Vier Länder gegen ein höheres EU-Budget: Sparsam oder geizig?

In der Berichterstattung über die Haushaltspolitik der EU sprechen viele Medien derzeit von den „Sparsamen Vier“ – ein Titel, den Österreich, die Niederlande, Schweden und Dänemark selbst mitgeprägt haben. Auch deshalb wäre es besser, darauf zu verzichten, habe ich für den Sprach-Check „Sagen und Meinen“ im Deutschlandfunk aufgeschrieben.

(Im Tweet ist noch das falsche Foto mit der norwegischen Flagge statt der dänischen, ist im Artikel aber korrigiert.)

Reden in Corona-Zeiten

„Social distancing“, Coronasünder, Maskenzwang – es sind neue Begriffe, die wir in der Corona-Pandemie kennenlernen und mittlerweile ganz selbstverständlich nutzen. Oft hinterfragen wir aber gar nicht, was hinter solchen Begriffen steckt.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung tut das in einer kleinen Diskussionsreihe, bei der jeweils zwei Menschen, die sich beruflich mit Sprache beschäftigen, über einzelne Begriffe sprechen.

Folge 1: Coronasünder

mit der deutschen Schriftstellerin Felicitas Hoppe und dem österreichischen Kabarettisten Severin Groebner

Folge 2: Systemrelevant

mit dem deutschen Schriftsteller Ingo Schulze und dem deutschen Sprachwissenschaftler Jürgen Schiewe

Folge 3: Gesichtsmaske

mit der deutschen Schrifstellerin Ursula Krechel und dem deutschen Juristen und Rechtshistoriker Michael Stolleis

Folge 4: Hygienedemos

mit der Dichterin Monika Rinck und dem Mediziner und Wissenschaftshistoriker Michael Hagner

Im Prinzip eine gute Idee, aber selbst für mich als Sprachinteressierten kümmern sich die beiden Diskutanten jeweils relativ lange mit einem Begriff, so dass die Diskussion manchmal ausufert und die nachvollziehbaren Argumente durch weniger nachvollziehbare ergänzt werden, um die Diskussion in die Länge zu ziehen.

Weitere Folgen sind angekündigt. Im Moment sind die Abrufzahlen allerdings nicht sonderlich hoch, also mal sehen, wie lang die Reihe wirklich fortgesetzt wird.

Wo sind die Terroristinnen?

Manche sagen Politiker, meinen aber auch Politikerinnen. Das sei kürzer und leichter zu sprechen. Frauen sollen sich natürlich auch angesprochen fühlen, so die Begründung. Doch was ist bei negativ besetzten Begriffen? Sind Terroristinnen mit gemeint, wenn von Terroristen die Rede ist? Oder gibt es da einen blinden Flecken in der geschlechtergerechten Sprache?

Eine neue Episode im @mediasres-Sprachcheck „Sagen & Meinen“.

Wie geschlechtergerecht muss journalistische Sprache sein?

Ob mit Gendersternchen, Binnen-I oder Doppelpunkt, geschlechtergerechte Sprache wird in unterschiedlichen Formen immer häufiger von Medienschaffenden genutzt. Braucht der Journalismus diese Entwicklung? Darüber habe ich in @mediasres im Dialog mit Hörerinnen und Hörern diskutiert.

Pädophilie ist keine Straftat

In der Berichterstattung über Kindesmissbrauchsfälle ist auch oft die Rede von Pädophilie. Der Begriff wird allerdings oft nicht richtig eingeordnet, denn bei weitem nicht alle Pädophile vergehen sich an Kindern. Pädophilie ist auch keine Straftat. Mein Beitrag für den @mediasres-Sprachcheck „Sagen & Meinen“.

Kreis Gütersloh ist nicht wieder im „Lockdown“

Mittlerweile kann man den Begriff „Lockdown“ offenbar auf alles anwenden, wenn es um Beschränkungen in der Corona-Krise geht. Vor allem NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat ihn immer wieder verwendet, aber im Laufe der Zeit völlig verwässert. Denn was er bezeichnet,

  • unterliegt ständigem zeitlichen Wandel: was vor vier Monaten ein Lockdown war, unterscheidet sich sehr von dem, was es heute ist
  • hängt sehr vom Ort ab: in Italien und Spanien war das, was man dort Lockdown nannte, sehr viel extremer als hier, weil die Menschen ihre Wohnungen dort höchstens noch für den Weg zur Arbeit, zum Arzt, zur Apotheke, zum Supermarkt oder um jemandem zu helfen verlassen durften
  • ist eigentlich englischen Ursprungs und meint dort „Ausgangssperre“, die gab es in Deutschland aber nur sehr lokal galt.

