Nicht mal in der U-Bahn eine Nachrichtenpause!

Ob an der Kasse, im Aufzug oder in der Bahn: Überall lauern Bildschirme mit Nachrichtenmeldungen. Mehr von der Welt verstehe ich dadurch nicht. Denn viele Schlagzeilen werfen mehr Fragen auf als sie beantworten. Für Übermedien habe ich recherchiert und mir meinen Frust von der Seele geschrieben.

An der Grenze zum Gesetzesbruch: Was dürfen Journalisten?

Der Journalist und Aktivist Arne Semsrott vom Portal „FragDenStaat“ hat eine Straftat begangen. Ganz bewusst. Er hat wörtlich aus Gerichtsunterlagen zitiert. Semsrott findet, dass so etwas keine Straftat sein darf, weil damit wichtige Informationen über relevante Verfahren nicht veröffentlicht werden können. Nun hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen ihn beantragt und das Landgericht die Verhandlung für Oktober festgesetzt.

Ähnlich geht es dem Journalisten Bastian Obermayer. Er hat über Bankgeheimnisse aus der Schweiz berichtet, die dort stärker geschützt sind als die Pressefreiheit. Deswegen traut er sich nicht, in die Schweiz zu reisen.

Über die Fälle ist am vergangenen Wochenende bei der Jahrestagung des Netzwerks Recherche in Hamburg diskutiert worden. Eine Empfehlung zum Anschauen.

Solidarität mit Evan Gershkovich

Vor einem Jahr war die Verhaftung des Wall-Street-Journalisten Evan Gershkovich in Russland großes Thema auf der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche in Hamburg. Sein Kollege Anton Troianovski berichtete von Kontakten mit Gershkovich und schilderte noch mal die absurden Umstände seiner Verhaftung und der Vorwürfe.

Es war Zufall, dass das Urteil gegen Gershkovich während der nr-Jahreskonferenz in diesem Jahr fiel. Gershkovich wurde wegen angeblicher Spionage zu 16 Jahren Lagerhaft verurteilt. Mit einer Solidaritätsaktion reagierten viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer darauf.

Solidaritätsaktion in Hamburg. (Foto/Copyright: Nick Jaussi / Netzwerk Recherche)

Mein „Hasswort“: Streit

Wenn in der Ampel-Koalition diskutiert wird, tun wir in den Medien oft so, als ginge da Ungeheuerliches vor sich. Dabei gehören Debatten in der Demokratie dazu. Und längst nicht jede Diskussion ist ein Streit. Bei Übermedien durfte ich mich über eines der Wörter auslassen, die ich in Berichterstattung am wenigsten mag – auch deshalb, weil es selten zutrifft.

Mehr Dieter Nuhr wagen: Wo ist die konservative Satire im Fernsehen?

Unser Nach-Redaktionsschluss-Hörer Antonius Möllenhoff vermisst im Fernsehen satirische Formate, die nicht links sind. Ob es überhaupt konservative Satire gibt, darüber habe ich mit ihm, mit Satiriker Florian Schroeder und Dietrich Krauß, dem Headautor der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ diskutiert. Hier gibt es die neue Folge von „Nach Redaktionsschluss“.

Bitte nicht mehr von „Kinderschändern“ sprechen!

Wenn Medien über sexuelle Gewalt gegen Kinder berichten, sprechen sie manchmal von „Kinderschändern“. Wie absurd ist das denn? Bringen die Täter etwa Schande über ihre Opfer? Ist es nicht vielmehr so, dass sie selbst die Schande sind? Eine klassische Täter-Opfer-Umkehr. Mehr dazu in meinem Sprachcheck „Sagen und Meinen“ im Deutschlandfunk.

Wenn nicht die Meinung interessiert, sondern die Meinung über andere Meinungen

Es gibt Umfragen, die lassen mich ratlos zurück. Der Spiegel fragt zum Beispiel gerade online:

„Video-Assistenten bei Fußballspielen: Schadet die Überprüfung der Beliebtheit des Sports?“

Da weiß man gar nicht, was man antworten soll. Werde ich gefragt, ob der Sport dadurch bei mir unbeliebter wird? Das hätte man direkter machen können. Der Wortlaut legt aber etwas anderes nahe. Demnach werde ich gefragt, ob ich finde, dass der Sport dadurch insgesamt unbeliebter wird. Das heißt, der Spiegel fragt nicht nach meiner Meinung, sondern er fragt mich, wie wohl die Meinung der anderen aussieht.

Das ist natürlich eine beknackte Frage, die weniger Erkenntnis bringt als die von mir zuerst formulierte Deutung der Frage. Außerdem zweifle ich daran, dass den meisten Befragten überhaupt klar ist, welche Frage da beantwortet werden soll – die einen mögen auf die eine Deutung antworten, die anderen auf die andere. Aussagekräftige Ergebnisse bringt solche eine komplizierte Fragestellung nicht. (Mal davon abgesehen, dass sie ohnehin nicht repräsentativ sind.)

Nach Freilassung von Julian Assange: Was macht eigentlich Edward Snowden?

Der US-Whistleblower war 2013 in Russland gestrandet. Seitdem haben wir nur gelegentlich von ihm gehört. 2019 konnte ich ihn zusammen mit meinem Kollegen Stefan Koldehoff für den Deutschlandfunk interviewen.

Anlässlich der Freilassung von Julian Assange, der nach einem Deal mit der US-Justiz in seine Heimat Australien ausreisen konnte, habe ich bei SRF 4 News erzählt, was die beiden Fälle Assange und Snowden verbindet und was sie unterscheidet.

Wie treffen Biden und Trump aufeinander

Für das TV-Duell zwischen den beiden voraussichtlichen Kandidaten für die US-Präsidentschaft, Joe Biden und Donald Trump, wurden im Voraus viele Regeln aufgestellt. Damit sich die beiden nicht ständig ins Wort fallen, werden zum Beispiele ihre Mikrofone stummgeschaltet, wenn der andere redet. Was man noch ausgehandelt hat, hat mir ARD-Korrespondent Ralf Borchard aus Washington in @mediasres erzählt.