Wer ist wirklich „sozial schwach“?

Menschen, die wenig Geld haben, werden in den Medien immer wieder als „sozial schwach“ bezeichnet. Dabei ist eine soziale Schwäche etwas völlig anderes. Deshalb wäre es deutlich sinnvoller, auf andere Begriffe zurückzugreifen. Eine neue Episode für den Sprach-Check „Sagen und Meinen“ in @mediasres im Deutschlandfunk.

Ein Land, zwei Namen: Heißt es Weißrussland oder Belarus?

Am Sonntag wird in Weißrussland ein neuer Präsident oder eine Präsidentin gewählt. Und in Belarus auch.

Wer nicht aufpasst, hat nicht mitbekommen, dass in deutschen Medien mittlerweile zwei Namen für dasselbe Land verwendet werden. Was die Begriffe unterscheidet, habe ich für unseren Sprach-Check „Sagen und Meinen“ in @mediasres im Deutschlandfunk recherchiert.

Ist „Kindesmissbrauch“ ein treffender Begriff?

Beim Begriff „Kindesmissbrauch“ habe einige Hörerinnen und Hörer des Deutschlandfunks das Gefühl, dass daran etwas nicht stimmt. Sie haben uns geschrieben und gefragt: Wenn es möglich ist, Kinder zu missbrauchen – müsste es dann nicht auch möglich sein, sie zu gebrauchen? Das ginge ja nicht. Die Schlussfolgerung ist verständlich. Trotzdem nutzen ihn Menschen, die sich für die Rechte von Kindern eingesetzt. Ich habe gefragt, warum.

Ein blinder Fleck

Wenn wir von Bürgerinnen und Bürgern sprechen, wollen wir Frauen und Männer meinen. Aber konsequent sind wir nicht: Sprechen wir auch von Terroristinnen und Terroristen? Eher selten. Ein blinder Fleck.

Zur „Sagen und Meinen“-Folge von vor zwei Wochen gibt’s jetzt auch die Variante als Video.

Warum Steuern nicht unbedingt eine Last sein müssen

Wenn Medien über Steuern berichten, dann häufig mit Wortkonstruktionen, die das Thema als etwas Negatives erscheinen lassen: „Steuerbelastung“ zum Beispiel. Neutral ist das nicht – denn die positiven Seiten des Themas bleiben so auf der Strecke. Mein Beitrag für den @mediasres-Sprachcheck „Sagen und Meinen“ im Deutschlandfunk.

Bastian Pastewka präsentiert alte Krimihörspiele

Außerhalb der eingefleischten Hörspielszene ist er vermutlich der bekannteste Fan des Genres: Comedian und Schauspieler Bastian Pastewka. In den letzten Jahren ist er allerdings mittlerweile Teil der Szene geworden, nachdem er in Hörspielen mitgespielt und Regie geführt hat. Mit dem lange verschollenen Krimi „Paul Temple und der Fall Gregory“ ist er mit Ensemble monatelang erfolgreich durch Deutschland getourt.

Pastewka begeistert sich vor allem für klassische Krimihörspiele der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die präsentiert er seit Anfang des Monats in einem neuen Krimipodcast, den Radio Bremen aufgelegt hat. Er heißt „Kein Mucks“, in Anlehnung an eine Radiohörerin, die erzählt, dass sie früher beim Hörspielhören alle mucksmäuschenstill sein mussten.

Radio Bremen zitiert Pastewka so:

„Kein Mucks!“ lauscht zurück in eine Epoche, als das Unterhaltungshörspiel noch nach Dampfradio klang. Bremen lebte offenbar in Mono und wohlige Stimmen ließen den Hörerinnen und Hörern den Atem anhalten. Die Kommissare rauchen, die Schurken sperren sich in Kleiderschränke und der clevere Mörder verstellt einfach seine Stimme am Telefon. Die pointierten „Wer ist der Täter“-Krimis entstanden zu einer Zeit, in der das Radio noch „Spieldose“ und junge Frauen „Küken“ genannt wurden.

Die Krimis selbst sind von unterschiedlicher Qualität. Sie sind aber wunderbar verpackt. Bastian Pastewka führt in jedes Hörspiel bzw. jede Folge ein, stellt den Kontext und vor allem die Macher vor. Gerade bekannten Stimmen widmet er manchmal mehrere Minuten und erzählt, was die Schauspielerinnen und Schauspieler sonst so gemacht haben oder woher wir sie eigentlich kennen – mit vielen O-Tönen. Daraus bestehen auch mehrere Collagen, die typische Sätze aus Krimis zitieren, ergänzt durch klassische Krimimusik. So ist schon der Rahmen des Podcasts hörenswert. Für Liebhaber klassischer Radiokrimis eine Empfehlung.

Disclaimer: Ich arbeite als freier Mitarbeiter für ARD-Anstalten.

Vier Länder gegen ein höheres EU-Budget: Sparsam oder geizig?

In der Berichterstattung über die Haushaltspolitik der EU sprechen viele Medien derzeit von den „Sparsamen Vier“ – ein Titel, den Österreich, die Niederlande, Schweden und Dänemark selbst mitgeprägt haben. Auch deshalb wäre es besser, darauf zu verzichten, habe ich für den Sprach-Check „Sagen und Meinen“ im Deutschlandfunk aufgeschrieben.

(Im Tweet ist noch das falsche Foto mit der norwegischen Flagge statt der dänischen, ist im Artikel aber korrigiert.)

Reden in Corona-Zeiten

„Social distancing“, Coronasünder, Maskenzwang – es sind neue Begriffe, die wir in der Corona-Pandemie kennenlernen und mittlerweile ganz selbstverständlich nutzen. Oft hinterfragen wir aber gar nicht, was hinter solchen Begriffen steckt.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung tut das in einer kleinen Diskussionsreihe, bei der jeweils zwei Menschen, die sich beruflich mit Sprache beschäftigen, über einzelne Begriffe sprechen.

Folge 1: Coronasünder

mit der deutschen Schriftstellerin Felicitas Hoppe und dem österreichischen Kabarettisten Severin Groebner

Folge 2: Systemrelevant

mit dem deutschen Schriftsteller Ingo Schulze und dem deutschen Sprachwissenschaftler Jürgen Schiewe

Folge 3: Gesichtsmaske

mit der deutschen Schrifstellerin Ursula Krechel und dem deutschen Juristen und Rechtshistoriker Michael Stolleis

Folge 4: Hygienedemos

mit der Dichterin Monika Rinck und dem Mediziner und Wissenschaftshistoriker Michael Hagner

Im Prinzip eine gute Idee, aber selbst für mich als Sprachinteressierten kümmern sich die beiden Diskutanten jeweils relativ lange mit einem Begriff, so dass die Diskussion manchmal ausufert und die nachvollziehbaren Argumente durch weniger nachvollziehbare ergänzt werden, um die Diskussion in die Länge zu ziehen.

Weitere Folgen sind angekündigt. Im Moment sind die Abrufzahlen allerdings nicht sonderlich hoch, also mal sehen, wie lang die Reihe wirklich fortgesetzt wird.

Coronakrise zwingt Medien zu Transparenz

Wie wählen Redaktionen ihre Themen aus, wie kommen Reporterinnenen an ihre Quellen? Lange haben sich Medien schwer getan, auch über ihre eigene Arbeit zu berichten. In der Coronakrise zeigen sie nun ungewohnte Einblicke. Langfristig könnte das zu mehr Vertrauen in den Journalismus führen. Mein Beitrag für @mediasres im Deutschlandfunk.