So könnte Ex-DFB-Chef Grindel wieder Journalist werden

Kann ein Ex-Politiker und Ex-Funktionär wie der zurückgetretene DFB-Präsident Reinhard Grindel glaubwürdig als Journalist arbeiten? Das ZDF hält ihm jedenfalls eine Stelle frei. Grindel ist kein Einzelfall bei den Öffentlich-Rechtlichen. Die Recherche von Mike Herbstreuth und mir bei @mediasres vom Deutschlandfunk.

„Zu 99,9 Prozent eine PR-Offensive“

Dass Facebook zu viel Macht hat, sieht inzwischen selbst Mark Zuckerberg so. Sagt er. Der Facebook-Chef fordert deswegen nun auch, sein Unternehmen stärker zu regulieren. Dieser Vorstoß sei allerdings vor allem eine Marketing-Maßnahme, meinte Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller im Dlf. Er hat mir erzählt:

Für mich ist das zu 99,9 Prozent eine PR-Offensive von einem Unternehmen, was es nötig hat, was in den USA unter Druck ist, was in Australien, Neuseeland unter erheblichem Druck ist, und dem auch in Europa mit viel Misstrauen begegnet wird.

„Die Bücherdiebin“ beim WDR5-Literaturmarathon

Beim WDR5-Literaturmarathon hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet den Auftakt gemacht. Er hat aus dem Roman „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak gelesen, der in Deutschland zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt. Es ist die Geschichte des Waisenmädchens Liesel. Erzähler ist der Tod persönlich.

Journalistinnen im Vatikan: Rücktritt wegen „Männerdominanz“

Die rein weiblich besetzte Redaktion der Frauenzeitschrift des Vatikans ist geschlossen zurückgetreten. Sie kritisiert ein Klima der fortschreitenden Delegitimierung. Dahinter steckten größere Konflikte wie der um das Frauenbild in der Katholischen Kirche, meint Deutschlandfunk-Redakteurin Christiane Florin. Ich habe mit ihr für @mediasres gesprochen.

„Die Terroristen“ beim WDR5-Literaturmarathon

Für den WDR5-Literaturmarathon am vergangenen Wochenende durfte ich acht Bücher bearbeiten. Von einigen Lesungen stehen Videos online – zum Nachschauen und Nachhören.

So zum Beispiel von „Die Terroristen“, dem letzten Band aus der Krimi-Reihe von Maj Sjöwall und Per Wahlöö, den „Eltern des skandinavischen Kriminalromans“. Darin soll ein Terroranschlag in Schweden verhindert werden. Anna Schudt, Meinhard Zanger, Hans Löw und Anna Drexler lesen aus dem berühmten Werk von 1975.

Medienethikerin hält Bild-Zeitung für mitschuldig an Anschlägen von Christchurch

Die Debatte über die Berichterstattung über die Anschläge von Christchurch in Neuseeland geht weiter. Im Medienmagazin von B5 aktuell stellt die Medienethikerin Johanna Haberer, Professorin für christliche Publizistik an der Universität Erlangen-Nürnberg, fest, dass sich etwa die Bild-Zeitung zur Mittäterin der Anschläge gemacht hat, indem sie das Video des Attentäters verbreitet hat.

Haberer sagte, die mediale Verbreitung von Terroranschlägen könne dazu führenm, dass Menschen, die ohnehin eine Tendenz dazu haben, sich animiert fühlen könnten, eine ebensolche Tat zu begehen; das hätten Studien gezeigt.

Journalisten müssten den Reflex, sich nicht zum Mittäter zu machen, indem sie die Tat nicht weiterverbreiten, ganz neu einüben, sagte Haberer. Das müssten Journalisten auch als journalistische Ethik an junge Menschen weitergeben.

 

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Medien als Mittäter von Christchurch: ein paar Reaktionen

Am Montag habe ich im Deutschlandfunk kommentiert, dass Medien sich zu Mittätern machen, wenn sie den Namen des Attentäters von Christchurch nennen und sein Pamphlet unreflektiert und reflexartig verbreiten.

