„Welt“ korrigiert Artikel über Joko und Klaas – „Bild“ nicht

Am Dienstag habe ich für den Deutschlandfunk aufgeschrieben, wie bild.de und welt.de falsch über Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf und deren Grimme-Preis berichtet haben.

Mittlerweile hat welt.de seinen Artikel überarbeitet und einen Korrekturhinweis ans Ende gesetzt, in dem es heißt:

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Fassung entstand der Eindruck, dass „Late Night Berlin“ den Grimme-Preis aufgrund der Fälschungsvorwürfe verlieren würde. Das ist falsch. „Late Night Berlin“ gehörte zu den Nominierten in der Kategorie Unterhaltung. Einen Grimme-Preis in der Kategorie Unterhaltung erhielt das ProSieben-Format „Joko und Klaas live – 15 Minuten“, in dem unter anderem Aktivisten gegen Rechtsextremismus eine Plattform gegeben wird. Wir haben diesen Fehler korrigiert, transparent kenntlich gemacht und bitten um Entschuldigung für dieses Versehen.

„Transparent kenntlich gemacht“ ist es lediglich durch diesen Hinweis am Ende des Artikels. Sauber wäre es gewesen, hätte man ganz am Anfang geschrieben: „Anders als von uns zunächst dargestellt…“ oder ähnliches.

Und die Korrektur kam extrem spät, nachdem es schon früh Hinweise gegeben hatte, dass der ganze Spin falsch ist. Da war die Meldung schon von der Startseite verschwunden. Korrigiert wurde unter anderem die Überschrift, die jetzt so lautet:

Gescripted und gecastet: Fake-Vorwürfe gegen Joko und Klaas

Deswegen nehme ich es welt.de auch nicht ab, dass da ein falscher Eindruck entstanden sein könnte. Dieser Eindruck war meiner Meinung nach gewollt, sonst hätte der Spin nicht funktioniert. Man wollte, wie bild.de, eine möglichst große Fallhöhe zwischen den Fake-Vorwürfen und dem Grimme-Preis erzeugen.

bild.de hat jetzt einen weiteren Artikel zu dem Fall geschrieben, in dem die falsche Darstellung so nicht mehr vorkommt. Der alte Artikel mit allen bewussten Falschinformationen ist aber weiterhin online (Stand: 05.03.20, 10.00 Uhr). Im neuen Artikel heißt es aber immer noch mindestens irreführend:

Ein Regieassistent, der mehrere Jahre für beide gearbeitet hat, zu BILD: „Das ist gut geplante Unterhaltung. Da steht ein Team von 40 Leuten hinter, man muss nur genau hingucken.“

DAS macht jetzt das Grimmeinstitut. Es hatte „Late Night Berlin“ für einen Grimme-Preis nominiert – wird die Sendung nun aber nicht auszeichnen. Dafür sollen Joko und Klaas für eine andere geehrt werden.

Institutsleiterin Dr. Frauke Gerlach zu BILD: „Die Vorwürfe sind genereller Natur, da wird man genau prüfen müssen, was zutrifft und was nicht.“

Die Formulierung, dass die Sendung „nun“ nicht ausgezeichnet würde, insinuiert, es gebe einen Zusammenhang mit den Fake-Vorwürfen. Gibt es aber nicht, wie Grimme-Sprecher Lars Gräßer mir am Dienstag bestätigt hat.

NRW-Gesundheitsminister kritisiert Krankenhäuser

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat die Krankenhäuser im Land kritisiert, nicht genug für die Arbeitssicherheit zu tun. Laumann hatten Hilferufe von Ärzten erreicht, die sich darüber beklagten, es gebe nicht genug Schutzausrüstung zur Behandlung von Menschen, die sich mit dem Corona-Virus identifiziert haben oder das vermuten. Ihnen geht es zum Beispiel um Atemschutzmasken und Schutzanzüge.

Darüber und wie die Lage in Nordrhein-Westfalen im Moment ist, habe ich in „WDR aktuell – Der Tag um zwölf“ (Audio) mit Edda Dammmüller berichtet – bei WDR3, WDR4 und WDR5.

