Debatte um Rundfunkreformen: Saarland lehnt Fusion von SR mit SWR ab

Nach dem vorläufigen Aus für eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags müssen die Öffentlich-Rechtlichen sparen. Der SWR hat deshalb eine Art von Fusion mit dem Saarländischen Rundfunk (SR) ins Spiel gebracht. Der SR selbst lehnt das ab – und auch die Landesregierung betont die Eigenständigkeit des Senders.

Er finde den Zeitpunkt für das Gniffke-Interview „unglücklich“, sagte der für Medienfragen zuständige Staatssekretär Henrik Eitel mir im Interview im Deutschlandfunk. Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Rundfunkbeitrag erwecke der SWR-Intendant den Eindruck, „als gäbe es noch Unmengen an Potential zu bergen, das noch nicht gehoben ist“.

Michael Borgers hat die Debatte um eine Fusion hier zusammengefasst.

50 Jahre Neujahrsansprache aus dem Kanzleramt: Machtworte aus der Glotze

Es ist neben „Dinner for One“ das jährliche Ritual, wenn sich Kanzler oder Kanzlerin am Silvesterabend an die Nation wenden. In diesem Jahr wird die Neujahrsansprache aus dem Kanzleramt 50 Jahre alt. Die Reden sind meist feierlich getragen, nur eine Person bringt gelegentlich Witz hinein.

Mein Beitrag in @mediasres im Deutschlandfunk.

Meedia stellt Umfrage unter Volontär*innen irreführend dar

Die Umfrage war unter öffentlich-rechtlichen Volontärinnen und Volontären durchgeführt worden – und sie hat bereits bei Twitter für Aufsehen gesorgt. Hier soll es aber nicht um die Inhalte gehen, sondern darum, wie sie dargestellt werden.

Darum geht es: Für den „Journalist“ haben Volontäre des Bayerischen Rundfunks eine Umfrage unter all ihren Ausbildungskolleg*innen bei ARD-Anstalten, dem ZDF und dem Deutschlandradio gestartet. 150 waren das damals. Nur 86 haben geantwortet, also etwas mehr als die Hälfte. Übermedien hat die Hintergründe dazu.

Das bedeutet aber: Die erhobenen Zahlen können nicht so interpretiert werden wie es viele Kritiker und auch Meedia jetzt tun. Aus einem Bruchteil aller Teilnehmer*innen kann man nicht schließen, dass „alle“ so abgestimmt haben. Trotzdem titelt Meedia:

ARD-Volontäre würden mit absoluter Mehrheit die Grünen wählen

Da steht natürlich nicht ausdrücklich „alle ARD-Volontäre“, aber das Weglassen der wichtigen Information, dass es sich eben nicht um alle handelt, setzt den Begriff absolut. Sonst hätte man ja „einige“ oder „viele“ oder „Großteil der“ schreiben können.

Nun könnte man natürlich die absolute Mehrheit behaupten, wenn ein so hoher Anteil aller Volontäre mitgemacht hätte, dass die absolute Mehrheit auch bei Befragen der Übrigen nicht mehr zu kippen gewesen wäre. Das liegt hier aber nicht vor.

Meedia schreibt das im Text auch selbst:

In der Studie wurden alle 150 Volontäre von ARD und Deutschlandradio zu den Themen Geburtsort, Migrationshintergrund, Bildungsabschluss und politische Orientierung gefragt. 86 antworteten. ZDF und SR hatten zu diesem Zeitpunkt keine Volontäre.

Allerdings antworteten die 86 nicht auf alle Fragen. Insbesondere zur politischen Orientierung äußerten sich nur 77 von ihnen. Das lässt sich der Grafik auch entnehmen, unter der es heißt:

Grundgesamtheit: 77 Angaben, gerundet in Prozent

Wenn 77 von 150 auf diese Frage antworten, sind es gerade mal die Hälfte aller Volontär*innen – und dass alle zusammen mit absoluter Mehrheit die Grünen wählen, kann man daraus nicht schließen.

Regierungschefs der Länder stimmen für höheren Rundfunkbeitrag

Im kommenden Jahr soll der Rundfunkbeitrag um 86 Cent pro Monat steigen – auf dann 18,36 Euro. Voraussetzung ist, dass alle mitmachen, die darüber zu entscheiden haben. Heute haben die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer schon mal Ja gesagt und den entsprechenden Vertrag unterzeichnet. Ich habe für @mediasres mit unserem Experten für Rundfunkpolitik, Christoph Sterz, über die Entscheidung gesprochen.

