Briten in NRW: Zwischen Tränen und Pragmatismus

Nach dem Wahlsieg der Tories im Vereinigten Königreich gilt der Brexit als nicht mehr zu verhindern. Premierminister Boris Johnson hat eine komfortable Mehrheit im Unterhaus, die ein Ausscheiden des Landes aus der Europäischen Union zum 31. Januar 2020 sehr wahrscheinlich macht.

Das hat Folgen auch für Briten, die außerhalb des Landes wohnen – auch in Nordrhein-Westfalen. Was jetzt auf sie zukommt, habe ich zusammen mit Nina Magoley für wdr.de aufgeschrieben.

Filme zwischen Fiktion und Wirklichkeit

„Der König von Köln“ heißt Josef Asch. Ein Bauunternehmer, der sich vom Polier hochgearbeitet hat und nach und nach einen großen Teil der Kölner Wirtschafts- und Politik-Elite in die Tasche steckt. In der Satire mauschelt Asch mit einem Kölner Bankier und bringt am Ende die Kölner Bürger um Millionensummen.

Vorbild des Fernsehfilms im Ersten, der noch in der Mediathek zu sehen ist, ist der Skandal um den Bau der KölnArena und des Kölner Stadthauses sowie die Pleite des damaligen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor.

Am Anfang des Films wird eingeblendet: „Die handelnden Figuren sind frei erfunden.“ Ich hab den Produzenten Michael Souvignier für @mediasres im Deutschlandfunk gefragt, wer ihm das abnehmen soll – schließlich geht Josef Asch ziemlich unverhohlen auf den Bauunternehmer Josef Esch zurück, der im Mittelpunkt des Kölner Immobilienskandals stand.

„Die Bücherdiebin“ beim WDR5-Literaturmarathon

Beim WDR5-Literaturmarathon hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet den Auftakt gemacht. Er hat aus dem Roman „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak gelesen, der in Deutschland zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt. Es ist die Geschichte des Waisenmädchens Liesel. Erzähler ist der Tod persönlich.

„Die Terroristen“ beim WDR5-Literaturmarathon

Für den WDR5-Literaturmarathon am vergangenen Wochenende durfte ich acht Bücher bearbeiten. Von einigen Lesungen stehen Videos online – zum Nachschauen und Nachhören.

So zum Beispiel von „Die Terroristen“, dem letzten Band aus der Krimi-Reihe von Maj Sjöwall und Per Wahlöö, den „Eltern des skandinavischen Kriminalromans“. Darin soll ein Terroranschlag in Schweden verhindert werden. Anna Schudt, Meinhard Zanger, Hans Löw und Anna Drexler lesen aus dem berühmten Werk von 1975.

Medien als Mittäter von Christchurch: ein paar Reaktionen

Am Montag habe ich im Deutschlandfunk kommentiert, dass Medien sich zu Mittätern machen, wenn sie den Namen des Attentäters von Christchurch nennen und sein Pamphlet unreflektiert und reflexartig verbreiten.

Der Kommentar hat ein bisschen Widerhall gefunden. So hat sich Matthias Finger für das WDR5-Meinungsmagazin „Politikum“ damit auseinandergesetzt.

Peter Nowak hat den Kommentar bei Telepolis als Aufhänger genommen, um über verschiedene Positionen zum Thema zu berichten.

Schon vor dem Kommentar hatte mir Christopher Lemmer noch mal geantwortet auf meinen Blogpost vom vergangenen Freitag, der wiederum eine Reaktion auf seinen Blogpost war.

100 Bücher fürs Leben

Es gibt Bücher, die zu guten Freunden werden. Sie begleiten einen durch die Jugend, in Krisen oder erinnern an schöne Momente. Um diese „Freunde“ dreht sich der WDR 5 Literaturmarathon 2019. Das Motto: „Bücher fürs Leben“.

Der Marathon läuft von morgen (Freitag, 22. März) bis übermorgen (Samstag, 23. März) von 22.05 Uhr bis 22 Uhr – live im WDR-Funkhaus Wallrafplatz in Köln, bei WDR5 und im Netz im Livestream auf wdr5.de.