„Bild“ und „Welt“ berichten falsch über Joko und Klaas

Grimme-Preis für Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf – und gleichzeitig Vorwürfe, in ihren Sendungen sei betrogen worden. Obwohl beides nichts miteinander zu tun hat, verknüpfen bild.de und welt.de es miteinander.

Das habe ich für @mediasres im Deutschlandfunk aufgeschrieben.

Dokumentarfilmer: „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk braucht uns“

Seit 40 Jahren kümmert sich die „Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm“ (AG Dok) um die Interessen der Dokumentarfilmer. Zwar gebe es heute eine vielfältige Szene, sagte Thomas Frickel, Vorstand des Berufsverbands, im Dlf. Doch seien auch neue Probleme hinzugekommen. Besonders in der Pflicht sieht er ARD und ZDF.

Mein Interview mit Thomas Frickel in @mediasres im Deutschlandfunk.

Falschnachrichten nach Hanau und Volkmarsen: „Sie wollen Menschen beeinflussen“

Nach besonderen Ereignissen wie dem in Volkmarsen kursieren oft sehr schnell Falschnachrichten im Netz. Ihre Verbreiter würden damit ein Informationsvakuum nutzen, sagte Kommunikationsforscherin Katharina Kleinen-von Königslöw im Dlf. Denn etablierte Medien seien auf gesicherte Quellen angewiesen.

Mein Interview mit Katharina Kleinen-von Königslöw in @mediasres im Deutschlandfunk.

Vertrauen in Medien in Deutschland ist weiterhin hoch

Etwa jeder fünfte Bürger in Deutschland wirft den Medien vor, die Bevölkerung systematisch zu belügen. Zugleich wächst die Zahl der Menschen, die solche Vorwürfe zurückweisen. Das zeigen neue repräsentative Befunde der Langzeitstudie „Medienvertrauen“, die am Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) durchgeführt wird.

Demnach sagten bei Befragung Ende vergangenen Jahres 43 Prozent der Befragten, sie würden Medien ganz allgemein eher oder voll und ganz vertrauen, „wenn es um wirklich wichtige Dinge geht – etwa Umweltprobleme, Gesundheitsgefahren, politische Skandale“ – so die Fragestellung.

Über die Studie habe ich in @mediasres im Deutschlandfunk (Audio) mit Tanjev Schultz von der Universität Mainz gesprochen.

Interessant: Das Vertrauen ist viel höher, wenn man spezifischer nach journalistischen Medien und nicht nur nach Medien allgemein fragt.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und Tageszeitungen schneiden mit 67 bzw. 66 Prozent viel besser ab. Dass immer noch ein Drittel der Nutzer Medien nicht komplett vertrauen, hält Schultz aber nicht per se für ein schlechtes Signal. Zum einen sei das Vertrauen im internationalen Vergleich relativ hoch, zum anderen sei es sinnvoll, dass Nutzer auch skeptisch mit Medien umgingen.

Für bedenklich hält er eher die Gruppe derjenigen, die sagen, man könne Medien eher oder voll und ganz nicht vertrauen, die mittlerweile auf 28 Prozent angestiegen sei.

Lügenpresse-Vorwürfe seien zwar weiterhin verbreitet, allerdings widersprächen dem immer mehr Bürger.

Warum das Gute-Kita-Gesetz teilweise ein Billigere-Kita-Gesetz ist

Das „Gute-Kita-Gesetz“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie Politiker, in diesem Fall Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, gute PR für sich selbst machen. Es ist schon an verschiedenen Stellen diskutiert worden, warum Journalisten den Begriff nicht übernehmen sollten – weder direkt noch in einer distanzierten Form wie etwa in Anführungszeichen oder als „sogenanntes Gute-Kita-Gesetz“. Wie wir aus der Forschung wissen, sind Anführungszeichen oder ein „sogenanntes“ nicht stark genug, um den positiven Frame von der guten Kita zu überstrahlen.

