Gesperrte Twitter-Konten: „Ein erheblicher Einschnitt“ für die Identitäre Bewegung

Zwei Jahre nach Facebook hat nun auch Twitter Konten der rechtsextremen Identitären Bewegung gesperrt. Für den Extremismusforscher Jakob Guhl kommt das zwar spät – sei insgesamt aber positiv zu bewerten. Ohne die großen Plattformen könne die Gruppe ihr Ziel der Diskursverschiebung nach rechts schwerer erreichen, sagte Guhl mir im @mediasres-Interview im Deutschlandfunk.

Wie ich mal verkachelt wurde

Gelegentlich hab ich mich hier darüber beschwert, wie Aussagen auf Zitatkacheln verkürzt werden und nicht zu einem vernünftigen Diskurs über Themen beitragen.

Jetzt ist es passiert – ich bin selbst auf einer gelandet. Allerdings ohne mein Wissen. ZDFkultur hat ein Zitat aus meiner Betrachtung des Begriffs „Verschwörungstheorie“ verkachelt.

Falschnachrichten nach Hanau und Volkmarsen: „Sie wollen Menschen beeinflussen“

Nach besonderen Ereignissen wie dem in Volkmarsen kursieren oft sehr schnell Falschnachrichten im Netz. Ihre Verbreiter würden damit ein Informationsvakuum nutzen, sagte Kommunikationsforscherin Katharina Kleinen-von Königslöw im Dlf. Denn etablierte Medien seien auf gesicherte Quellen angewiesen.

Mein Interview mit Katharina Kleinen-von Königslöw in @mediasres im Deutschlandfunk.

Häppchenjournalismus bleibt nicht ohne Folgen

Jeden Tag lesen wir Nachrichten: auf dem Smartphone, elektronischen Werbetafeln oder in den Sozialen Netzwerken. Die Formate dafür werden immer kürzer. Immer öfter fehlt der Kontext, mitunter auch das journalistische Handwerk. Das zeigt sich besonders beim Umgang der Journalisten mit Zitaten. Mein Beitrag fürs WDR5-Medienmagazin „Töne, Texte, Bilder“.


„Kühnert warnt vor GroKo-Ausstieg“

„Kühnert macht Kehrtwende“

„Kühnert warnt vor Bruch mit der Union“

Drei Schlagzeilen Anfang Dezember, kurz vor dem Parteitag der SPD. Sie beruhen auf einem Interview, das Juso-Chef Kevin Kühnert der Rheinischen Post gegeben hatte. Darin sagt er:

„Wer eine Koalition verlässt, gibt einen Teil der Kontrolle aus der Hand, das ist doch eine ganz nüchterne Feststellung. Auch das sollten die SPD-Delegierten bei ihrer Entscheidung berücksichtigen.“

Kühnert zitiert sich in diesem Twitter-Video selbst, in dem er die angebliche 180-Grad-Wende dementiert, die ihm Zeitungen und Agenturen unterstellen.

„…und da hab ich Sachen zum Thema Große Koalition gesagt, die sag ich ehrlich gesagt schon seit anderthalb Jahren, und die sind jetzt in einer Agenturmeldung aus meiner Sicht falsch dargestellt worden…“

Nicht der einzige Fall in diesem Jahr, in dem eine Interviewäußerung aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Oliver Georgi, Politikredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, beobachtet diese Entwicklung schon seit Längerem:

„Da wird dann ein Zitat, ein Satz oder eine Stellungnahme herausgepickt. Die wird dann bei den sozialen Netzwerken aufgegriffen, und dann wird innerhalb von wenigen Stunden oder sogar Minuten nur noch über einen Satz aus dem Interview debattiert, und der verbreitet sich dann sehr schnell, und die Erregung nimmt mit jeder weiteren Verbreitung noch zu. Und am Ende hat dann die Aufregung über das Interview mit dem eigentlichen Interview gar nichts mehr zu tun.“