Deswegen habe ich mich damit schon vor zwei Monaten für den Sprachcheck im Deutschlandfunk damit beschäftigt:

Einen Shutdown hatten wir dagegen in Deutschland nie. In den USA meint das das Stilllegen der Bundesverwaltung, wenn es kein neues Haushaltsgesetz gibt.

Wir hatten also keinen Shutdown, geschweige denn seine Steigerung: den totalen Lockdown. Wenn Politiker, Medien oder Wirtschaftsexperten von Ausgangssperre, Shutdown oder Lockdown sprechen, stellen sie die Situation extremer dar, als sie ist – und verfolgen damit womöglich Interessen.

Wenngleich ich mir bei den Interessen mittlerweile nicht mehr sicher bin. Mir kommt die Kommunikation von Laschet nicht sonderlich stringent vor.

Denn hatte er im April noch Gründe, von einem „totalen Lockdown“ zu reden, den er ja beenden wollte, wäre es heute in seinem Sinne, die Sache differenzierter darzustellen, um sich Unterstützung dafür vor allem von den betroffenen Menschen im Kreis Gütersloh zu sichern.

Die Maßnahmen dort sind nämlich nicht ganz so streng wie im März, mal davon abgesehen, dass sie eben nicht landes- oder bundesweit gelten, sondern nur regional. So bleiben zum Beispiel Geschäfte und Restaurants geöffnet.

Auch wegen solcher Unterschiede verdeckt der Begriff „Lockdown“, was genau eigentlich gerade gilt. Differenzierter lässt sich einfach darstellen, was jetzt verboten wurde bzw. was noch gilt. Ein schwammiger Begriff wie „Lockdown“ hilft dabei nur begrenzt.

Warum man nicht von „Rassenunruhen“ sprechen kann

Seit Wochen demonstrieren vor allem in den USA zehntausende Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Um die Bewegung zusammenzufassen, wird in einigen Medien von „Rassenunruhen“ gesprochen. Doch neutral ist dieser Begriff nicht – und er benennt nicht treffend, was wirklich passiert, findet Annika Schneider in ihrem Beitrag zur Reihe „Sagen & Meinen – Der Sprach-Check“ im Deutschlandfunk.

„Kinderpornographie“ ist kein Porno

Lügde, Bergisch Gladbach, Münster – immer wieder berichten Medien über Kindesmissbrauchsfälle. Oft ist dann auch die Rede von „Kinderpornographie“. Doch der Begriff ist unpassend und verharmlost Gewalt gegen Kinder. Mein Beitrag für den Sprachcheck „Sagen & Meinen“ im Deutschlandfunk.

Wie Sprache die politische Wirklichkeit formt

Schon lange war nicht mehr so wichtig, wie Politikerinnen und Politiker mit Bürgerinnen und Bürgern sprechen. In der Corona-Krise haben sie wochenlang alle paar Tage über die Maßnahmen gesprochen, die sie ergriffen haben. Wer wissen wollte, welche Regeln gerade gelten, musste ihnen zuhören – wenn auch vermittelt über die Medien.

Wie kommunizieren Politiker in Corona-Zeiten und wie eigentlich grundsätzlich? Darüber habe ich für das Deutschlandfunk-Medienmagazin @mediasres mit dem Sprachwissenschaftler Sascha Michel von der Universität Erfurt gesprochen (Audio-Link).

Zufriedenheit auf Rekordhoch – Unzufriedenheit auf Rekordtief

Es ist schon ein paar Wochen her, aber da es zum Thema Umfragen passt, mit dem ich mich immer wieder beschäftige, will ich noch drauf hinweisen, wie die Bild-Zeitung das Ergebnis einer Umfrage darstellt.

Ich bin diesmal nicht der Frage nachgegangen, ob die Umfrage seriös zustandegekommen ist. Interessant ist in diesem Fall die Darstellung des Ergebnisses. Möglicherweise, weil der Redaktion das Umfrageergebnis nicht passt, dreht sie es in der Darstellung einfach auf den Kopf. Statt zu schreiben, dass die Zufriedenheit mit der Bundesregierung so hoch ist wie nie, schreibt sie einfach, dass die Unzufriedenheit auf einem Rekordtief sei. Das ist schon ein interessanter Spin und eine Frage des Framings.

Die ganze Geschichte hat das Bildblog aufgeschrieben.