Umbenannt wegen Rassismus oder wegen Rassismus-Diskussionen?

Es gibt zwei Perspektiven, die man einnehmen kann, wenn es um die Frage geht, warum Knorr seine „Zigeunersauce“ umbenennt. Die eine ist die hier, die bild.de wählt:

Als Grund für die Umbenennung nennt die Redaktion die „Rassismus-Diskussionen“. Das scheint auch die Perspektive des Konzerns zu sein, der im Text so zitiert wird:

„Da der Begriff ‚Zigeunersauce‘ negativ interpretiert werden kann, haben wir entschieden, unserer Knorr Sauce einen neuen Namen zu geben. In ein paar Wochen finden Sie diese als ‚Paprikasauce Ungarische Art‘ im Regal.“

Da ist zwar nicht ausdrücklich von Diskussionen die Rede, aber der Konzern teilt auch nicht mit, dass er selbst den Begriff für rassistisch hält und ihn deshalb ändert, sondern wegen einer möglichen negativen Interpretation. Indirekt schiebt er damit die Verantwortung von sich selbst als demjenigen, der sich damals für den Begriff entschieden hat, weg, und den Konsumenten zu, die ihn (absichtlich oder unabsichtlich) falsch verstehen (wollen).

Die Überschrift von bild.de scheint also richtig gewählt zu sein.

Täter und Opfer werden gerne mal vertauscht

Möglich gewesen wäre aber auch ein falscher Kausalzusammenhang, wie er gerade im Zusammenhang mit dem Themenfeld immer wieder vorkommt. Da wird nämlich Ursache und Wirkung verwechselt, wie ich hier schon mal geschrieben habe. Es geht dabei auch um eine Täter-Opfer-Umkehr. Schließlich macht es einen Unterschied, ob ich sage, dass ein Mädchen wegen ihres Kopftuchs verprügelt wurde oder weil die Täter muslimfeindlich oder rassistisch sind. Im ersten Fall sucht man die Schuld beim Opfer, im zweiten Fall beim Täter.

Ähnlich in diesem Fall beim Münchner Merkur:

„Schuld“ daran, dass ein Pilot seinen Job verliert, soll seine Ehefrau gewesen sein, weil sie ihren Mann verpetzt habe. Schuld war er aber ganz allein, wie aus dem Text hervorgeht:

Auch hier wird das Opfer zum Täter gemacht: Die Frau wird mit dem Tod bedroht, ist aber schuld daran, dass der Mann seinen Job verliert. Absurd. Bildblog hat das hier ausführlicher aufgeschrieben.

Oft nur kleine Wörter

Oft sind es nur ein paar kleine Wörter, die einen falschen Zusammenhang herstellen. Wie hier im Beitrag über Homophobie in der Tagesschau vom 17. Mai 2020 (im Video ab Minute 11:46). Dort heißt es:

„Doch stattdessen wurde Detlef Rath an diesem Tag angegriffen – weil er schwul ist.“

Das ist aber nicht die Ursache des Angriffs. Nur, weil jemand schwul ist, wird er nicht angegriffen. Die Ursache liegt in der Schwulenfeindlichkeit des oder der Angreifer.

„Wir können nicht an jeder Stelle überall sein“

Seit Beginn der Demonstrationen gegen die Corona-Regeln werden Journalisten vermehrt angefeindet und bedrängt. Vertreter der Polizei betonen immer wieder den Wert der Pressefreiheit. Aber tun sie auch genug, um dieses Grundrecht zu schützen?

Gegen die Berliner Polizei hat die Gewerkschaft DJU dazu in der vergangenen Woche Vorwürfe erhoben. Die Pressefreiheit sei während den Anti-Corona-Demos nicht gewährleistet gewesen. Dazu habe ich im Deutschlandfunk den Pressesprecher der Berliner Polizei, Thilo Cablitz, befragt.

Wer ist wirklich „sozial schwach“?

Menschen, die wenig Geld haben, werden in den Medien immer wieder als „sozial schwach“ bezeichnet. Dabei ist eine soziale Schwäche etwas völlig anderes. Deshalb wäre es deutlich sinnvoller, auf andere Begriffe zurückzugreifen. Eine neue Episode für den Sprach-Check „Sagen und Meinen“ in @mediasres im Deutschlandfunk.

Ein Land, zwei Namen: Heißt es Weißrussland oder Belarus?

Am Sonntag wird in Weißrussland ein neuer Präsident oder eine Präsidentin gewählt. Und in Belarus auch.

Wer nicht aufpasst, hat nicht mitbekommen, dass in deutschen Medien mittlerweile zwei Namen für dasselbe Land verwendet werden. Was die Begriffe unterscheidet, habe ich für unseren Sprach-Check „Sagen und Meinen“ in @mediasres im Deutschlandfunk recherchiert.

