Wer wissen will, was seine Vorfahren in der Zeit des Nationalsozialismus getan haben, hat dafür seit ein paar Monaten Hilfe: Auf den Startseiten von zeit.de, spiegel.de und mittlerweile auch sueddeutsche.de gibt es entsprechende Tools, um eine US-Datenbank mit den Namen von NSDAP-Mitgliedern zu durchsuchen. Ich habe im Deutschlandfunk mit Willi Winkler, Autor bei der Süddeutschen Zeitung, über Erfolg und Aussagekraft der Tools gesprochen.
Deutlich mehr Programmbeschwerden gegen ARD, ZDF und Deutschlandradio
Wer unzufrieden ist mit ARD, ZDF und Deutschlandradio, kann sich offiziell beschweren und verlangen, dass ihre Aufsichtsgremien, die Rundfunkräte, dem nachgehen. 2025 haben das deutlich mehr Menschen getan als in den Jahren davor. Ich habe für den Deutschlandfunk die Zahlen recherchiert und in den Informationen am Morgen und in @mediasres darüber berichtet.
Insgesamt gab es 4.985 offizielle Programmbeschwerden gegen die Sender – ein starker Anstieg im Vergleich zum Jahr 2024, als es nur 1.129 waren. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend: Zum einen hat es tatsächlich mehr Beschwerden gegeben, zum anderen kamen aber viele über die Webseite rundfunkalarm.de, über die sich leichter Beschwerden einreichen lassen, wenngleich diese fehlerhaft und nicht unbedingt zielführend sind. Ich erkläre im Beitrag, warum.
Beschwerde gegen Tagesschau: NDR-Rundfunkrat lehnt ab
Ein Zuschauer hat sich beim NDR-Rundfunkrat über die Tagesschau beschwert. Es geht um eine Formulierung in der 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau vom 1. Februar 2026. Dort hieß es:
Vor vier Jahren, als Russland die Ukraine überfiel, gab es in Deutschland große Sorge um die Erdgas-Belieferung. Damals waren die Befürchtungen groß, dass Russland den Gashahn zudrehen könnte – was auch weitgehend geschah.
Laut Rundfunkrat bemängelte der Beschwerdeführer, dass diese Aussage nicht zutreffe und lediglich die Sichtweise der Bundesregierung wiedergebe; damit verstoße der NDR gegen den Grundsatz der zur Wahrheit verpflichteten Berichterstattung. Die Redaktion teilte demnach mit, dass die Formulierung den Umstand der tatsächlich zunächst stark reduzierten und anschließend eingestellten Lieferungen beschreibe. Der Rechts- und Eingabenausschuss des NDR-Rundfunkrats lehnte die Beschwerde ab – und so tat es auch das Plenum gerade vorige Woche.
Warum die Tagesschau den Attentäter von Magedeburg nur verpixelt zeigt
Ihren Bericht über das Urteil gegen den Attentäter vom Magdeburger Weihnachtsmarkt hat die Tagesschau mit einem erstaunlich transparenten Einblick begonnen. Dort heißt es auf Bilder des verpixelten Attentäters:
Der Angeklagte wird in diesem Beitrag unkenntlich gemacht. So soll vermieden werden, dass er und seine Tat zur Bühne für Selbstdarstellung werden – in einem der größten Strafprozesse der vergangenen Jahrzehnte.
Journalistinnen und Journalisten sprechen ja selten so offen über ethische Entscheidungen wie diese, deshalb ist es zu begrüßen, dass die Tagesschau das hier gleich zu Anfang transparent macht. Auch die Entscheidung selbst finde ich nachvollziehbar. Sie lässt sich zum Beispiel mit Richtlinie 11.2 des Pressekox begründen, in der es heißt:
Bei der Berichterstattung über Gewalttaten, auch angedrohte, wägt die Presse das Informationsinteresse der Öffentlichkeit gegen die Interessen der Opfer und Betroffenen sorgsam ab. Sie berichtet über diese Vorgänge unabhängig und authentisch, lässt sich aber dabei nicht zum Werkzeug von Kriminellen machen.
Wie viel Zuspitzung verträgt der Journalismus?
Bei der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche am vergangenen Wochenende in Hamburg wurde über verschiedene Themen diskutiert. Auch darüber, wie viel Zuspitzung der Journalismus verträgt.
Deutschlandfunk plant große Programmreform
Der Deutschlandfunk steht vor einer Programmreform – der größten seit der Gründung des Deutschlandradios vor mehr als 30 Jahren. Heute wurden die Pläne im Hörfunkrat vorgestellt, dem Aufsichtsgremium des Senders, und dessen Mitglieder haben sie diskutiert. Details will das Haus der Öffentlichkeit Anfang Juli vorstellen. Ich habe für den Deutschlandfunk über die Pläne und die Debatte berichtet, danach hat Intendant Stefan Raue dazu Fragen beantwortet.
Google haftet für selbst erstellte KI-Inhalte
Das hat das Landgericht München am vergangenen Freitag entschieden. Es geht um KI-generierte Zusammenfassungen von Nachrichtentexten. Die fallen nicht unter das Suchmaschinenprivileg, demzufolge Google nicht für die Inhalte von Links haftet. Da die KI-Zusammenfassungen aber als Eigenleistung durch Google erstellt wurden, ist das Unternehmen auch dafür verantwortlich, urteilten die Richter. Ich habe das kurz für den Deutschlandfunk zusammengefasst.
Fehler in der Moderation: ZDF korrigiert Sendung online
Das ZDF hat eine Unterlassungserklärung abgegeben, nachdem ihm der US-Unternehmer Elon Musk Lügen vorgeworfen hat. Er stört sich an einer Formulierung in der Sendung „ZDF heute live“ am vergangenen Donnerstag. Zum Beginn der Sendung sagte die Moderatorin:
„Ein brutaler Mordversuch auf offener Straße in Belfast. Jemand filmt, das Video geht viral. Ein rassistischer Mob macht daraufhin Jagd auf Migranten. Dazu aufgerufen hatten ein britischer Rechtsextremist und Tech-Milliardär Elon Musk.“
Tatsächlich hatte Musk nicht zur Jagd auf Migranten aufgerufen, sondern lediglich zu Protesten. Musk teilte Beiträge des rechtsextremen britischen Aktivisten Tommy Robinson und des Vorsitzenden der rechtsextremen Partei Restore UK, Rupert Lowe.
Musk forderte das ZDF über seinen deutschen Anwalt Joachim Steinhöfel dazu auf, eine Unterlassungserklärung abzugeben, was das ZDF tat. Mehr dazu in meinem Beitrag für den Deutschlandfunk.
Deutschlandfunk findet keine KI in Casdorff-Kommentaren
Der Tagesspiegel-Autor Stephan-Andreas Casdorff hat Kommentare für die Zeitung mit KI erstellt. Das hat er gegenüber der Zeitung eingeräumt, habe ich gestern im Deutschlandfunk berichtet.
Casdorff kommentiert ab und an auch im Deutschlandfunk, zuletzt im März 2026. Gegenüber dem Sender hat er versichert, dass seine Meinungsbeiträge für das Programm nicht mit KI erstellt worden seien. Der Deutschlandfunk hat das mittlerweile geprüft und hat keine Anhaltspunkte für Betrug gefunden.
Tagesspiegel macht Betrug mit KI öffentlich
In der Medienbranche wird gerade diskutiert, wo und wie künstliche Intelligenz eingesetzt werden darf. Der Berliner Tagesspiegel hat am Wochenende einen Fall öffentlich gemacht, in dem KI intransparent eingesetzt wurde. Darüber habe ich im Deutschlandfunk berichtet.