Wann etwas mutmaßlich ist und wann nicht

Wenn Informationen unsicher sind, nutzen Medien gerne den Begriff „mutmaßlich“. Oft im Zusammenhang mit möglichen Tätern oder Tatverdächtigen – meist bis zur ihrer Verurteilung.

Sie dürfen aber Ausnahmen machen, etwa wenn eine Tat in aller Öffentlichkeit geschehen ist oder der Täter geständig ist. Der Pressekodex billigt das ausdrücklich (Richtinie 13.1):

Die Presse darf eine Person als Täterin oder Täter bezeichnen, wenn sie ein Geständnis abgelegt hat und zudem Beweise gegen sie vorliegen oder wenn sie die Tat unter den Augen der Öffentlichkeit begangen hat. In der Sprache der Berichterstattung ist die Presse nicht an juristische Begrifflichkeiten gebunden, die für die Leserschaft unerheblich sind.

Wann Medien den Begriff „mutmaßlich“ nutzen sollten und wann nicht, habe ich im Deutschlandfunk kommentiert.

Landgericht Hamburg lenkt wegen Beschlagnahmung bei ZEIT teilweise ein

Vor mehr als zwei Wochen hatte das Landgericht Hamburg Unterlagen einer Journalistin der Wochenzeitung „Die Zeit“ beschlagnahmen lassen – ein ungewöhnlicher Vorgang, weil es ein starker Eingriff in die Pressefreiheit ist. „Die Zeit“ legte eine Beschwerde ein, jetzt hat das Landgericht die Entscheidung teilweise korrigiert. Ich habe im Deutschlandfunk erklärt, worum es geht.

Da das Landgericht grundsätzlich an der Beschlagnahmung festhält, weil es nämlich nur einen Teil des Durchsuchungsbeschlusses für rechtswidrig erklärt hat, könnte man die Überschrift auch anders formulieren, etwa so:

Landgericht Hamburg hält grundsätzlich an Beschlagnahmung bei ZEIT fest

Je nachdem, was man betonen will, ginge also auch das.

Die interessante Einschätzung von LTO-Journalist Jakob Hoffmann kann man übrigens hier nachlesen.

Wie Russland Einweg-Agenten im Netz anwirbt

Dem sind RTL und Stern auf die Spur gegangen und haben ihre investigative Reportage unter anderem bei RTL+ veröffentlicht. Die ersten Minuten davon gibt es auch bei YouTube.

Über die Ergebnisse ihrer Recherche, über ihre Vorgehensweise und über die Kritik daran habe ich im Deutschlandfunk mit RTL-Investigativreporterin Angelique Geray gesprochen.

Besser diskutieren

Wie können wir als Gesellschaft besser miteinander sprechen? Darüber haben Dirk von Gehlen und Stefan Niggemeier auf der Republica 2026 in Berlin gesprochen. Beide bringen kluge Gedanken ein und tauschen sich kurzweilig aus, ohne sich zu lange in Theorien zu verwickeln. Auch ein paar Einwürfe aus dem Publikum sind spannend.

Diskussion über AfD-Politik Siegmund auf Spiegel-Cover

Auf der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ sieht man ein Foto von Ulrich Siegmund, dem Spitzenkandidaten der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Darunter steht die Überschrift: „Der gefährlichste Mann Deutschlands“. Dieses Titelblatt hat eine Diskussion in Medien und Politik ausgelöst. Im Deutschlandfunk habe ich erzählt, warum.

Forscher warnen vor schlechten Meinungsumfragen

Umfragen sind beliebt in Medien. Wie groß ist die Furcht vor islamistischen Anschlägen? Sollte unser neues Staatsoberhaupt ein Mann oder eine Frau sein? Und wie würde am Sonntag gewählt werden?

Leider sind nicht alle Umfragen wirklich aussagekräftig, weil sie schlecht gemacht sind. Das kritisieren jetzt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der European Survey Research Association – und sie appellieren an Medien, es besser zu machen.

Darüber habe ich im Deutschlandfunk mit meiner Kollegin Kathrin Kühn aus der Wissenschaftsredaktion gesprochen. Das von ihr erwähnte Interview mit dem Forscher Ulrich Kohler findet man hier.

Verworren und intransparent: Wie die Öffentlich-Rechtlichen mit Beschwerden umgehen, ist Quatsch

Wenn ARD, ZDF und Deutschlandradio Fehler machen, darf jeder eine Programmbeschwerde einreichen. Doch das System ist extrem intransparent: Wie oft sich über welche Sendung warum beschwert wurde, ist kaum herauszubekommen. Und die Rundfunkräte entscheiden fast immer im Sinne der Sender. Ich habe meine Recherche für den Deutschlandfunk noch mal ausführlich für Übermedien aufgeschrieben.

5 Jahre nach Machtübernahme der Taliban: Wie steht es um die Medien?

Am kommenden Samstag (15.08.) ist es fünf Jahre her, dass die Taliban in die afghanische Hauptstadt Kabul eingezogen sind. Seitdem damals auch die Bundeswehrt dort Hals über Kopf abzog, ist Afghanistan mehr und mehr aus deutschen Medien verschwunden. Heute herrschen dort die Islamisten, und Deutschland schiebt Menschen zu ihnen ab.

Wir wollen auf die Medien in Afghanistan schauen und darauf, wie hier über Afghanistan berichtet wird. Darüber habe ich heute Mittag mit dem österreichisch-afghanischen Journalisten Emran Feroz gesprochen. Über die Frage, ob es überhaupt journalistische Medien in einer Diktatur wie der in Afghanistan gibt – und darüber, ob wir hier in Deutschland müde sind von Berichten aus Afghanistan.

Ceuta: Hat Desinformation die Massen bewegt?

Vor knapp zwei Wochen kamen in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika tausende Migranten an, die meisten schwammen durchs Mittelmeer. Menschenrechtler sprechen von mindestens 140 Menschen, die dabei ums Leben kamen. Fast alle der 72.000 sind mittlerweile nach Marokko zurückgekehrt.

Viele Menschen haben sich auf den Weg gemacht, nachdem sie Falschinformationen in sozialen Netzwerken gesehen hatten. Das hat sich Monir Gha|edi genauer angesehen, Faktencheckerin bei der Deutschen Welle. Ich habe mit ihr im Deutschlandfunk über ihre Recherche gesprochen.

Russland schreibt Telegram-Gründer international zur Fahndung aus

Russland hat den Gründer des Messengerdienstes Telegram international zur Fahndung ausgeschrieben. Der Vorwurf: Pawel Durow soll über seinen Dienst Telegram Terrorismus unterstützen. Durow ist gebürtiger Russe, hat das Land aber vor Jahren verlassen und ist mittlerweile Franzose.

Ich habe in der Deutschlandfunk-Frühsendung „Informationen am Morgen“ und noch ausführlicher im Medienmagazin @mediasres berichtet.