Die Kunst des guten Interviews (20): „Jetzt können Sie mir Fragen stellen“

Über die Interviews des österreich-kanadischen Industriellen Frank Stronach, der vor rund zehne Jahren mit seiner nach ihm benannten Partei („Team Stronach“) ins österreichische Parlament wollte, habe ich hier schon mal geschrieben. Jetzt bin ich noch auf ein unterhaltsames Gespräch gestoßen, das er 2012 mit Lou Lorenz in der ZiB2 geführt hat. Er hält einen fast zweieinhalbminütigen Monolog, in den Lorenz vorstoßen will, bis er endlich sagt: „Jetzt können Sie mir Fragen stellen.“

„Lassen Sie uns den Quatsch beenden: Die Kunst des guten Interviews“ – mein Feature im Deutschlandfunk.

Die Kunst des guten Interviews (19): Das Konfrontieren

Dass ein Interviewpartner mit kritischen Äußerungen aus seiner Vergangenheit konfrontiert ist, sollte diesen nicht überraschen – vor allem nicht bei seinem ersten großen Interview nach seiner Wahl zum AfD-Bundesvorsitzenden. So ist es Tino Chrupalla ergangen, den Theo Koll interviewt hat.

Chrupalla macht es Koll natürlich leicht, aber Koll ist auch entsprechend gut vorbereitet, weil er die strittigen Äußerungen, die er Chrupalla vorwirft, auch per O-Ton bzw. Filmeinspielung belegen kann; das macht es Chrupalla schwierig, auszuweichen. Am Ende führt Chrupalla sich selbst vor.

Die Kunst des guten Interviews (18): Die Angriffslust des Sigmar Gabriel

Gelegentlich müssen Interviewer damit rechnen, von ihren Interviewpartnern ordentlich Contra zu bekommen. Eine beliebte Strategie vor allem vom langjährigen SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, der leicht zu reizen oder wahlweise sehr angriffslustig ist. Das kann durchaus unterhaltsam sein, auch wenn er längst nicht jedes Mal Grund für seine Angriffe hat.

Hier ein ZDF-Interview mit Bettina Schausten im Jahr 2015.

Der Link zu einem DLF-Interview mit Silvia Engels aus dem Jahr 2012.

Sehr schön auch in einem DLF-Interview mit Christoph Heinemann von 2011:

Christoph Heinemann: „Schwingt da mit Blick auf Herrn zu Guttenberg auch Neid mit? Der Mann ist ausgesprochen beliebt und so einen hat die SPD gegenwärtig nicht zu bieten.“

Sigmar Gabriel: „Wissen Sie, das ist ja bei Ihnen offensichtlich so wie bei meiner Großmutter. Die hat immer gesagt, …“

Heinemann: „Die kenne ich nicht.“

Gabriel: „Das weiß ich, aber der Spruch ist ganz interessant: ‚Was ich denk und tu, das trau ich jedem andern zu.‘ Wenn das Ihre Form der Auseinandersetzung in der Politik wäre, dann ist es gut, dass Sie im Journalismus geblieben sind. Unsere ist es jedenfalls nicht.“

Heinemann: „Und es ist gut, dass Sie SPD-Vorsitzender geworden sind und nicht Journalist.“

Gabriel: „Ja, selbstverständlich. Ich habe mich nie beworben dafür!“

Heinemann: „Na denn! Ich mich auch nicht für den Parteivorsitz. So hat ein jeder seine Aufgabe.“

Und das bereits erwähnte Interview mit Marietta Slomka aus dem Jahr 2013:

Die Kunst des guten Interviews (17): Wie wichtig gutes Zuhören ist

Wer Interviews führt, muss vor allem eins: gut zuhören. Denn alle Interviewvorbereitung nützt wenig, wenn die Interviewerin dann die entscheidenden Worte in den Antworten verpasst.

