in so einem Fall immer bekannt. Und die Richtlinie 8.1 des Pressekodex hält das auch für zulässig. Und natürlich werden Kollegen anders entscheiden als ich. Aber das muss für meine eigene Arbeit kein Maßstab sein. Ich sehe das einfach anders, und es gehört zu einer guten Diskussionskultur, das anzuerkennen statt loszuschimpfen.

Und natürlich löst meine Haltung das zugrundeliegende Problem nicht.

Es ist aber auch sinnlos, sich den verantwortungslosen Entscheidungen anderer anzuschließen.

Der Anhalter ist tot

Vor zweieinhalb Jahren hab ich hier die Feature-Reihe „Der Anhalter“ gelobt. Das kann man für viele Aspekte tun, mir ging es damals um den Aspekt der Transparenz. Denn die Autoren Sven Preger und Stephan Beuting haben nicht nur die Geschichte von Heinrich Kurzrock erzählt, sondern auch, wie sie dazu gekommen sind.

Das lag wohl vor allem auch daran, dass die Recherche zur Geschichte gehört, denn sie erzählt etwas über den Protagonisten der Reihe. Preger und Beuting treffen ihn unabhängig voneinander, mit einem Jahr Abstand. Am selben Ort: einer Tankstelle am Kölner Verteilerkreis. Er erzählt ihnen, er habe seine Kindheit in der Psychiatrie verbracht, mehr als 14 Jahre lang. Weggesperrt, geschlagen, missbraucht – in den 1950er und 60er Jahren sei das gewesen. Nun will Heinrich nur noch Schluss machen und sucht eine Mitfahrgelegenheit.

Schon damals erzählte Kurzrock, dass er Knochenkrebs im Endstadium hat. Am 7. Februar ist er gestorben. In einem Epilog zur Reihe teilen Sven und Stephan ihre Gefühle und Erinnerungen an Heinrich. (Hier die ganze Reihe.)

Wie bild.de mittels Framing das Framing anprangert

Das hat natürlich eine gewisse Ironie, wie bild.de das zurecht umstrittene Gutachten von Elisabeth Wehling für die ARD angreift – nämlich ausgerechnet mit Framing. Der ARD vorzuwerfen, sie wolle die Öffentlichkeit mittels Framing „umerziehen“, und dann selbst Begriffe zu benutzen, auf die genau dieser Vorwurf zutrifft, ist einigermaßen absurd. Genauso macht es bild.de aber in seinem Artikel:

Dabei benutzt bild.de nicht nur das Framing der „Umerziehungs-Fibel“ und des „Umerziehungs-Gutachtens“ und erweckt damit den Eindruck, die ARD sei willens oder gar in der Lage, irgendwen „umzuerziehen“ – zu was auch immer (denn das lässt der Text offen). Auch der Begriff „das gebührenfinanzierte Machwerk“ kommt im Text vor – ohne Distanzierung oder Berufung auf eine Quelle. Dass bild.de also mittels Framing der ARD vorwirft, Framing zu betreiben, ist einigermaßen absurd. Wenn auch nicht überraschend, denn die Redaktionen der Bild arbeiten ständig damit.

Konstruktiver Journalismus: Auf der Suche nach Lösungen

In den Medien wird ständig über aktuelle Debatten, Skandale und Probleme berichtet. Lösungen werden dagegen nur selten aufgezeigt. Deswegen schließen sich immer mehr Journalisten einer Bewegung an, die das ändern will. Sie arbeiten an einem konstruktiven und lösungsorientierten Journalismus.

Vom „Constructive Journalism Day“ des NDR und der Hamburg Media School vorige Woche habe ich für @mediasres im Deutschlandfunk berichtet.

Zum Welttag des Radios: Wie hören Menschen in Indonesien, Kenia und Frankreich?

Am Mittwoch war Welttag des Radios. Unsere Korrespondentinnen für Indonesien, Kenia und Frankreich haben sich dazu angeschaut, welche Bedeutung Radio in den Ländern hat. So gehört etwa in Frankreich das Radio zum Aufstehen dazu (wie in Deutschland), in Indonesien wird es vor allem in den vielen Staus gehört, in denen die Leute stehen, und in Kenia ist es oft das einzige Medium, über das die Leute etwas von der Welt erfahren. Die Beiträge liefen in @mediasres vom Mittwoch.

Gewinne trotz Skandalen: Kann Facebook machen, was es will?