Wie arbeiten Auslandsjournalisten in der Corona-Krise?

Viele Korrespondentinnen und Korrespondenten berichten derzeit nicht wie gewohnt aus dem Ausland – weil die Sender während der Coronakrise eine Abwägung treffen müssen zwischen der Pflicht zur Berichterstattung und der Sicherheit der Mitarbeiter. Wie kann Auslandsberichterstattung jetzt noch funktionieren?

Darüber habe ich in einer spannenden Runde geredet – mit

  • Thilo Kößler, USA-Korrespondentin des Deutschlandradios in Washington, im Moment aber im Homeoffice in Köln, weil er wegen familiärer Gründe ausreisen musste und nun wegen des Einreisestopps nicht zurück kann
  • Simone Schlindwein, Pauschalistin für die taz in der Region der Großen Seen in Afrika, unter anderem für Uganda, Ruanda und die Demokratische Republik Kongo, wegen Ausgangsbeschränkungen im Moment im Homeoffice in Kigali
  • Marc Dugge, ARD-Hörfunkkorrespondent in Madrid
  • Ulf Röller, ZDF-Korrespondent Ostasien in Peking

Ich habe unter anderem danach gefragt, wie in so einer Krise die Auslandsberichterstattung gesichert werden kann, wo es in vielen Ländern Ausgangsbeschränkungen gibt, die teilweise auch Journalistinnen und Journalisten betreffen, Berichterstattung also teilweise nicht möglich ist.

Eine meiner Fragen: Können gerade öffentlich-rechtliche Sender ihre Korrespondenten nicht abziehen, weil sie wegen des Rundfunkbeitrags einen besonderen Informationsauftrag haben? Darüber musste ZDF-Korrespondent Ulf Röller laut lachen – auch wenn das merkwürdig klinge, sagte er, es sei gerade die spannendste Zeit seines Journalistenlebens und er wolle gar nicht zurück.

Auch Thilo Kößler zieht es zurück in die USA; sobald es möglich wird, will er wieder zurück.

Eine interessante Runde von einer Kollegin und drei Kollegen, die für ihre Arbeit brennen und das Beste aus der Situation machen.

Kann man hier hören und noch ein paar Zusatzinfos dazu lesen, welche Medien ihre Berichterstattung teilweise einschränken mussten, weil die Korrespondent*innen nicht am Ort sein können.

Dokumentarfilmer: „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk braucht uns“

Seit 40 Jahren kümmert sich die „Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm“ (AG Dok) um die Interessen der Dokumentarfilmer. Zwar gebe es heute eine vielfältige Szene, sagte Thomas Frickel, Vorstand des Berufsverbands, im Dlf. Doch seien auch neue Probleme hinzugekommen. Besonders in der Pflicht sieht er ARD und ZDF.

Mein Interview mit Thomas Frickel in @mediasres im Deutschlandfunk.

Vertrauen in Medien in Deutschland ist weiterhin hoch

Etwa jeder fünfte Bürger in Deutschland wirft den Medien vor, die Bevölkerung systematisch zu belügen. Zugleich wächst die Zahl der Menschen, die solche Vorwürfe zurückweisen. Das zeigen neue repräsentative Befunde der Langzeitstudie „Medienvertrauen“, die am Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) durchgeführt wird.

Demnach sagten bei Befragung Ende vergangenen Jahres 43 Prozent der Befragten, sie würden Medien ganz allgemein eher oder voll und ganz vertrauen, „wenn es um wirklich wichtige Dinge geht – etwa Umweltprobleme, Gesundheitsgefahren, politische Skandale“ – so die Fragestellung.

Über die Studie habe ich in @mediasres im Deutschlandfunk (Audio) mit Tanjev Schultz von der Universität Mainz gesprochen.

Interessant: Das Vertrauen ist viel höher, wenn man spezifischer nach journalistischen Medien und nicht nur nach Medien allgemein fragt.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und Tageszeitungen schneiden mit 67 bzw. 66 Prozent viel besser ab. Dass immer noch ein Drittel der Nutzer Medien nicht komplett vertrauen, hält Schultz aber nicht per se für ein schlechtes Signal. Zum einen sei das Vertrauen im internationalen Vergleich relativ hoch, zum anderen sei es sinnvoll, dass Nutzer auch skeptisch mit Medien umgingen.