Das hat mir auch ZDF-Moderatorin Marietta Slomka für meine Sendung über „Die Kunst des guten Interviews“ erzählt:

„Um schnell reagieren zu können. Also, wenn zum Beispiel in der Thüringen-Geschichte der FDP-Fraktionschef sagt: ‚Ja, das ahnten wir‘, da muss ich natürlich sofort eingreifen und sagen: ‚Wie, das ahnten Sie? Also war Ihnen klar, was passieren würde‘. Und solche kleinen Nebensätze, die hören Sie nur, wenn sie ganz genau zuhören und nicht schon ihre nächste Frage vor Augen haben.“

So geschehen nicht nur im Interview mit dem gerade frisch gewählten Thüringer Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich von der FDP, sondern auch einen Tag später im Interview mit FDP-Bundeschef Christian Lindner, der behauptete, Kemmerich sei „übermannt“ gewesen, als er die Wahl angenommen habe.

Denkfallen für Journalisten

Der Kollege Ralf Heimann hat Ende des Jahres aufgeschrieben, was ich gerne zustande gebracht hätte: Er hat sich mit Denkfehlern und Denkfallen beschäftigt, mit denen wir als Menschen immer wieder zu tun kriegen. Für uns als Journalisten ergibt sich daraus aber eine besondere Verantwortung, denn wenn wir solche Fehler machen, kann das große Auswirkungen haben.

Ralfs Serie ist im Bildblog erschienen. Die achtteilige Reihe findet sich hier komplett oder in folgenden Teilen:

Teil 1: Fehlerforschung: Jeder zweite Artikel hat Mängel

Teil 2: Heuristiken: Riskante Schleichwege fürs Denken

Teil 3: Der Bestätigungsfehler: Die Erwartung macht das Ergebnis

Teil 4: Herdentrieb: Immer den anderen hinterher!

Teil 5: Dunning-Kruger: Wer nichts weiß, weiß nicht mal das

Teil 6: Storyformat: Das Format formt die Wirklichkeit

Teil 7: Das Zeugenproblem: Die Erinnerung ist eine Wikipedia-Seite

Teil 8: Fehlerkultur: Was Redaktionen von Piloten lernen können

Die Kunst des guten Interviews (16): Wie Franz Josef Strauß Journalisten angriff

„Zunächst muss ich mir leider die Bemerkung erlauben, dass diese Ihre eben gezeigte, von mir verfolgte Sendung tendenziös ist!“ Wenn ein Interview so anfängt, darf man wohl davon ausgehen, dass es turbulent wird. So geschehen mit dem bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß im MONITOR-Kreuzfeuer. Damals wurde noch gestritten!

Die WDR-Redaktion „Monitor“ hat schon vor ein paar Jahren ein paar Ausschnitt aus einem Interview mit Strauß online gestellt, in dem dieser gegen die fragenden Journalisten keilt.

Auch dafür hatte ich leider keinen Platz in meiner Sendung über „Die Kunst des guten Interviews“.

Die Kunst des guten Interviews (15): Warum man eine Abgeordnete fragen kann, was sie im Parlament verloren habe

Ich habe in der ZiB2 in 13 Jahren schon weit über 1.000 Politiker-Interviews geführt. Und ich habe dabei noch nie einen Parlamentarier gefragt, was jemand „wie Sie im Parlament verloren“ hat. Aber ich würde es jeden Parlamentarier (egal welcher Partei) wieder fragen, der bereits wegen Verhetzung rechtskräftig verurteilt wurde, Menschen öffentlich als „Neger“ mit „genetischen Problemen“ bezeichnet, „die zionistischen Geld-Juden für das Problem“ hält, alle paar Tage wirre Verschwörungsfantasien publiziert, von seiner Partei rausgeworfen wird – und trotzdem auf seinem Mandat beharrt.