Der Kommentar hat ein bisschen Widerhall gefunden. So hat sich Matthias Finger für das WDR5-Meinungsmagazin „Politikum“ damit auseinandergesetzt.

Peter Nowak hat den Kommentar bei Telepolis als Aufhänger genommen, um über verschiedene Positionen zum Thema zu berichten.

Schon vor dem Kommentar hatte mir Christopher Lemmer noch mal geantwortet auf meinen Blogpost vom vergangenen Freitag, der wiederum eine Reaktion auf seinen Blogpost war.

100 Bücher fürs Leben

Es gibt Bücher, die zu guten Freunden werden. Sie begleiten einen durch die Jugend, in Krisen oder erinnern an schöne Momente. Um diese „Freunde“ dreht sich der WDR 5 Literaturmarathon 2019. Das Motto: „Bücher fürs Leben“.

Der Marathon läuft von morgen (Freitag, 22. März) bis übermorgen (Samstag, 23. März) von 22.05 Uhr bis 22 Uhr – live im WDR-Funkhaus Wallrafplatz in Köln, bei WDR5 und im Netz im Livestream auf wdr5.de.

Ich durfte wieder ein paar Bücher beisteuern. Aus Vorschlägen der WDR5-Hörer habe ich aus den folgenden Büchern Ausschnitte ausgewählt und sie für die Lesung bearbeitet:

Freitag, 22 bis 24 Uhr

  • Markus Zusak: Die Bücherdiebin

Samstag, 0 bis 2 Uhr

  • Inger Edelfeldt: Jim im Spiegel

Samstag, 2 bis 4 Uhr

  • Wilhelm Genazino: Das Glück in glücksfernen Zeiten

Samstag, 8 bis 10 Uhr

  • Isabel Allende: Das Geisterhaus

Samstag, 10 bis 12 Uhr

  • Catherine Clément: Theos Reise

Samstag, 14 bis 16 Uhr

  • Janwillem van de Wetering: Der leere Spiegel
  • Stewart O’Nan: Emily, allein

Samstag, 16 bis 18 Uhr

  • Maj Sjöwall/Per Wahlöö: Die Terroristen

Aber natürlich sind auch die Texte der beteiligten Kollegen hörenswert.

Journalisten lernen aus Fehlern

Auch wenn ich gestern im Deutschlandfunk kritisiert habe, wie Journalisten dem Attentäter von Christchurch eine Plattform gegeben und damit seine Tat vollendet haben: Viele Kollegen sind gut mit dem Fall umgegangen und haben sich nicht zu seinem Handlanger gemacht. Um mich mal selbst zu zitieren:

So erschien etwa die Hamburger Morgenpost am Samstag mit einer komplett schwarzen Titelseite und dem Text: „Der Massenmörder von Christchurch filmte sich bei seiner monströsen Tat, damit diese Bilder um die Welt gehen. Von uns bekommt er dafür keinen Platz.“

Die Süddeutsche Zeitung erklärte, weder das Video noch Standbilder daraus zu zeigen, um sich nicht die Bildsprache des Täters zu Eigen zu machen. Auch das ZDF entschied so.

Zu Recht.

Ich habe nicht alle Medien durchgeschaut, um eine vollständige Liste zu erstellen. Aber auch netzpolitik.org zum Beispiel zeigt heute in einem Artikel zum Christchurch-Kontext bewusst ein Foto von Opfern mit der Bildunterschrift:

Statt einem Foto des Täters zeigen wir Menschen, die seiner rechtsextremen Gewalt in Christchurch zum Opfer gefallen sind. Auch das ist wichtig, weil es die Strategie des Massenmörders unterläuft.

Auch seinen Namen will netzpolitik.org nicht nennen.