Für bedenklich hält er eher die Gruppe derjenigen, die sagen, man könne Medien eher oder voll und ganz nicht vertrauen, die mittlerweile auf 28 Prozent angestiegen sei.

Lügenpresse-Vorwürfe seien zwar weiterhin verbreitet, allerdings widersprächen dem immer mehr Bürger.

FAZ stellt Rundfunkbeitrag wieder irreführend dar

Dass FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld ein Gegner der Öffentlich-Rechtlichen ist, ist kein Geheimnis. Immer wieder kommentiert er entsprechend, was sein gutes Recht ist. Schlimmer aber finde ich, dass er auch gerne in Berichten tendenziös schreibt und Dinge irreführend darstellt.

Das hat er in einem Kommentar jetzt wieder getan. Das Problem ist nicht seine Meinung, sondern die schiefe Darstellung, die er darin macht. Er schreibt über das Verfahren, mit dem ARD, ZDF und das Deutschlandradio ihren Bedarf für die nächste Beitragsperiode anmelden:

Das Verfahren ist aufwendig: Die Sender melden ihren „Finanzbedarf“ an – in der Regel viel zu viel, aktuell sind es drei Milliarden Euro mehr bei zurzeit rund acht Milliarden Euro Beitragseinnahmen jährlich.

Er vergleich hier allerdings Äpfel mit Birnen. Denn die drei Milliarden Euro beziehen sich auf die gesamte Beitragsperiode von vier Jahren – es sind also 750 Millionen Euro pro Beitragsjahr. Die acht Milliarden Euro beziehen sich aber auf nur ein Beitragsjahr. Innerhalb von vier Jahren sind es also 32 Milliarden Euro.

Mit diesem irreführenden Vergleich werden die Summen in ein falsches Verhältnis gesetzt, unterstützen damit aber Hanfelds Kommentar, dass das „viel zu viel“ sei.

Das kann kein Zufall sein. Denn schon im Januar 2018 hat Hanfeld genau diesen schiefen Vergleich angestellt.

Auch wenn die FAZ inzwischen offenbar auf ihre Diffamierung der öffentlich-rechtlichen Sender als „Staatsfunk“ verzichtet, so schafft sie es doch nicht, den Fakten durchgehend gerecht zu werden.

 

Offenlegung: Ich arbeite für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

ORF – zu kritisch für die Politik?

Morgen wird in Österreich ein neues Parlament gewählt. Seit der Abwahl des damaligen Bundeskanzlers Sebastian Kurz im Mai war es ruhig um die Regierungspläne zum Österreichischen Rundfunk ORF.

Der steht seit Langem im Fokus der Kritik der Regierungsparteien FPÖ und ÖVP. Das zeigte sich besonders deutlich bei der Auseinandersetzung mit ORF-Journalist Armin Wolf. Reformpläne der FPÖ lägen weiterhin auf dem Tisch, sagte mir Harald Fiedler, Medienjournalist der Zeitung „Der Standard“, im Deutschlandfunk-Interview.

25 Jahre Deutschlandradio – beim Tag der offenen Tür in Köln

Das Deutschlandradio, für das ich arbeite, ist in diesem Jahr 25 Jahre alt geworden. Nicht die einzelnen Sender Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova, sondern die gemeinsame Mutter sozusagen, die Träger der drei Sender ist – eben das Deutschlandradio.

Zum Geburtstag gab es im Mai schon einen Tag der offenen Tür im Funkhaus in Berlin, in dem Deutschlandfunk Kultur entsteht. Am 22. September können sich Hörer*innen das Funkhaus in Köln anschauen, in dem Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Nova gemacht werden.

In der Einladung schreibt Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue:

Schauen Sie hinter die Kulissen des Kölner Funkhauses, blicken Sie ins Studio, lernen Sie die Gesichter zu bekannten Stimmen und die Köpfe hinter Ihren Lieblingssendungen kennen. Vor allem: Erzählen Sie und fragen Sie. Wir wollen mit Ihnen ins Gespräch kommen. Sie werden feststellen, so ein Funkhaus steckt voller engagierter Menschen. Und so wünsche ich Ihnen, dass Sie viel sehen, noch mehr hören und einen spannenden Tag im Funkhaus erleben.

Am Nachmittag präsentiert sich auch das Medienmagazin @mediasres, für das ich arbeite. Zwischen 13.30 und 15 Uhr arbeiten wir mit Hörern in einem Studio.