Kommt nur selten vor: Bundesverfassungsgericht entscheidet über Wahlspot

Das ZDF muss einen aktuellen Wahlspot der NPD nicht spielen, hat das Bundesverfassungsgericht entschieden. Es ist nicht das erste Mal, dass Parteienwerbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk verhindert wird, kommt aber selten vor. Normalerweise landen Spots nicht vor den Gerichten, weil die Sender, die sie spielen müssen, bei der juristischen Prüfung großzügig sein sollen. In @mediasres im Deutschlandfunk habe ich heute ein wenig über die Hintergründe erzählt.

Meedia verbreitet unkommentiert Springer-Botschaften

(Screenshot: https://meedia.de/2019/03/27/springer-ceo-mathias-doepfner-zu-artikel-13-urheberrechtsreform-wird-innovationsschub-bei-bloggern-und-kleinen-verlagen-ausloesen/)

Der Branchendienst meedia.de hat vorige Woche ein vorgebliches Interview mit Springer-Chef Mathias Döpfner veröffentlicht. Im Vorspann heißt es:

Wie viele deutsche Verlage hat auch Axel Springer sich in den vergangenen Monaten für die EU-Urheberrechtsreform eingesetzt. Nach der erfolgten Zustimmung des EU-Parlaments am Dienstag darf man sagen: mit Erfolg. Weil die Initiative offenbar im eigenen Haus mitunter kontrovers diskutiert wurde, bezog CEO Mathias Döpfner nun im Springer-Intranet Stellung. MEEDIA veröffentlicht das Interview.

Dass es sich um ein Interview handelt, ist natürlich ein Witz. Denn das klingt nach einer journalistischen Darstellungsform. Tatsächlich ist aber ein im Intranet des Springer-Verlags veröffentlichtes Gespräch mit dem Chef eine reine PR-Maßnahme. Dass Meedia dieses Gespräch einfach so übernimmt, hat mit Journalismus nichts zu tun. Es ist nichts anderes, als eine Pressemitteilung abzudrucken.

Auf golem.de nimmt Friedhelm Greis das Gespräch auseinander. Titel seiner Analyse: „Das Lügen geht weiter“.

Das Döpfner-Interview auf Meedia.de enthält so viele Falschbehauptungen und Verdrehungen, dass man gar nicht weiß, wo man mit den Richtigstellungen anfangen soll. Zudem ist es sehr entlarvend, was die eigentlichen Ziele des neuen Leistungsschutzrechts betrifft. Diese Aussagen sollten die Politik aufhorchen lassen, denn sie stellen die Funktionsweise der Presse und die Meinungsfreiheit infrage.

Dass es darin so viele Falschbehauptungen und Verdrehungen gibt, wundert nicht – schließlich ist es PR. Hätte man Döpfner tatsächlich interviewt, hätte man ihn kritisch hinterfragen können. Aber Meedia hat sich stattdessen entschieden, die Springer-PR einfach so abzudrucken.

Wobei: Ein wenig kritisch waren sie am Ende doch. Unter dem Text heißt es, dass die Formulierung einer Frage korrigiert worden sei, da diese eine falsche Tatsachenbehauptung enthalten habe. So ein schlecht informierter Mitarbeiter in der Springer-Presseabteilung. Falsche Tatsachenbehauptungen in Döpfners Antworten wurden nicht korrigiert.

Saudischer Kronprinz: Viel Kritik trotz teurer PR-Kampagnen

Das saudische Königshaus hat in den vergangenen Jahren viel Geld in Öffentlichkeitsarbeit investiert. Trotzdem gerät besonders Kronprinz Mohammed bin Salman international immer wieder in die Kritik. Er verstehe nicht, wie politischer Diskurs im Westen ablaufe, sagte mir ARD-Korrespondent Carsten Kühntopp im Gespräch in @mediasres im Deutschlandfunk.

Sprachkritik am DFB: Verband distanziert sich von eigenem Sponsor

Der „Verein Deutsche Sprache“ zeichnet jedes Jahr mit einem Negativpreis die „Sprachpanscher des Jahres“ aus. In diesem Jahr ging der Hauptpreis an den Deutschen Fußball-Bund – mit folgender Begründung:

Sein Motto „Best never rest“, mit dem der DFB zur missglückten WM-Verteidigung in Russland angetreten war, klänge nach Meinung erzürnter Sprachfreunde wie die ungelenke Formulierung eines russischen Englischschülers im ersten Lernjahr. Auch der Aufdruck „Germany“ auf verschiedenen Kleidungsstücken wurde oft moniert.

(Die erzünte Sprachfreundin war übrigens die Russland-Korrespondentin Katrin Scheib, die das im März so kommentierte.)

Mit der Kritik kann der DFB aber überhaupt nicht umgehen. Gestern setzte er dazu diesen Tweet ab:

Interessant, wie sich der DFB hier von seinem eigenen Sponsor Mercedes Benz distanziert. Als habe der eine mit dem anderen gar nichts zu tun. Als habe Mercedes die Nationalelf gegen deren Willen gesponsert. Als habe sich die Mannschaft gegen ihren Willen in den Mannschaftsbus gesetzt und Mercedes auch das DFB-Logo einfach so verwendet.