Positive Beispiele nennt auch Boris Rosenkranz in seinem Kommentar bei Übermedien (kostenpflichtig) an. Er schreibt aber auch:

Das Kalkül des Terroristen dürfte aber auch dieses Mal aufgegangen sein. Das hier ist ja nur ein winziger Ausschnitt aus einer Flut von journalistischen Texten, Filmen, Livetickern auf der ganzen Welt. Und es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir darüber diskutieren: über die Bilder, die Manifeste, und über die Ohnmacht angesichts solcher Verbrechen und der Wege, diese heute digital zu verbreiten. Spätestens, wenn der Mann vor Gericht steht, wird sich wieder, wie schon bei Breivik, die Frage stellen: Was davon verbreiten wir? Und womit machen wir uns womöglich zu Gehilfen seines menschenverachtenden Plans?

In ihrer Kolumne bei Übermedien (ebenfalls kostenpflichtig, aber immer lohnenswert) weist Samira El Ouassil heute noch mal auf den Zusammenhang zwischen der Berichterstattung über solche Taten und der Gefahr hin, dass sich dadurch Nachahmer inspiriert fühlen. Sie bezieht sich auf sein Bekennerschreiben:

Wer solche Inhalte ohne Einordnung verbreitet, stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl radikalisierter Terroristen und solcher, die es noch werden könnten. Um es ganz deutlich zu schreiben: Einen Text, der zu Terrorakten inspirieren soll, sollten Zeitungen nicht prominent veröffentlichen.

Und auch was die Nicht-Veröffentlichung (oder nur verpixelt) von Fotos angeht, schreibt sie:

Es ist keine Selbst-Zensur, sondern ein Zeichen von journalistischer Souveränität, die ästhetische Deutungshoheit eines Täters zu durchbrechen.

Damit kommen viele Medien auch dem Wunsch von Menschen in Neuseeland nach. Premierministerin Jacinda Ardern hat im Parlament in Wellington angekündigt, (zumindest öffentlich) niemals den Namen des Attentäters von Christchurch auszusprechen. Sie sagte unter anderem:

Mit seinem Terrorakt wollte er viele Dinge erreichen, eines davon war Bekanntheit. Deshalb werden Sie niemals hören, dass ich seinen Namen nenne. (…)

Er ist ein Terrorist, er ist ein Krimineller, er ist ein Extremist. Aber er wird, wenn ich spreche, namenlos sein. (…)

Ich bitte Sie: Nennen Sie die Namen derer, die ihr Leben verloren, statt des Namens des Mannes, der sie auslöschte.

Damit erkennt sie an, dass es Attentätern wie diesem vor allem um Öffentlichkeit geht. Mögliche Nachahmer sollen nicht den Eindruck haben, dass sie durch Massenmord genau den zweifelhaften Ruhm bekommen, den offenbar der Attentäter von Christchurch angestrebt hat – und den ihm viele Medien auch geben, etwa die Bild-Zeitung. Vielleicht setzt tatsächlich ein Umdenken ein – wie es das schon bei Interviews mit Geiseln und Geiselnehmern während der Tat gibt (Gladbeck) oder bei Berichterstattung über Suizide. Journalisten können sich nicht von den Folgen ihrer Berichterstattung freisprechen, sie tragen Verantwortung.

Anschläge von Christchurch: Medien machen sich zu Mittätern

Titelseite der Bild-Zeitung vom Samstag

Am Freitag habe ich hier auf Christopher Lemmer geantwortet, warum ich nicht finde, dass der Name des Attentäters von Christchurch genannt werden muss und warum man mit seinem Bekennerschreiben vorsichtig sein muss. Inzwischen hat sich gezeigt, dass einige Journalisten in der Berichterstattung über die Anschläge ihrer Verantwortung wieder nicht gerecht geworden sind und auch getan haben, was ich für problematisch halte. Das habe ich fürs DLF-Medienmagazin @mediasres kommentiert. Das ist naturgemäß keine detaillierte Auseinandersetzung mit Lemmer. Die reiche ich vielleicht noch nach.