Voss gegen Beckedahl: Wir müssen reden

Axel Voss ist ein interessanter Politiker. Der CDU-Europaabgeordnete hat die Urheberrechtsreform federführend erarbeitet und sich dabei nach Ansicht vieler Kritiker nicht mit Ruhm bekleckert. Nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern auch weil sie ihn immer wieder überführen konnten, keine Ahnung von dem zu haben, worum es beim Urheberrecht geht. Am Ende war er dennoch erfolgreich, die Reform kommt. Auch wenn die nationalen Parlamente noch einen gewissen Spielraum haben, wie sie die EU-Richtlinie umsetzen.

Interessant finde ich Voss aber vor allem, weil er sich nicht scheut, mit seinen Kritikern in einen Dialog zu treten. Er hat vor der Reform Dutzende Interviews gegeben, in denen er immer wieder mit seinem Unwissen konfrontiert wurde. Und auch bei der Republica hat er sich mit einem seiner größten Kritiker getroffen. Er diskutierte mit Netzpolitik-Chefredakteur Markus Beckedahl über die Reform und ihre Auswirkungen. Dabei traf er nicht gerade auf ein wohlwollendes Publikum, und auch ZDFKultur-Moderator Jo Schück war anzumerken, was er von der Reform hält.

Ein sehenswerter Talk aus Berlin.

Sigi Maurer: „Es ist das Patriarchat“

In ihrem Republica-Talk erzählt die Österreicherin Sigi Maurer darüber, wie sie im vorigen Jahr sexualisiert beleidigt, vom mutmaßlichen Täter angezeigt und verurteilt worden. Mittlerweile wird der Fall neu aufgerollt. Auch eine große Geschichte in den österreichischen und deutschen Medien im Jahr 2018.

Bilanz der Republica 2019: Neue Ideen und alte Diskussionen

Drei Tage lang haben sich in Berlin auf der re:publica Netzaktivisten, Politiker und Journalisten getroffen. Urheberrechtsreform, Netzpessimismus, Netzregulierung – Europas größte Digitalkonferenz hat viele große Themen berührt. Für den Deutschlandfunk habe ich einen Überblick am dritten und letzten Tag der Konferenz gegeben.

Werden die Europawahlen im Netz entschieden?

Über soziale Medien lassen sich politische Botschaften, aber auch Desinformation und Propaganda schnell verbreiten. Inwiefern könnte das die Europawahlen gefährden? Auf der re:publica habe ich für @mediasres mit SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Journalistin Karolin Schwarz und Social-Media-Analyst Luca Hammer diskutiert.

Offenes Gespräch unter Freunden

Lorenz Lorenz-Meyer, Professur für Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt, ist ein Freund des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Er unterstützt die Idee grundsätzlich, hat aber auch Kritik daran, wie sie im Moment ausgestaltet wird. Mittelfristig will er eine Debattenplattform zur Zukunft des Systems einrichten. Bei der Republica in Berlin stellte er diese Idee vor und erläuterte auch, welchen Herausforderungen und Gegnern der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Moment gegenübersteht – und was er dagegen tun kann. Deshalb auch der Titel seines Vortrags: „Offenes Gespräch unter Freunden“.

Wer sich schon länger mit den Anfeindungen des öffentlich-rechtlichen Systems beschäftigt, für den findet sich da vielleicht nicht viel Neues. Für alle anderen ist es eine gute Einführung zum Thema.

Demnächst soll dann übrigens auf dieser Webseite Debattenbeiträge zum Thema veröffentlicht werden. Bis heute hat sich da allerdings noch nichts getan.

Bild getwittert – Tatverdacht!

Lars Hohl hat ein Foto gemacht. Verdächtig. Fanden die Behörden.

Auf der Republica 2018 in Berlin hat er davon erzählt, wie er ins Visier der Behörden geriet und dass seine Daten trotz erwiesener Unschuld weiter gespeichert werden. Bis ins Jahr 2023 soll die Information gespeichert werden, dass er eine Zeit lang als Tatverdächtiger geführt wurde.

Nach ihm erzählte die Datenschutz-Bloggerin Katharina Nocun von ihren Erfahrungen mit staatlicher Überwachung. Sie stellte eine Reihe von Anfragen, wo Daten über sie gespeichert sind. Und erfuhr, dass sie cyberkriminell ist. Wusste sie vorher noch nicht.

Warum sind die Rechten so hip im Netz?

Darüber hat die österreichische Journalistin Ingrid Brodnig auf der Republica gesprochen. Sie erklärt, warum Hass und Hetze im Netz besonders stark verbreitet sind und warum rechtspopulistische Parteien wie AfD und FPÖ besonders erfolgreich sind.

Brodnig schlägt auch Lösungen vor, wie man Hass und Hetze im Netz begegnen kann. Sie verweist auf die sogenannten Reactions bei Facebook, bei denen man auf „Like“ klicken kann oder auf Emojis wie Wut. Sie fordert, zum Beispiel einen Knopf mit „Respekt“ einzuführen. Damit könne man eine fremde Meinung anerkennen, ohne sie sich zu eigen zu machen. Das verändere die Diskussionskultur. Sie wirft die Frage auf, wie Technik designet sein kann, wenn wir das Beste des Menschen sichtbar machen wollen.

