Wie kann man ausgewogen aus Israel und Gaza berichten?

Die Berichterstattung über das Hamas-Massaker und den Gaza-Krieg stellt Korrespondenten und Korrespondentinnen und Medien seit Monaten vor enorme Herausforderungen. Wann spricht man von Terroristen, wann von einem Krieg? Wo verläuft die Grenze zwischen klarer Sprache und einer über die Sachlichkeit hinausgehenden Bewertung?

Darüber haben bei der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche diskutiert: Holger Stark, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT, die Kommunikationswissenschaftlerin Nadia Zaboura und die Filmemacherin und Korrespondentin Hanna Resch (ARD). Es moderiert Pinar Atalay.

„Erzählungen schlagen Fakten“

Die Journalistin Gilda Sahebi hat bei der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche einen interessanten Eröffnungsvortrag gehalten. Ihre These: Die Geschehnisse werden nicht durch Fakten bestimmt, sondern durch Erzählungen. Nicht nur beim Publikum, auch bei denen, die Medien machen. Wir alle, so ihre These, haben internalisierte Erzählungen, die uns oft nicht bewusst sind, und die dafür sorgen, dass wir so leben und arbeiten, wie wir es tun. Ihnen entkommen könne man nur dadurch, dass man sie sich bewusst mache.

Auf diese Art und Weise werde auch Politik gemacht, und so komme es, dass trotz faktenbasierter und faktenorientierter Berichterstattung über Missstände und Skandale wie das Potsdamer Treffen oder die Straftaten Trumps sich am Ende doch Erzählungen durchsetzten.

AfD ante Portas: Was wird aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk?

Die AfD möchte den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der jetzigen Form abschaffen. Was das jetzt schon für die Arbeit dort bedeutet und welche Konsequenzen eine Abschaffung hätte, ist bei der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche in Hamburg diskutiert worden.

Lohnschreiber für den Kreml: Die Aufarbeitung des Falles Seipel in der ARD

Der Journalist Hubert Seipel hat Geld aus Russland bekommen – um über Russland zu berichten. Zuvor hatte er auch für die ARD Filme gemacht. Der unter anderem zuständige NDR hat die Vorwürfe intern aufarbeiten lassen. Darüber wurde am Wochenende bei der Jahrestagung des Netzwerks Recherche in Hamburg gesprochen.

An der Grenze zum Gesetzesbruch: Was dürfen Journalisten?

Der Journalist und Aktivist Arne Semsrott vom Portal „FragDenStaat“ hat eine Straftat begangen. Ganz bewusst. Er hat wörtlich aus Gerichtsunterlagen zitiert. Semsrott findet, dass so etwas keine Straftat sein darf, weil damit wichtige Informationen über relevante Verfahren nicht veröffentlicht werden können. Nun hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen ihn beantragt und das Landgericht die Verhandlung für Oktober festgesetzt.

Ähnlich geht es dem Journalisten Bastian Obermayer. Er hat über Bankgeheimnisse aus der Schweiz berichtet, die dort stärker geschützt sind als die Pressefreiheit. Deswegen traut er sich nicht, in die Schweiz zu reisen.

Über die Fälle ist am vergangenen Wochenende bei der Jahrestagung des Netzwerks Recherche in Hamburg diskutiert worden. Eine Empfehlung zum Anschauen.

Solidarität mit Evan Gershkovich

Vor einem Jahr war die Verhaftung des Wall-Street-Journalisten Evan Gershkovich in Russland großes Thema auf der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche in Hamburg. Sein Kollege Anton Troianovski berichtete von Kontakten mit Gershkovich und schilderte noch mal die absurden Umstände seiner Verhaftung und der Vorwürfe.

Es war Zufall, dass das Urteil gegen Gershkovich während der nr-Jahreskonferenz in diesem Jahr fiel. Gershkovich wurde wegen angeblicher Spionage zu 16 Jahren Lagerhaft verurteilt. Mit einer Solidaritätsaktion reagierten viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer darauf.

Solidaritätsaktion in Hamburg. (Foto/Copyright: Nick Jaussi / Netzwerk Recherche)

Fahren Schwangere schlechter Auto? PR-Tricks mit Daten und Statistiken

Jede Woche werden Dutzende unsinnige Umfragen und sogenannte Studien veröffentlicht. Meistens von Interessenverbänden und Firmen, leider zu oft auch von Medien, die die Daten und oft auch den Spin übernehmen.

Leider stimmt vieles davon nicht. Weil die Umfragen so formuliert sind, dass ihre Ergebnisse nicht das aussagen, was in sie hineininterpretiert wird zum Beispiel. Oder weil Zusammenhänge hergestellt werden, die die Daten gar nicht hergeben.

Ich beschäftige mich hier im Blog ja immer wieder vor allem mit Fehlern in der Demoskopie. Wer noch mal eine grundsätzliche Einführung in das Thema bekommen möchte, dem empfehle ich den Vortrag von Spiegel-online-Datenjournalist Philipp Seibst und Statistikprofessor Björn Christensen von der Uni Kiel, den sie beim Jahrestreffen des Netzwerks Recherche gehalten haben.

Darin legen sie nicht nur offen, wie absurd manche Umfragen und Studien sind, sondern haben auch jede Menge unterhaltsamer Beispiele parat, über die man – wenn man sie dann verstanden hat – nur noch lachen kann. Sie beantworten zum Beispiel die Frage, ob Schwangere wirklich schlechter Auto fahren (oder versuchen es zumindest).

NDR will keine Werbung mehr für Facebook machen

Medienhäuser nutzen Facebook nicht nur, um eigene Inhalte zu verbreiten – viele sehen das Netzwerk inzwischen auch als Konkurrenten auf dem Werbemarkt. Zeitungen sowie Radio- und Fernsehsender wollen zurückhaltender werden. Der NDR macht jetzt einen ersten kleinen Schritt, der Signalwirkung haben könnte. Von der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche in Hamburg habe ich für @mediasres im Deutschlandfunk berichtet.

Facebook vs. Justizministerium: Spannende Diskussion über das NetzDG

Facebook und das Bundesjustizministerium führen schon seit Wochen eine harte Auseinandersetzung über das sogenannte Netzwerkdurchsetzungsgesetz – meist hinter verschlossenen Türen. Facebook wehrt sich dagegen, hohe Geldbußen zahlen zu müssen, wenn das Ministerium feststellt, dass es systematisch strafbare Inhalte nicht löscht. Bei der Jahrestagung des Netzwerk Recherche in Hamburg kam es zu einer spannenden öffentlichen Debatte zwischen Justiz-Staatssekretär Gerd Billen und Facebook-Sprecherin Eva-Maria Kirschsieper. Mein Beitrag dazu bei @mediasres im Deutschlandfunk.