Ich durfte wieder ein paar Bücher beisteuern. Aus Vorschlägen der WDR5-Hörer habe ich aus den folgenden Büchern Ausschnitte ausgewählt und sie für die Lesung bearbeitet:

Freitag, 22 bis 24 Uhr

  • Markus Zusak: Die Bücherdiebin

Samstag, 0 bis 2 Uhr

  • Inger Edelfeldt: Jim im Spiegel

Samstag, 2 bis 4 Uhr

  • Wilhelm Genazino: Das Glück in glücksfernen Zeiten

Samstag, 8 bis 10 Uhr

  • Isabel Allende: Das Geisterhaus

Samstag, 10 bis 12 Uhr

  • Catherine Clément: Theos Reise

Samstag, 14 bis 16 Uhr

  • Janwillem van de Wetering: Der leere Spiegel
  • Stewart O’Nan: Emily, allein

Samstag, 16 bis 18 Uhr

  • Maj Sjöwall/Per Wahlöö: Die Terroristen

Aber natürlich sind auch die Texte der beteiligten Kollegen hörenswert.

Der Anhalter ist tot

Vor zweieinhalb Jahren hab ich hier die Feature-Reihe „Der Anhalter“ gelobt. Das kann man für viele Aspekte tun, mir ging es damals um den Aspekt der Transparenz. Denn die Autoren Sven Preger und Stephan Beuting haben nicht nur die Geschichte von Heinrich Kurzrock erzählt, sondern auch, wie sie dazu gekommen sind.

Das lag wohl vor allem auch daran, dass die Recherche zur Geschichte gehört, denn sie erzählt etwas über den Protagonisten der Reihe. Preger und Beuting treffen ihn unabhängig voneinander, mit einem Jahr Abstand. Am selben Ort: einer Tankstelle am Kölner Verteilerkreis. Er erzählt ihnen, er habe seine Kindheit in der Psychiatrie verbracht, mehr als 14 Jahre lang. Weggesperrt, geschlagen, missbraucht – in den 1950er und 60er Jahren sei das gewesen. Nun will Heinrich nur noch Schluss machen und sucht eine Mitfahrgelegenheit.

Schon damals erzählte Kurzrock, dass er Knochenkrebs im Endstadium hat. Am 7. Februar ist er gestorben. In einem Epilog zur Reihe teilen Sven und Stephan ihre Gefühle und Erinnerungen an Heinrich. (Hier die ganze Reihe.)

Zielgenauere Umfrage macht Kramp-Karrenbauer zur Favoritin (zumindest vorübergehend)

Seit Angela Merkel ihren Rückzug als CDU-Chefin angekündigt hat und drei prominenten Kandidaten für ihre Nachfolge  bereitstehen, hat es mehrere Umfragen gegeben, wen „die Bürger“ als Nachfolger bevorzugen. Am Anfang war es oft Friedrich Merz, wahrscheinlich, weil ihn noch niemand kannte – im Gegensatz zu Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn. Einige Umfragen widersprachen sich auch. Seitdem haben sich die Mehrheiten – wie erwartet – auch wieder verändert, was die ursprünglichen Umfragen etwas sinnlos erscheinen lässt.

Wer den Posten wirklich bekommt, konnte man aus den Daten ohnehin nicht schließen. Denn die Entscheidung treffen nicht die deutschen Wähler, nicht mal die CDU-Mitglieder, sondern lediglich 1.001 CDU-Delegierte beim Parteitag. Welche Präferenz soll man also aus solcherlei Umfragedaten ablesen können?

Für den ARD-Deutschlandtrend hat der WDR jetzt Infratest Dimap zum ersten Mal nicht „die Bürger“ befragen lassen, sondern nur CDU-Anhänger. Mal davon abgesehen, dass das eine Selbstbezeichnung der Befragten ist, die sich nicht überprüfen lässt* (es wurden nicht mal CDU-Wähler befragt, sondern lediglich Anhänger), kommt das der möglichen Stimmung innerhalb der Partei aber sicherlich schon näher. Und siehe da: Der angebliche Vorsprung von Merz ist gleich dahin.

Den Zahlen zufolge sind 46 Prozent für Kramp-Karrenbauer, 31 für Merz und 12 Prozent für Spahn. Die Frage ist nur, wieviele Leute dabei befragt wurden. Dem Umfragedesign zufolge wurden 1.006 Leute befragt. Wie viele davon ihre Parteipräferenz für die CDU ausgedrückt haben, ist unklar. Wenn es etwa die 26 Prozent sind, die sich bei der Sonntagsfrage zur Union (also auch zur CSU) bekannt haben, waren es höchstens rund 260 Befragte. Also auch das höchstens ein Stimmungbild ohne Anspruch auf Wahrhaftigkeit.