Denn nicht nur im Fall Kevin Kühnert folgte dem Interview ein Dementi. Im August gab CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer der Funke-Mediengruppe ein Interview. Die twitterte und titelte anschließend, Kramp-Karrenbauer habe dem ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen mit einem Parteiausschlussverfahren gedroht. Auch das eine Formulierung, die die CDU-Chefin noch am selben Tag dementierte:

„Ich habe weder im Interview noch an anderer Stelle ein Parteiausschlussverfahren gefordert.“

FAZ-Redakteur Georgi macht vor allem Sorge, dass Journalisten mit solchen Verkürzungen Empörungsspiralen in Gang setzen, die keinerlei Grundlage hätten.

Verbreitet werden sie nicht nur in sozialen Netzwerken, sondern auch in anderen journalistischen Kurzformaten, die es heute gibt: auf Bildschirmen in Bahnhöfen und Bussen, auf Werbetafeln an der Straße und in Pushnachrichten aufs Handy.

„In der Art der Zuspitzung, da findet diese Differenzierung aber keinen Platz mehr. Das führt dazu, dass wir alle, auch die Medien, die dann über Twitter, Shitstorm und über die Empörung berichten, dass wir den dann noch weiterverbreiten. Und man hat als Politiker es sehr schwer, eine solche Äußerung, die bei Twitter mal läuft oder auch in den traditionellen Medien aufgegriffen wurde, nochmal einzuholen.“

Georgi glaubt, dass diese Art der Berichterstattung langfristig dafür sorgt, dass Bürgerinnen nicht nur das Vertrauen in die Politik verlieren, sondern auch in die Medien. Denn auch wenn Politiker redlich argumentieren würden, könne es doch passieren, dass Journalistinnen ihre Aussagen wiederum verkürzen.

Der FAZ-Journalist hat aber auch beobachtet, dass Politikerinnen ihre Aussagen bewusst vage halten, um nicht auf allzu Konkretes festgelegt zu werden.

Aber auch Politiker der – sagen wir mal – der etablierten Parteien machen das, nicht immer mit Vorsatz, dass sie eine Äußerung bewusst vage formulieren, dann können sie sozusagen darauf nicht festgenagelt werden, weil das ja eben nicht klar und prägnant gesagt haben, aber die Botschaft, die sie damit vermitteln wollen – Kritik allgemein oder einem Kollegen nahezulegen, dass er sein Amt niederlegen muss, ohne ihn hart und klar kritisiert zu haben.“

Dann ist es ein Spiel für die Medien, die mitunter auch bereitwillig mitmachen. Denn auch wenn eine skandalöse Äußerung zurückgenommen wird, sorgt das wieder für neue Schlagzeilen.

Wie Twitter sein geschlossenes System aufbrechen könnte

Wer Nachrichten über einen Messenger verschickt, kann das nur an Leute tun, die diesen Messenger ebenfalls installiert haben: von WhatsApp zu WhatsApp, von Threema zu Threema, von Signal zu Signal. Zwischen den verschiedenen Systemen lässt sich nichts verschicken.

Bei Mails ist das anders. Hier ist der Anbieter egal, weil sich alle auf einen gemeinsamen Standard verständigt haben. Hier kann ich auch von einer gmail-Adresse an ein GMX-Konto verschicken oder an Yahoo oder jeden Inhaber einer Domain, der Mailadressen angibt.

Bei sozialen Netzwerken gibt es einen solchen Austausch wie bei den Messengern auch noch nicht. Die meisten haben ein Interesse daran, ihr System geschlossen zu halten. Twitter denkt jetzt aber darüber nach, einen gemeinsamen Standard zu entwickeln, dem sich dann auch andere Anbieter anschließen können. Twitter-Chef Jack Dorsey hat das gerade angekündigt.

Im Interview bei @mediasres im Deutschlandfunk (Audio-Link) hat mir netzpolitik.org-Autor Alexander Fanta die Twitter-Pläne erläutert und eingeschätzt, was das für soziale Netzwerke bedeuten könnte.