„Aber es geht doch darum, die Kitas gut zu machen“ – so das Argument derjenigen, die finden, dass man den Begriff durchaus verwenden kann, und die ihn selbst verwenden. Schließlich schreiben wir auch sonst in Meldungen, dass Giffey mit dem Gesetz die Betreuung in Kitas verbessern will. Welchen Unterschied gibt es noch zwischen „Gute-Kita-Gesetz“ und „will Kitas verbessern“?

Das liegt vor allem daran, was man unter eine Verbesserung von Kitas versteht. Denn laut Familienministerium ist eine Kita auch dann gut, „wenn der Eintritt frei ist“, wie es auf seiner Webseite schreibt. Das allein aber macht noch nicht die Kita an sich gut. Es kann sie sogar verschlechtern. Denn wenn die Millionengelder dazu verwendet werden, die Gebühren zu senken, verbessert das in den Kitas genau gar nichts. Und tatsächlich haben die ersten Bundesländer bereits beschlossen, die Gebühren zu senken.

Das macht nicht das Gesetz an sich obsolet oder schlecht. Aber es bewirkt eben auch nicht das, was man sich unter einem Gute-Kita-Gesetz vorstellt. Schon deswegen sollten Journalisten den Begriff nicht benutzen – und wenn sie es tun, dann nicht unkritisch, etwa indem sie ihn hinterfragen, einordnen und erklären.

Warum Talkshows nicht der Bundestag sind

Mitte Dezember hat das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) eine Bilanz der vier größten politischen Talkshows des Jahres 2019 gezogen. Erst mal rein quantiativ, indem es ausgewertet hat, welche Politiker*innen in diesem Jahr zu Besuch waren und von welchen Parteien sie stammen.

Kann man machen.

Problematisch ist aber die Art und Weise, in der die Kolleg*innen das tun. Indem sie versuchen, einzuordnen, inwiefern die Einladungen legitim sind, legen sie einen fragwürdigen Maßstab an.

An mehreren Stellen im Text wird die Zahl der Einladungen in eine Talkshow verglichen mit dem Anteil der Sitze, den die Partei der eingeladenen Gäste im Bundestag haben. So heißt es etwa:

Der erste AfD-Politiker in der Statistik ist Alexander Gauland mit vier Auftritten. Gemessen an der Sitzverteilung im Bundestag ist die AfD in den Sendungen stark unterrepräsentiert.

Und:

Neben der AfD sind auch die Linkspartei und die Union leicht unterrepräsentiert.

Warum die Sitzverteilung im Bundestag relevant sein soll dafür, wen Journalisten in Talkshows eingeladen werden, lässt das RND offen. Würde man sich auf die Logik einlassen, hieße das, dass letztlich die Wähler darüber entscheiden, welche Parteien mit ihren Repräsentanten besonders häufig in Talkshows auftauchen. Es ist aber nicht die Aufgabe von Journalisten, in ihren Sendungen Bundestag nachzuspielen. Sie sollen vielmehr besonders in der Darstellungsform Talkshow eine Debatte über ein Thema führen und dazu Gäste einladen, die zum Thema etwas zu sagen haben. Dabei ergibt es keinen Sinn, jemanden einzuladen, der über ein Thema nichts sagen kann, nur weil er dran ist.

Es gibt kein Recht auf Sendezeit, kommentiert Talkshow-Beobachter Arno Frank zurecht im Deutschlandfunk. Und er schreibt:

Den Ort, an dem in aller Öffentlichkeit ausgewogen und ausdauernd debattiert wird, gibt es nämlich schon. Es ist der deutsche Bundestag.

Der Streit um die Vermögensschere

Geht sie nun immer weiter auseinander oder nicht: die Schere zwischen Arm und Reich? Die einen Fachleute sagen das seit Jahren, andere widersprechen postwendend. Wie geht man als Journalistin oder als Journalist damit um? Darüber habe ich mit Deutschlandfunk-Wirtschaftsredakteurin Sina Fröhndrich in @mediasres gesprochen.