Wie Medien in die Rassismus-Falle tappen

Die Kolonialzeit ist längst vorbei. Aber Bilder und Stereotypen aus dieser Epoche tauchen immer noch in den Medien auf. Sie finden sich im mitleidigen Unterton, wenn es um Schwarze geht oder in der Stigmatisierung von Menschen mit Migrationshintergrund als kriminelle Bedrohung.

Wie kann es Journalistinnen und Journalisten gelingen, nicht in die Rassismus-Falle zu tappen? Wo beginnt Rassismus in der Sprache? Wäre es sinnvoll, die Nationalität von Tatverdächtigen weitestgehend aus der Berichterstattung herauszulassen? Und warum sind die Redaktionen immer noch wenig divers aufgestellt, obwohl in Deutschland mehr als jeder vierte Mensch einen Migrationshintergrund hat?

Darüber diskutiert unsere Hörerin Zühriye Beyazıt mit dem Journalisten und Podcaster Malcolm Ohanwe und Christoph Sterz aus der DLF-Medienredaktion. Für die Produktion war ich verantwortlich.

Haben Sie Anmerkungen zu Medienthemen? Schreiben Sie uns an NachRedaktionsschluss@deutschlandfunk.de. Bisherige Folgen unseres Podcasts finden Sie hier und bei allen gängigen Podcatchern.

Meedia stellt Umfrage unter Volontär*innen irreführend dar

Die Umfrage war unter öffentlich-rechtlichen Volontärinnen und Volontären durchgeführt worden – und sie hat bereits bei Twitter für Aufsehen gesorgt. Hier soll es aber nicht um die Inhalte gehen, sondern darum, wie sie dargestellt werden.

Darum geht es: Für den „Journalist“ haben Volontäre des Bayerischen Rundfunks eine Umfrage unter all ihren Ausbildungskolleg*innen bei ARD-Anstalten, dem ZDF und dem Deutschlandradio gestartet. 150 waren das damals. Nur 86 haben geantwortet, also etwas mehr als die Hälfte. Übermedien hat die Hintergründe dazu.

Das bedeutet aber: Die erhobenen Zahlen können nicht so interpretiert werden wie es viele Kritiker und auch Meedia jetzt tun. Aus einem Bruchteil aller Teilnehmer*innen kann man nicht schließen, dass „alle“ so abgestimmt haben. Trotzdem titelt Meedia:

ARD-Volontäre würden mit absoluter Mehrheit die Grünen wählen

Da steht natürlich nicht ausdrücklich „alle ARD-Volontäre“, aber das Weglassen der wichtigen Information, dass es sich eben nicht um alle handelt, setzt den Begriff absolut. Sonst hätte man ja „einige“ oder „viele“ oder „Großteil der“ schreiben können.

Nun könnte man natürlich die absolute Mehrheit behaupten, wenn ein so hoher Anteil aller Volontäre mitgemacht hätte, dass die absolute Mehrheit auch bei Befragen der Übrigen nicht mehr zu kippen gewesen wäre. Das liegt hier aber nicht vor.

Meedia schreibt das im Text auch selbst:

In der Studie wurden alle 150 Volontäre von ARD und Deutschlandradio zu den Themen Geburtsort, Migrationshintergrund, Bildungsabschluss und politische Orientierung gefragt. 86 antworteten. ZDF und SR hatten zu diesem Zeitpunkt keine Volontäre.

Allerdings antworteten die 86 nicht auf alle Fragen. Insbesondere zur politischen Orientierung äußerten sich nur 77 von ihnen. Das lässt sich der Grafik auch entnehmen, unter der es heißt:

Grundgesamtheit: 77 Angaben, gerundet in Prozent

Wenn 77 von 150 auf diese Frage antworten, sind es gerade mal die Hälfte aller Volontär*innen – und dass alle zusammen mit absoluter Mehrheit die Grünen wählen, kann man daraus nicht schließen.

Medien als Helfershelfer von Terroristen?

Terroranschläge – wie der in Wien oder die in Frankreich – sind nicht nur eine Herausforderung für die Gesellschaft, sondern auch für Medien. Terroristen geht es darum, durch ihre Taten Angst und Schrecken zu erzeugen – dazu brauchen sie Medien. Und bringen sie damit in eine schwierige Lage:

Wie können sie berichten, ohne selbst Angst und Schrecken zu erzeugen? Wie vermeiden sie, laufende Polizeieinsätze zu behindern? Welche Bilder der Taten können sie zeigen? Wie verhindern sie es, dass Täter glorifiziert oder Opfer noch mal zu Opfern werden?