Rechte sind nach Brodnigs Ansicht im Netz besonders fleißig. Die Gegner von Rechtsextremismus vertrauten allerdings sehr oft darauf, dass sich das bessere Argument durchsetzen werde. „Mit Fakten alleine gewinnt man leider keine politischen Diskussionen“, hat Brodnig festgestellt. Selbst wenn man eine emotionale Behauptung mit Fakten konfrontiere und diese Fakten geglaubt würden, wirke das emotionale Narrativ dennoch weiter. Neben Fakten brauche man also auch eine überzeugende Erzählung, die die etablierten Parteien eher nicht lieferten.

Was ist ein Influencer?

Auf der letzten Republica hat sich Sophie Passmann Influencer vorgenommen – also Menschen, die laut Wikipedia

die aufgrund ihrer starken Präsenz und ihres hohen Ansehens in einem oder mehreren sozialen Netzwerken für Werbung und Vermarktung in Frage kommen (Influencer-Marketing).

Passmann räumt ein, dass sie vielen Definitionsmerkmalen entspreche, einem aber nicht: sie mache keine Werbung und kein Marketing mit ihrer Präsenz. Aus ihren Beobachtungen hat sie vier Lektionen gelernt:

Authentizität ist überflüssig.

Es gehe nicht darum, als Influencer sein echtes Leben auszustellen. Auf Authentizität komme es also nicht an.

Coolness ist die Währung.

Wer cool sei, dem verzeihe man auch Fehler.

Der Algorithmus ist King.

Gute Influencer laden Passmann zufolge Fotos immer zur selben Zeit hoch, weil der Algorithmus eine solche Regelmäßigkeit belohne, ebenso wie Interaktionen innerhalb der ersten Stunde. „Influencing ist auch Algorithmus-Nutte sein“, so Passmann.

Integrität ist tot.

Jeder mache Werbung für alles. Wer davon lebe, könne es sich nicht erlauben, jede Werbeanzeige abzuweisen. Die Influencer könnten sich also nicht erlauben, ein Produkt auch mal nicht anzunehmen. Der Kern des Influencing sei kommerziell – nicht politisch, nicht kulturell, nicht unterhaltend usw.

Wer sich den ganzen Vortrag ansehen möchte, hier gibt es ihn:

 

Mehr Podcasts wagen

Der Podcast, den Stefan Schulz zusammen mit Thilo Jung anbietet, kann auch mal vier Stunden lang sein. Ich persönlich frage mich ja, wer das hört, aber offenbar ist es für einige ein stundenlanger Tagesbegleiter – ähnlich wie das Radio.

Stefan Schulz reicht das aber noch nicht. Er hat auf der Republica zusammen mit Nicolas Wöhrl, der sich „Science Communication Evangelist and Scienceprenerd-in-Charge“ nennt, einen Appell verfasst, noch mehr Podcasts zu starten.

In der Ankündigung heißt es:

Wir sind auf dem Weg vom Podcast zum Pop-Cast und sprechen über unsere Erfahrungen mit „Methodisch Inkorrekt“ und dem „Aufwachen! Podcast“. Wir reden über den Dialog mit den Hörern. Über die Interaktion der Medienkonsumenten mit den Medienmachern. Dabei interessiert uns die Meinung des Publikums: Wie werden Podcasts wahrgenommen? Welche Rolle spielen diese in der täglichen Mediendiät? Wir diskutieren die gesellschaftlichen Chancen die Podcasts bieten, wenn aus Informationsmonopolen wieder Informationspolypole werden. Wir befreien Informationen! One Podcast at a time!

Polarisierung ist Pop

„Polarisierung ist Pop“ – das war die These von Thomas Knüwer auf der Republica 2018. Anhand von Beispielen zeigt er auf, dass selbst normalerweise harmlose Menschen heutzutage dazu neigen, sich öffentlich besonders aufsehenerregend zu äußern. Sie neigen zur Polarisierung – die werde damit populär, also Pop. Thomas konstatiert, dass sich viele Leute öffentlich seltener verhältnismäßig äußern, sondern gerne extrem übertreiben. Das sorge für Aufmerksamkeit.

Thomas stellt dar, dass es auch früher schon Polarisierung gegeben habe, und zeigt dazu einen Ausschnitt aus „Ein Herz und eine Seele“. Auch der Stammtisch von früher sei nichts anderes als eine Filterblase gewesen. Heute finde sich dagegen an sehr vielen Stellen eine Polarisierung: in fast jedem Facebook-Kommentar, in Äußerungen von Politikern, in Kommentaren von Journalisten und auch auf der Republica.

Am Ende plädiert er dafür, in der öffentlichen Diskussion etwas zurückzuschalten und weniger zu polarisieren. Damit könne man die öffentliche Debatte verbessern.