So schreibt es ORF-Moderator Armin Wolf in seinem Blog, nachdem er 2015 ein viel beachtetes Interview mit der FPÖ-Abgeordneten Susanne Winter geführt hatte. Und in dem geht es sehr konfrontativ zu.

Kritisiert wurde er vor allem für diese Frage:

Sie wurden wegen Verhetzung rechtskräftig verurteilt. Sie nennen Schwarzafrikaner „Neger“. Und behaupten allen Ernstes „Schwarze hätten wegen ihrer Gene zu wenig Selbstbewusstsein“. Sie finden, man müsse „den Islam über das Mittelmeer zurückwerfen.“ Sie halten „die zionistischen Geldjuden weltweit für ein Problem.“ Sie halten den Klimawandel für „eine Erfindung von Atomindustrie und Lügenpresse.“ Sie haben auf Facebook praktisch jede Verschwörungstheorie ‚geliked‘, die man überhaupt finden kann. Und Sie meinen tatsächlich: „Wir alle werden von einer totalitären Minderheit kontrolliert.“ Was hat jemand wie Sie im Parlament verloren?

Und zwar – nach den vielen Belegen – vor allem die eigentliche Frage, was jemand wie Winter im Parlament verloren habe. In seinem Blog (Link oben) erklärt Wolf ausführlich, warum er diese Frage gestellt hat, und verweist auch ausführlich auf eine historische Gerichtsentscheidung in Österreich, dass solche Frage selbstverständlich zulässig sind.

Die Kunst des guten Interviews (14): Blinde Flecke

In meiner Sendung über „Die Kunst des guten Interviews“ habe ich mich vor allem auf das Handwerk konzentriert und wenig über Inhalte gesprochen. Natürlich kann man Interviews aber auch auf inhaltliche Aspekte hin auswerten – und sollte das natürlich auch tun, denn Interviewer wählen ja nicht per se die richtigen, entscheidenden Fragen, reagieren im Gespräch nicht angemessen auf ihre Interviewpartner usw.

Im Jahr 2018 hat das Boris Rosenkranz von Übermedien getan, als er sich ansah, worüber in den damaligen Sommerinterviews eigentlich geredet wurde.

Die Kunst des guten Interviews (12): Wie Alexander Gauland mal blank lag

Warum nicht mal fragen, was sonst keiner fragt?

Im Sommer 2018 dachte sich das auch ZDF-Moderator Thomas Walde vor seinem Sommerinterview mit dem damaligen AfD-Chef Alexander Gauland. Eigentlich war es bis dahin üblich, dass Journalistinnen und Journalisten Politiker*innen nur nach den Themen fragen, die die Partei von sich aus besetzt. Bei der AfD waren das vor allem die Flüchtlingspolitik und der Umgang mit allem, was die AfD nicht als deutsch definiert.

Walde hat das im Sommer 2018 anders gemacht – und Gauland nicht nur danach gefragt, sondern auch nach allen möglichen anderen Themen. Und Gauland war blank.

Ein sehenswertes Interview, das eigentlich nur mit einem simplen Trick arbeitet: nach den Leerstellen zu fragen.

Ein Interview, das in meiner Sendung über „Die Kunst des guten Interviews“ leider keine Platz mehr gefunden hat.

Die Kunst des guten Interviews (11): Als sich ein Fußballer mal selbst interviewte

Ich bin noch auf ein amüsantes kleines Interview gestoßen, das überhaupt nicht zu meinem eigentlichen Thema gepasst habe, das ich aber nicht vorenthalten möchte. Eigentlich ist es kein Interviewer im Sinne von Mark Twain, wie ihn mal ORF-Moderator Armin Wolf zitierte, demzufolge es für ein Interview einen Interviewer und einen Interviewten gibt.

In diesem Fall gibt es nur einen, der beides zusammen erledigt. Auf diese unterhaltsame Weise führt Eintracht-Frankfurt-Spieler Danny Da Costa 2018 die einfältigen Fragen der Sportreporter vor.