„Klimakatastrophe“ statt „Klimawandel“: Guardian wählt künftig andere Worte für Berichte über das Klima

Klimawandel – ein Begriff, den wir schon so lange hören, dass wir gar nicht mehr realisieren, wie wenig aussagekräftig er eigentlich ist für das, was er uns sagen soll. Denn es geht ja nicht nur um einen Wandel in die eine oder andere Richtung, es geht nicht um einen natürlichen Prozess, sondern um eine dramatische Verschlechterung der klimatischen Bedingungen für uns Menschen. Trotzdem wird dieser Begriff in der öffentlichen Diskussion immer noch oft verwendet, auch von Journalisten.

Der britische Guardian will das jetzt ändern und in seiner Berichterstattung über das Klima deutlichere Worte wählen. Er hat deshalb seinen Style-Guide aktualisiert. Dort heißt es jetzt etwa zum Begriff „Klimawandel“ (Übersetzung von mir):

…wird nicht länger als akkurat angesehen, um die Ernsthaftigkeit der Lage zu beschreiben; besser benutzen: Klimanotstand, Klimakrise oder Klimazusammenbruch

War bisher die Rede von Klimaskeptiker, so will der Guardian künftig vom „Klimaleugner“ sprechen:

das OED (Oxford English Dictionary) definiert einen Skeptiker als „Sucher nach der Wahrheit; ein Fragender, der noch nicht zu definitiven Schlussfolgerungen gelangt ist. Die meisten „Klimaskeptiker“ leugnen trotz überwältigenden wissenschaftlichen Beweisen, dass Klimawandel stattfindet oder dass er vom Menschen verursacht sind, also ist Klimaleugner genauer.

Möglicherweise liegt es an meinen Übersetzungsfähigkeiten, aber ich würde den Begriff Klimaleugner im Deutschen so nicht verwenden, denn geleugnet wird ja nicht das Klima, sondern ein menschengemachter Klimawandel.

Und statt „globaler Erwärmung“ will der Guardian künftig von „globaler Erhitzung“ sprechen.

Chefredakteurin Katharine Viner wird in ihrer Zeitung wie folgt zitiert (Übersetzung wieder von mir):

Wir wollen sicherstellen, dass wir wissenschaftlich präzise sind und gleichzeitig diese sehr wichtige Thema klar gegenüber unseren Lesern kommunizieren. Der Begriff „Klimawandel“ zum Beispiel klingt eher passiv und sanft, obwohl das, worüber Wissenschaftler sprechen, eine Katastrophe für die Menschheit ist.

Es ist ein bemerkenswerter Wandel in der Berichterstattung, der das Framing für die Berichte deutlich ändern wird.

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