Tatsächlich hat der DFB weder bei @dfb_team noch bei @dfb den entsprechenden Hashtag oder auch nur den Slogan benutzt. Aber sie haben den Slogan unterstützt – wie sich auch an den Retweets des entsprechenden Hashtags durch @dfb_team zeigt.

Es ist schon eine bemerkenswerte Übung in Kritikfähigkeit, die der DFB hier zeigt. Da geht praktisch komplett unter, dass der Verein Deutsche Sprache den Urheber des Slogans tatsächlich falsch ausgemacht hat. Er müsste sich an Mercedes richten. Dass der DFB aber nun plötzlich nichts mehr damit zu tun haben will, wie er hier behauptet, ist von einer interessanten Verantwortungslosigkeit.

Und noch was: Mit seinem Tweet hat er den berühmten Streisand-Effekt ausgelöst. Ohne ihn hätten nie so viele Menschen von der Auszeichnung des publizistisch weniger beachteten Vereins Deutsche Sprache erfahren. Ihn wird’s freuen.

„Größte Kirmes am Rhein“ in Düsseldorf wird 4,25 Millionen Besucher angezogen haben werden – vielleicht

Wie zählt man die Besucher einer Großveranstaltung ohne Einlasskontrolle? Vermutlich steht da keiner am Eingang und führt eine Strichliste, sondern es wird eher geschätzt. Wie seriös solche Schätzungen sind, ist die eine Sache – dass es womöglich nicht anders geht, eine andere. Unseriös sind solche Zählungen damit nicht unbedingt – wenn man dazuschreibt, wie sie zustandegekommen sind.

Die Veranstalter der Düsseldorfer Kirmes am Rhein, die St. Sebastianus Schützen Düsseldorf 1316, tun das allerdings nicht. Sie schreiben in einer Pressemitteilung:

Die Erwartungen wurden übertroffen: Statt der erhofften vier Millionen Besucher zog die „Größte Kirmes am Rhein“ 4,25 Millionen Besucher an. Das gab Kirmes-Organisator Thomas König heute bei einer Pressekonferenz bekannt.

Kein Wort dazu, dass lediglich geschätzt wurde. Kein Hinweis darauf, dass die Kirmes zum Zeitpunkt der Bekanntgabe noch gar nicht vorbei war, sondern hochgerechnet wurde, denn die Schätzung wurde fast einen Tag vor Schließung abgegeben. Die Pressemitteilung erschien am Sonntag um 14.48 Uhr, dabei sollte die Kirmes noch bis 23 Uhr laufen. Die Mitteilung hätte also eher so formuliert sein müssen:

Die Erwartungen werden übertroffen worden sein: Statt der erhofften vier Millionen Besucher wird die „Größte Kirmes am Rhein“ 4,25 Millionen Besucher angezogen haben werden.

Die Kommunikationsagentur, die die Pressemitteilung verschickt hat, teilt mir auf Nachfrage mit:

Die Zahl 4,25 Millionen kommt durch simple Hochrechnung zustande und wird festgelegt durch einen Kreis, der Ordnungsamt, Rheinbahn, Kirmesleitung, Polizei und Feuerwehr umfasst. Und es gibt natürlich Erfahrungswerte was den letzten Tag der Kirmes angeht. Unterscheidet sich also das Wetter am letzten Tag nicht von dem der Vortage, ist die Hochrechnung sehr sauber vorzunehmen, zumal mittags um 13 Uhr auch ein Blick auf die Kirmes schon einen deutlichen Hinweis über die Besucherzahl vermittelt.

In der Mitteilung selbst gibt es aber keinen Hinweis darauf. Und auch die Deutsche Presse-Agentur, die den Dreh der Veranstalter in einer Agenturmeldung übernommen hat, weist zunächst nicht darauf hin, wie die Zahlen zustande gekommen sind.

Die Bundesregierung als Fernsehsender

Was darf die Bundesregierung im Netz?

Das Neo Magazin Royale hat sich im März mal angesehen, was die Bundesregierung so alles im Netz macht. Nämlich Rundfunk, wie Jan Böhmermann sagt.

Der Vorwurf: Die Bundesregierung macht ein eigenes Rundfunkangebot – also eine Art Staatsfunk. Während Böhmermann das Thema satirisch aufbereitete, führte es doch zu einer ernsthaften Diskussion bei der Media Convention Berlin Anfang Mai.

Dabei stellte der Medienrechtler Hubertus Gersdorf von der Universität Leipzig in einer Keynote zu Beginn vor, was der Bundesregierung im Rahmen ihrer Öffentlichkeit erlaubt ist und was nicht.

In der anschließenden Diskussion beklagte Nicola Balkenhol, Multimedia-Chefin des Deutschlandradios, dass die Bundesregierung machen dürfe, was den Sendern des Deutschlandradios verboten sei, nämlich zum Beispiel Facebook-Live-Videos. Ein Ansinnen, das Johannes Dimroth vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung anerkannte, zuständig seien aber die Bundesländer. Dimroth verteidigte die Öffentlichkeitsarbeit seines Amtes nicht nur als erlaubt, sondern als gesetzlich erforderlich.

Eine interessante Diskussion über Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus.

 

Offenlegung: Ich arbeite als freier Mitarbeiter für das Deutschlandradio.