 

* Das ist natürlich ein gängiges Problem bei der Meinungsforschung.

 

Offenlegung: Ich arbeite als freier Mitarbeiter für den WDR.

Sinnlose Umfragen zum CDU-Vorsitz – die Fortsetzung

Es war ja zu erwarten. Für den Deutschlandfunk habe ich noch vor zwei Wochen über den Umfrage-Hype für Friedrich Merz, der CDU-Vorsitzender werden will, geschrieben:

Die Werte halten ohnehin nicht lang. Sie sind höchstens ein Blitzlicht, die die Thesen des Tages stützen, und werden sich verändern. Denn die Kandidaten werden sich öffentlich zu ihren Plänen äußern. Je mehr die Bürger über sie erfahren, desto stärker kann sich ihre Wahrnehmung ändern. Von Friedrich Merz haben die meisten seit über einem Jahrzehnt nichts mehr gehört. Dass sich im Moment also Mehrheiten für ihn aussprechen, kann auch bloß daran liegen, dass er ihnen nicht negativ aufgefallen ist.

Und schon ist es soweit: In einer neuen Umfrage liegt nicht mehr Merz vorne, sondern Annegret Kramp-Karrenbauer. Die FAZ schreibt dazu den absurden Satz:

32 Prozent der Befragten würden die CDU-Generalsekretärin zur Nachfolgerin von Angela Merkel wählen, berichtete die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf eine Umfrage des Emnid-Instituts.

Ja, und 98 Prozent „der Deutschen“ würden Micky Maus zum US-Präsidenten wählen. Dummerweise tritt weder Micky an noch dürfen die Deutschen den US-Präsidenten wählen. Aber man kann ja einfach mal fragen, auch wenn die Befragten überhaupt nicht wahlberechtigt sind – das sind nämlich nur die 1.001 CDU-Delegierten beim Parteitag.

Deswegen sagt es überhaupt nichts über die Chancen der Kandidaten aus, wie eine Gruppe von Befragten sie sieht, die überhaupt nicht wahlberechtigt ist. Und dass solche Umfragen uns als Bürger keinerlei Gefühl dafür geben können, wer Favorit bei den CDU-Mitgliedern ist, geschweige denn bei den CDU-Delegierten.

Nur ein Gedankenspiel: Wen würden denn, sagen wir mal, die Wähler der Linkspartei gerne als CDU-Chef sehen? Doch nicht unbedingt jemanden, den sie für fähig halten, ein guter CDU-Chef und möglicherweise auch Kanzler zu werden? Sondern doch eher jemanden, der ihnen als Linkspartei möglichst viele Wähler zutreibt.

Wieso sollte also so jemand einen Kandidaten nennen, den er gut findet – nennt er nicht vielmehr jemanden, den er für seine Partei für möglichst ungefährlich hält? Das zeigt, wie wichtig es ist, dass man die Gruppe der Befragten sinnvoll wählt. Ich frage ja auch nicht eine Gruppe von 1.000 Nichtrauchern nach ihren Lieblingszigaretten.

Es wird nicht die letzte Umfrage zum Thema CDU-Vorsitz gewesen sein. Und am Ende heulen dann wieder Journalisten, dass sie den Ausgang der Wahl nicht haben kommen sehen – so wie schon bei der von Ralph Brinkhaus zum CDU-Fraktionsvorsitzenden. Warum gab es dazu eigentlich keine Umfragen?

Was aus Hasskampagnen entstehen kann

Ich hab mich hier immer wieder mit Hass und Hetze beschäftigt. Wer mal eine andere Herangehensweise als eine journalistische haben will, kann sich das Hörspiel „Die Kommentare sind frei“ von James Fritz anhören, das der WDR inszeniert hat. Darum geht’s laut Klappentext:

Alistair Cooper ist Kolumnist und politischer Kommentator. Mit seinen aufpeitschenden Statements dominiert er hochkochende gesellschaftliche Debatten. Zunehmend gerät die Spirale der Emotionen in den sozialen Netzwerken außer Kontrolle. Cooper erntet Hass, vielstimmigen Hass. Bis alles eskaliert und die öffentliche Meinung kippt.

Das Hörspiel setzt Dynamiken medialer Ereiferung in Szene, schreibt der Sender dazu, und stellt die Frage nach unserer Verantwortung für das, was aus Kommentarfeldern erwachsen kann.

Das Hörspiel kann man hier nachhören und downloaden.