Umstrittener Begriff: umstritten

Medien nutzen in Berichten gerne den Begriff „umstritten“, weil sie damit schnell einen Konflikt andeuten können. Aber umstritten sollte in der Demokratie doch eigentlich das meiste sein, warum sollte man den Begriff also für Alltägliches nutzen? Andererseits: Einige Sachen sind in der Demokratie ja eigentlich nicht umstritten, so was wie Menschenrechte zum Beispiel.

Wegen der inflationären Verwendung habe ich mir den Begriff mal für den Sprachcheck „Sagen und Meinen“ im Deutschlandfunk angesehen.

Zu viel, zu wenig Kontext, zu irreführend: Kritik an Trump-Berichterstattung

Seit über einem Jahr beherrscht US-Präsident Donald Trump nicht nur die USA, sondern auch die Medienberichterstattung – auch hier bei uns. Kein Tag, in dem es nicht um ihn geht. In der Branche wird diskutiert, ob Trumps Handeln und die Geschehnisse in den USA richtig beschrieben und eingeordnet werden. Ich habe im Deutschlandfunk die Diskussion zusammengefasst.

Ein Familiendrama ist kein Drama, sondern Kriminalität

Ein „Drama“ oder eine „Tragödie“ kennen wir aus dem Theater. Das meinen Medien aber nicht, wenn sie von einem Familiendrama oder einer Familientragödie sprechen. Dann geht es um Straftaten – meist, wenn ein Mann Familienmitglieder tötet, etwa seine Eltern, seine Frau oder Ex-Frau und die eigenen Kinder oder die Kinder der Frau. Nicht selten tötet sich der Täter anschließend selbst.

Wie problematisch die Verwendung der Begriffe in Medien ist, habe ich für den Deutschlandfunk notiert.

Wie journalistische Sprache die Ursachen von Verkehrsunfällen verschleiert

Wer sich für Verkehrsmeldungen in Tageszeitungen interessiert, findet da oft Schlagzeilen wie

  • „Fußgänger von Auto erfasst“
  • „Radfahrer konnte offener Tür nicht ausweichen“
  • „Auto übersieht Radfahrer“

Gemeinsam haben die Meldungen, dass man bei vielen von ihnen zum Schluss kommen muss: Vor allem Radfahrer und Fußgänger machen Fehler, Autofahrer kommen dagegen gut weg. Das liegt aber nicht an ihnen, sondern darüber, wie Polizei und Medien über Verkehrsunfälle berichten. (Ein Beispiel hatte ich auch mal hier im Blog.)

Ein Forschungsteam hat solche Berichte jetzt untersucht. Ich habe darüber im Deutschlandfunk mit Forschungsleiter Dr. Dirk Schneidemesser vom Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit in Potsdam gesprochen.

Das Problem ist nicht neu, das NDR-Medienmagazin Zapp hat darüber schon vor Jahren berichtet:

Link zur Pressemitteilung

Vorschläge, wie es besser gehen könnte

Wenn Medien Täter und Opfer umkehren

Wenn Medien über Gewalt gegen Minderheiten berichten – ganz gleich ob gegen Schwule, trans Personen, Musliminnen oder Juden – fällt oft so eine Formulierung: „weil er schwul ist“, „weil sie Jüdin ist“ oder auch „weil sie die Ehre der Familie verletzt hat“.

Das klingt auf den ersten Blick einleuchtend. Allerdings: Schwul oder jüdisch zu sein – um bei diesen Beispielen zu bleiben – ist ja nicht die Ursache für die Gewalt.

Deswegen sollten Medien das auch anders formulieren. Wie und warum, habe ich im Sprachcheck im Deutschlandfunk erklärt.

Verbot von geschlechtergerechter Sprache: Wolfram Weimer spaltet, statt zu verbinden

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat bestimmte Formen des Genderns in seiner Behörde verboten. Begründet wird das mit vermeintlicher Bevormundung bei der Sprache. Dass das widersprüchlich ist, stört Weimer nicht. Ihm geht es um einen Kulturkampf. Mein Kommentar im Deutschlandfunk.

Warum Medien den Begriff „Deal“ nur als Zitat nutzen sollten

Wenn Medien den Begriff „Deal“ nutzen, ist klar, dass dieser auf Donald Trump zurückgeht. Im Zeitungskorpus des Digitalen Wörterbuchs der Deutschen Sprache ist eine Korrelation zwischen den Amtszeiten Trumps und der Verwendung in Medien so stark, dass sie kein Zufall sein kann.

Das Problem mit dem Begriff in Medien ist nicht nur das Framing Trumps, das mit übernommen wird. Sondern vor allem, dass der Begriff unpräzise ist. Im Deutschen kann damit zwar auch ein Wirtschaftsabkommen gemeint sein, aber auch ein Friedensvertrag. Oder doch nur eine Einigung, wie es sie heute in Sachen Zoll ist.

Vermutlich das Papier nicht wert, auf dem sie steht.

Trotzdem kann es durch die unbewusste Verwendung in Medien schnell nach einem Vertrag klingen. Deshalb sollten Medien das Wort nicht nutzen. Mehr dazu im heutigen Sprachcheck „Sagen und Meinen“ im Deutschlandfunk.