Über diese Fragen denkt unser Hörer Thorsten Wagner nach und spricht im Podcast mit Wulf Schmiese, Redaktionsleiter vom „ZDF heute journal“ und mir.

Zu hören zum Beispiel in der Dlf-Audiothek, bei Apple Podcasts (gerne dort eine Bewertung hinterlassen!), Spotify und anderen Podcatchern – verlinkt auch hier.

Haben sie Anmerkungen zu Medienthemen? Schreiben Sie uns an NachRedaktionsschluss@deutschlandfunk.de.

Warum sich der Begriff „Lockdown“ durchgesetzt hat

Während der Coronakrise werden in den Medien viele Begriffe für die Einschränkungen im öffentlichen Leben verwendet. Gerade wird besonders häufig von einem „Lockdown“ gesprochen. War der Begriff ursprünglich noch unpassend, hat sich seine Bedeutung mittlerweile gewandelt.

Mein Beitrag für den @mediasres-Sprachcheck „Sagen und Meinen“.

Corona-Berichterstattung: Folgen die Medien der Regierung?

Die Zahl der Corona-Infizierten in Deutschland und weltweit steigt massiv an, Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht von einer Jahrhundertherausforderung. Kaum eine Nachrichtensendung, die zurzeit nicht mit den neuen Zahlen aus dem RKI aufmacht, auf den Titelseiten der Tageszeitungen gibt es wenig andere Themen. Gleichzeitig erklären Bestsellerautoren, wie der umstrittene Mikrobiologe Sucharit Bhakdi, die Epidemie für beendet.

Und wie schon zu Beginn der Pandemie beklagen sich Mediennutzerinnen und –nutzer über die Berichterstattung. Von Staatsräson ist die Rede, vom Postulat der Alternativlosigkeit. Dlf-Hörer Jochen Kramp ist der Meinung, dass viel zu wenig über die Kollateralschäden, die bedrohten Existenzen und den weltweiten Hunger, ausgelöst durch die Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus, berichtet wird.

Im Medienpodcast „Nach Redaktionsschluss“ diskutiert Jochen Kramp mit Ranga Yogeshwar, Physiker und Wissenschaftsjournalist und der Dlf-Redakteurin Bettina Schmieding, @mediasres. Für die Produktion war ich verantwortlich.

Die aktuelle Folge gibt es in der Dlf-Audiothek zu hören. Den Podcast abonnieren kann man in allen gängigen Podcatchern, zu finden auch hier.

Maskenmuffel sind nicht muffelig, sondern potenziell gefährlich

Wer seinen Mund-Nasen-Schutz nicht trägt, wo er oder sie es müsste, ist mitnichten ein Maskenmuffel. Der Begriff verharmlost nämlich, worum es geht.

Im August habe ich dazu schon was für unseren Sprach-Check „Sagen und Meinen“ geschrieben, jetzt hat die Online-Redaktion daraus einen hübschen Film gebastelt.

Lockdown und Homeoffice: Wie englische Begriffe ihre Bedeutung wandeln, wenn sie im Deutschen verwendet werden

Der Begriff „Lockdown“ in Zeiten der Pandemie ist schillernd. Er wird oft benutzt, aber selten sagt jemand dazu, was er oder sie sich darunter vorstellt.

Ich hatte mir den Begriff schon im April für unseren Sprachcheck „Sagen und Meinen“ im Deutschlandfunk mal angesehen. Damals schien er vor allem im Hinblick auf seine Herkunft aus den USA und im Vergleich mit Ländern wie Italien und Spanien nicht treffend. Mein Fazit damals:

Wir hatten also keinen Shutdown, geschweige denn seine Steigerung: den totalen Lockdown. Wenn Politiker, Medien oder Wirtschaftsexperten von Ausgangssperre, Shutdown oder Lockdown sprechen, stellen sie die Situation extremer dar, als sie ist – und verfolgen damit womöglich Interessen.

Für den Faktenfinder der Tagesschau hat sich Patrick Gensing jetzt noch mal angesehen, ob wir im Frühjahr einen Lockdown hatten, dessen Wiederholung jetzt befürchtet wird. Seine Schlussfolgerung:

Mittlerweile hat sich zumindest im Kontext der Corona-Maßnahmen der Begriff Lockdown im Deutschen offenkundig etabliert – für drastische Einschränkungen von Grundrechten und der weitestgehenden Stilllegung des öffentlichen Lebens. Und zwar hatte es im Frühjahr keine flächendeckende Ausgangssperre in Deutschland gegeben – aber regionale Beschränkungen.

Es ist ein interessanter Begriff, dessen Bedeutung bzw. dessen Auswirkungen einerseits vage sind, weil man nie weiß, was der Sprecher/die Sprecherin gerade meint. Andererseits wandelt sich die Bedeutung auch je nach Kontext (das hatte ich hier schon mal vertieft aufgeschrieben).