Ist „Kindesmissbrauch“ ein treffender Begriff?

Beim Begriff „Kindesmissbrauch“ habe einige Hörerinnen und Hörer des Deutschlandfunks das Gefühl, dass daran etwas nicht stimmt. Sie haben uns geschrieben und gefragt: Wenn es möglich ist, Kinder zu missbrauchen – müsste es dann nicht auch möglich sein, sie zu gebrauchen? Das ginge ja nicht. Die Schlussfolgerung ist verständlich. Trotzdem nutzen ihn Menschen, die sich für die Rechte von Kindern eingesetzt. Ich habe gefragt, warum.

Ein blinder Fleck

Wenn wir von Bürgerinnen und Bürgern sprechen, wollen wir Frauen und Männer meinen. Aber konsequent sind wir nicht: Sprechen wir auch von Terroristinnen und Terroristen? Eher selten. Ein blinder Fleck.

Zur „Sagen und Meinen“-Folge von vor zwei Wochen gibt’s jetzt auch die Variante als Video.

Warum Steuern nicht unbedingt eine Last sein müssen

Wenn Medien über Steuern berichten, dann häufig mit Wortkonstruktionen, die das Thema als etwas Negatives erscheinen lassen: „Steuerbelastung“ zum Beispiel. Neutral ist das nicht – denn die positiven Seiten des Themas bleiben so auf der Strecke. Mein Beitrag für den @mediasres-Sprachcheck „Sagen und Meinen“ im Deutschlandfunk.

Bastian Pastewka präsentiert alte Krimihörspiele

Außerhalb der eingefleischten Hörspielszene ist er vermutlich der bekannteste Fan des Genres: Comedian und Schauspieler Bastian Pastewka. In den letzten Jahren ist er allerdings mittlerweile Teil der Szene geworden, nachdem er in Hörspielen mitgespielt und Regie geführt hat. Mit dem lange verschollenen Krimi „Paul Temple und der Fall Gregory“ ist er mit Ensemble monatelang erfolgreich durch Deutschland getourt.

Pastewka begeistert sich vor allem für klassische Krimihörspiele der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die präsentiert er seit Anfang des Monats in einem neuen Krimipodcast, den Radio Bremen aufgelegt hat. Er heißt „Kein Mucks“, in Anlehnung an eine Radiohörerin, die erzählt, dass sie früher beim Hörspielhören alle mucksmäuschenstill sein mussten.

Radio Bremen zitiert Pastewka so:

„Kein Mucks!“ lauscht zurück in eine Epoche, als das Unterhaltungshörspiel noch nach Dampfradio klang. Bremen lebte offenbar in Mono und wohlige Stimmen ließen den Hörerinnen und Hörern den Atem anhalten. Die Kommissare rauchen, die Schurken sperren sich in Kleiderschränke und der clevere Mörder verstellt einfach seine Stimme am Telefon. Die pointierten „Wer ist der Täter“-Krimis entstanden zu einer Zeit, in der das Radio noch „Spieldose“ und junge Frauen „Küken“ genannt wurden.

Die Krimis selbst sind von unterschiedlicher Qualität. Sie sind aber wunderbar verpackt. Bastian Pastewka führt in jedes Hörspiel bzw. jede Folge ein, stellt den Kontext und vor allem die Macher vor. Gerade bekannten Stimmen widmet er manchmal mehrere Minuten und erzählt, was die Schauspielerinnen und Schauspieler sonst so gemacht haben oder woher wir sie eigentlich kennen – mit vielen O-Tönen. Daraus bestehen auch mehrere Collagen, die typische Sätze aus Krimis zitieren, ergänzt durch klassische Krimimusik. So ist schon der Rahmen des Podcasts hörenswert. Für Liebhaber klassischer Radiokrimis eine Empfehlung.

Disclaimer: Ich arbeite als freier Mitarbeiter für ARD-Anstalten.

Vier Länder gegen ein höheres EU-Budget: Sparsam oder geizig?

In der Berichterstattung über die Haushaltspolitik der EU sprechen viele Medien derzeit von den „Sparsamen Vier“ – ein Titel, den Österreich, die Niederlande, Schweden und Dänemark selbst mitgeprägt haben. Auch deshalb wäre es besser, darauf zu verzichten, habe ich für den Sprach-Check „Sagen und Meinen“ im Deutschlandfunk aufgeschrieben.

(Im Tweet ist noch das falsche Foto mit der norwegischen Flagge statt der dänischen, ist im Artikel aber korrigiert.)