Parteien machen Journalisten Konkurrenz

Immer mehr politische Akteure machen ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit: Das Bundesverkehrsministerium berichtet aus dem sogenannten Neuigkeitenzimmer, der Unionsfraktionsvorsitzende „interviewt“ die Bundeskanzlerin, die AfD dreht einen sogenannten „Dokumentarfilm“. Im Netz stehen diese Formen neben traditionellem Journalismus.

Was für Auswirkungen das für Nutzer hat und auf die Arbeit von Journalisten, darüber wurde am Freitag auf der Konferenz „Formate des Politischen“ von Deutschlandfunk und Bundespressekonferenz diskutiert. Das Thema: „News ohne Journalisten – Wird der Journalismus in der Öffentlichkeit verdrängt?“

Über die neue Konkurrenz für Journalisten habe ich am Abend für „Fazit“ bei Deutschlandfunk Kultur berichtet – nachzuhören hier (Audio).

Regulierung von Facebook & Co.: „Wir brauchen jemanden, der darauf aufpasst“

Soziale Netzwerke wie Facebook und YouTube sollen für Transparenz sorgen und Aufsichtsbehörden auf ihre Algorithmen schauen lassen, sagte Verbraucherschützer Klaus Müller im Dlf. Er ist Mitglied des Datenethik-Gremiums, das die Bundesregierung berät. „Es geht um das Herzstück unserer Demokratie.“

Mein Interview mit Klaus Müller in @mediasres im Deutschlandfunk.

Entlarven oder ignorieren – was müssen die Öffentlich-Rechtlichen gegen Fake News tun?

Haben die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland eine besondere Aufgabe, etwas gegen Desinformation und Propaganda im Netz zu tun? Eine Frage, die man kontrovers diskutieren kann. Schließlich sind Medien in erster Linie dazu da, zu berichten, was passiert ist, und nicht, was nicht passiert ist. Ich finde diese Frage pauschal schwierig zu beantworten. Man könnte vermutlich seine ganzen Ressourcen darauf verwenden, um angebliche Nachrichten richtigzustellen.

Aber macht man damit nicht auch auf Meldungen aufmerksam, die besser gar nicht erst verbreitet würden? Patrick Gensing nennt es kontraproduktiv, jede dieser Meldungen in der 20-Uhr-Tagesschau vorzustellen.

Über das Thema haben auf der Republica diskutiert:

  • Ina Ruck, ARD-Korrespondentin in Russland, ehemals in den USA
  • Jan Schulte-Kellinghaus, rbb-Programmdirektor
  • Stefan Niggemeier, Übermedien
  • Patrick Gensing, Leiter Faktenfinder tagesschau.de
  • Anna-Mareike Krause, Head of Social Media, rbb

Moderation: Teresa Sickert

 

Werden die Europawahlen im Netz entschieden?

Über soziale Medien lassen sich politische Botschaften, aber auch Desinformation und Propaganda schnell verbreiten. Inwiefern könnte das die Europawahlen gefährden? Auf der re:publica habe ich für @mediasres mit SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Journalistin Karolin Schwarz und Social-Media-Analyst Luca Hammer diskutiert.

„Zu 99,9 Prozent eine PR-Offensive“

Dass Facebook zu viel Macht hat, sieht inzwischen selbst Mark Zuckerberg so. Sagt er. Der Facebook-Chef fordert deswegen nun auch, sein Unternehmen stärker zu regulieren. Dieser Vorstoß sei allerdings vor allem eine Marketing-Maßnahme, meinte Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller im Dlf. Er hat mir erzählt:

Für mich ist das zu 99,9 Prozent eine PR-Offensive von einem Unternehmen, was es nötig hat, was in den USA unter Druck ist, was in Australien, Neuseeland unter erheblichem Druck ist, und dem auch in Europa mit viel Misstrauen begegnet wird.