Obwohl Facebook seit Monaten immer wieder in der Kritik steht, nimmt der Konzern keinen wirtschaftlichen Schaden. Auch der neueste Skandal – das Ausspähen junger Nutzer gegen Bezahlung – werde Facebook nicht dazu bringen, etwas an seinem Verhalten zu ändern, sagte Social-Media-Experte Martin Fehrensen im Dlf. Ich habe ihn für @mediasres befragt.

Die Meinungsforscher von Insa und ihre Verbindungen zur AfD

Das Umfrageinstitut Insa präsentiert sich als überparteilich. Aber wie unabhängig kann es sein, wenn Insa und Insa-Chef Hermann Binkert der AfD Geld spenden? Darüber berichten Kai Biermann, Astrid Geisler, Andreas Loos und Sascha Venohr für Zeit online. Lesenswertes Stück darüber, dass Meinungsforschung nicht unpolitisch ist, sondern Rückwirkungen auf die Politik hat, nicht nur für den politischen Prozess, sondern auch durch seine Akteure.

Schleichwerbung bei „Pastewka“: Amazon Prime Video will Einspruch einlegen

Am Dienstag habe ich über die Entscheidung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien berichtet, die eine Folge der Amazon-Prime-Video-Serie „Pastewka“ verboten hat. Diese muss wegen Schleichwerbung gelöscht werden.

Unmittelbar nach der Entscheidung wollte Amazon sich nicht dazu äußern, inzwischen hat die Firma reagiert und schreibt:

Amazon Prime Video wird Einspruch gegen die Verfügung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien einlegen. Ungeachtet dessen wird die beanstandete Episode in Kürze und für den Zeitraum, bis in der Sache entschieden wurde, gegen eine neue Version ausgetauscht. Prime-Mitglieder werden weiterhin alle Folgen von Pastewka ohne Unterbrechung bei Prime Video sehen können.

Das ist tatsächlich ein gangbarer Weg, den Beobachter erwartet haben. In Deutschland muss jede Veröffentlichung neu geprüft werden. Wenn Amazon also die Episode umschneidet, muss diese auf die Vorwürfe hin neu untersucht werden. Denn eine Vorzensur gibt es nicht.

Es bedeutet aber auch: Theoretisch kann Amazon Prime Video bis zu einer endgültigen inhaltlichen Entscheidung über die Beschwerde immer wieder neu geschnittene Fassungen einstellen, sobald es eine neue Anordnung der Medienaufseher gibt. Die haben allerdings für die erste bereits elf Monate gebraucht, insofern ist nicht damit zu rechnen, dass Amazon allzu oft umschneiden muss.

Bayerische Staatszeitung löscht mehr als 320 Online-Umfragen

Die Bayerische Staatszeitung hat jahrelang manipulierbare Online-Umfragen durchgeführt. Dabei konnte man zu einer Frage der Woche entweder auf Ja oder Nein klicken. Zunächst ging das nur einmal, aber wenn man das entsprechende Cookie im Browser gelöscht hat, konnte man erneut abstimmen.

Der Grünen-Politiker Dirk Wildt aus Passau hat auf diese Weise mehrere Umfragen manipuliert und mindestens einmal sogar das Stimmenverhältnis gekippt. Nachdem er die Redaktion darauf aufmerksam gemacht hatte, tat die erst mal wenig und führte sogar neue Umfragen durch. Daraufhin wandte er sich an den Deutschen Presserat.

Der entschied im Dezember, dass die Bayerische Staatszeitung gegen den Pressekodex verstoßen hat und sprach einen Hinweis aus – eine eher sanfte Sanktion. Zwischenzeitlich hatte die Redaktion ihre Online-Umfragen bereits gelöscht und will auch keine neuen durchführen.

Über den Fall habe ich gestern bei @mediasres im Deutschlandfunk berichtet.

Pastewka-Folge muss offline gehen

Die deutsche Comedyserie „Pastewka“, deren erste sieben Staffeln bei Sat1. liefen, ist mittlerweile beim Streaminganbieter Amazon Prime Video zu sehen ist. Die achte Staffel ist vor einem Jahr veröffentlicht worden. Auffällig war, wie viele Marken dort prominent im Bild zu sehen waren, vor allem die Elektronikkette Mediamarkt. Darüber habe ich 2018 für @mediasres berichtet.

In dieser Woche hatte das Konsequenzen. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien, die damals zwei Monate gebraucht hat, bis sie sich als Aufsichtsbehörde überhaupt erst für zuständig erklärt hat, hat entschieden, dass Amazon die Folge offline nehmen muss. Darüber habe ich am Dienstag bei @mediasres gesprochen.