Wie sich Zeitungen in Berlin organisieren

Die meisten Tageszeitungen in Deutschland kämpfen seit Jahren mit den Folgen der Digitalisierung: Sie verlieren Abonnenten, Auflage und Anzeigen. Um dennoch Journalismus betreiben zu können, denken sich die Verlage neue Modelle aus. Eins davon: In Berlin betreiben mehrere Verlage Zentralredaktionen (auch Verbundredaktionen genannt), in denen eine Gruppe von Journalisten für gleich mehrere bis über 50 Tageszeitungen arbeitet.

Was sich dahinter verbirgt, darum ging es am Donnerstag bei der Tagung „Formate des Politischen“, die der Deutschlandfunk gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundespressekonferenz durchgeführt hat. Zum Anfang hat die Medienjournalistin Ulrike Simon eine Einführung ins Thema gegeben.

Anschließend habe ich darüber mit drei Kollegen gesprochen, die von den Änderungen betroffen sind:

  • Gordon Repinski leitet das Hauptstadtbüro des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Seit dem 1. Oktober gehört es nicht nur zur Madsack-Verlagsgruppe aus Hannover, sondern zu 25 Prozent auch DuMont aus Köln.
  • Während die Tageszeitung taz früher eine Zeitung von vielen war, ist sie im Vergleich zu den neuen Zentralredaktionen heute weniger wichtig. Was das bedeutet, hat Parlamentsredakteurin Anja Maier erklärt.
  • Und Cornelia Haß konnte als Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalisten-Union in der Gewerkschaft Verdi über die Auswirkungen für die betroffenen Kollegen berichten.

Über die Diskussion hat gestern auch Philip Banse für das Medienmagazin @mediasres im Deutschlandfunk berichtet.

16 Millionen Strafe für den Kölner Stadt-Anzeiger: Die Claims der Zeitungsverlage

Wer sich in der Region Köln/Bonn in den letzten fast 20 Jahren darüber gewundert hat, dass seine Lokalzeitung schlechter geworden ist, weiß jetzt warum: Der Kölner Stadt-Anzeiger und der Bonner General-Anzeiger haben sich jahrelang darüber abgesprochen, wer in welchem Gebiet die dominante Zeitung sein soll. Die jeweils andere hat sich zurückgezogen: den Lokalteil ausgedünnt, Journalisten entlassen, die Zustellung verzögert. Ziel: Die Leser sollten zur jeweiligen Konkurrenz wechseln.

Wegen dieser illegalen Absprache hat das Bundeskartellamt jetzt eine Geldstrafe erlassen – allerdings nur gegen die DuMont-Mediengruppe, in der der Kölner Stadt-Anzeiger erscheint. Die muss 16 Millionen Euro zahlen – und will das nach WDR-Informationen auch tun. Die neue Geschäftsführung fühlt sich für die Entscheidung ihrer Vorgängerin nicht verantwortlich und will das Thema schnell hinter sich lassen.

Der Bonner General-Anzeiger geht straffrei aus. Er macht von der Kronzeugenregelung Gebrauch, nach der derjenige, der ein Kartellvergehen zur Anzeige bringt, nicht bestraft wird.

Der Zeitungsforscher Horst Röper vom Formatt-Institut in Dortmund findet solche Absprachen nicht überraschend. Die gibt es nach seinen Informationen in Deutschland flächendeckend, kann aber in der Regel nicht bewiesen werden, weswegen das Bundeskartellamt machtlos sei. Ich habe mit ihm für @mediasres im Deutschlandfunk darüber gesprochen, wie er den Fall einschätzt (Link zum Audio).