Gerade bei englischen Begriffen, von denen wir in der Pandemie viele benutzen, zeigt sich, dass sie sich von ihrer Bedeutung in der englischen Sprache lösen, wenn sie im Deutschen verwendet werden.

Ein Lockdown oder Shutdown ist hier etwas anderes als in den USA. Homeoffice ist in Großbritannien u.a. das Innenministerium, hier meint es das häusliche Arbeiten statt im Büro. Social Distancing meint eigentlich keine soziale Distanzierung, sondern eine physische bzw. räumliche (das ist schon im Englischen teils falsch verwendet). Als Homeschooling bezeichnen wir es, wenn Schüler*innen daheim statt in der Schule lernen, aber immer noch angeleitet von Lehrern, dabei meint es eigentlich die Beschulung durch Eltern oder private Lehrer zu Hause.

Da sind ja die „Terroristinnen und Terroristen“

Im Juli haben wir in einer Episode des @mediasres-Sprachchecks „Sagen und Meinen“ darauf hingewiesen, dass geschlechtergerechte Sprache sich zwar immer mehr durchsetzt, aber nicht ganz konsequent genutzt wird.

Bei eher negativ besetzten Begriffen wie „Straftäter“ und „Terroristen“ bleiben Medien oft bei der rein männlichen Form und vernachlässigen die weibliche – auch, wenn man über eine unbestimmte Gruppe spricht, also gar nicht weiß, ob Männer und/oder Frauen dabei sind.

Hin und wieder berücksichtigen Medien oder das aber mittlerweile (wahrscheinlich ohne dass sie von unserer Episode wüssten). So schreibt etwa Watson die Doppelform:

Die Ziele von Bundesrat und Parlament mögen zwar gut gemeint sein. Die Geheimnistuerei bei Ermittlungen gegen Terroristinnen und Terroristen erscheint verständlich. Das neue Anti-Terror-Gesetz wurde aber während seiner Entstehung von Menschenrechts-Organisationen und gar Uno-Expertinnen und -Experten kritisiert.

Auch Gala nutzte die Doppelform jüngst:

1998 wechselte Kamala Harris zur Staatsanwaltschaft San Francisco, 2003 wurde sie zur Bezirksstaatsanwältin von San Francisco und 2010 zur ersten Schwarzen Generalstaatsanwältin Kaliforniens gewählt. In ihrer Position setzte sie sich für striktere Waffengesetze und die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen ein, gegen Straftäterinnen und Straftäter ging sie außergewöhnlich hart vor. Trotzdem initiierte sie ein Resozialisierungsprogramm und sprach sich gegen die Todesstrafe aus.

Klima und Journalismus: Tragen Medien eine Mitschuld an der drohenden Katastrophe?

Die Nachrichten über die Schäden, die die Klimaveränderungen heute schon anrichten, sind dramatisch. Allerdings schaffen es die wenigsten dieser Nachrichten auf die Titelseiten der Tageszeitungen oder finden sich in den Schlagzeilen der elektronischen Medien wieder.

Versagt hier der Journalismus mit seiner Informationspflicht? Und trägt der Journalismus eine Mitverantwortung, wenn die Politik nicht handelt? Ist unser Mediensystem überfordert, wenn es um solch komplexe Entwicklungen geht?

Wie kritisch die Situation wirklich ist, erführe sie zu selten aus den Medien, kritisiert unsere Hörerin Katrin Blankenhagen und diskutiert darüber mit Georg Ehring aus der DLF-Redaktion Umwelt und Verbraucher und Brigitte Baetz von @mediasres – in unserem neuen Podcast „Nach Redaktionsschluss“. Für Montage und Produktion war ich verantwortlich.

Abonnieren kann man den Podcast hier, die neue Folge anhören auch in der Dlf-Audiothek.

Mediale Wiedervereinigung? Ostdeutschland in der Berichterstattung

Auch in Medien wird 30 Jahre nach der Wiedervereinigung noch oft zwischen „Ost“ und „West“ unterschieden. Das prägt unseren Blick und regt einige auf – auch eine Hörerin, mit der Sören Brinkmann aus dem @mediasres-Team und Dlf-Thüringen-Korrespondent Henry Bernhard in der neuen Ausgabe unseres Original-Podcasts „Nach Redaktionsschluss“ reden. Gerade erschienen – zu abonnieren beim Deutschlandfunk und in allen gängigen Podcatchern wie Apple Podcasts und Spotify. Die aktuelle Folge kann man auch direkt hier in der Dlf-Audiothek hören.