Am 26.05. sind die Wahlen zum Europäischen Parlament. Zurzeit buhlen die Parteien via Wahlwerbung um die Wählergunst. Die Rundfunksender sind zur Ausstrahlung verpflichtet. Wir haben in „@mediasres im Dialog“ im Deutschlandfunk am Freitag gefragt, was die Leute von der Wahlwerbung halten, und ich hab noch mal ein paar Hintergründe beigesteuert.
Voss gegen Beckedahl: Wir müssen reden
Axel Voss ist ein interessanter Politiker. Der CDU-Europaabgeordnete hat die Urheberrechtsreform federführend erarbeitet und sich dabei nach Ansicht vieler Kritiker nicht mit Ruhm bekleckert. Nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern auch weil sie ihn immer wieder überführen konnten, keine Ahnung von dem zu haben, worum es beim Urheberrecht geht. Am Ende war er dennoch erfolgreich, die Reform kommt. Auch wenn die nationalen Parlamente noch einen gewissen Spielraum haben, wie sie die EU-Richtlinie umsetzen.
Interessant finde ich Voss aber vor allem, weil er sich nicht scheut, mit seinen Kritikern in einen Dialog zu treten. Er hat vor der Reform Dutzende Interviews gegeben, in denen er immer wieder mit seinem Unwissen konfrontiert wurde. Und auch bei der Republica hat er sich mit einem seiner größten Kritiker getroffen. Er diskutierte mit Netzpolitik-Chefredakteur Markus Beckedahl über die Reform und ihre Auswirkungen. Dabei traf er nicht gerade auf ein wohlwollendes Publikum, und auch ZDFKultur-Moderator Jo Schück war anzumerken, was er von der Reform hält.
Ein sehenswerter Talk aus Berlin.
Drei Fragen an Oliver Schröm, Correctiv-Chefredakteur
In der vergangenen Woche hat das gemeinnützige Recherchebüro Correctiv ihre bisher größte Recherche veröffentlicht: „Grand Theft Europe“ – eine Geschichte über massenhaften Umsatzsteuerbetrug in Europa. Beteiligt waren 35 Redaktionen in 30 Ländern. In unserer @mediasres-Rubrik „Drei Fragen an“ (Audio) hat mir Oliver Schröm erzählt, wie ihn das beschäftigt hat.
„Diejenigen, die die Revolution gestalten wollen“
Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt ist seit Jahren mit seinem Berlin-Newsletter „Checkpoint“ erfolgreich (den es seit gestern nur noch kostenpflichtig gibt). Auf der Republica habe ich ihm unsere drei Fragen gestellt: Was läuft gut in den Medien? Was läuft schlecht? Und bei Ihnen? Seine Antworten hier zum Nachhören.
Breaking News in Delmenhorst
Wie weit darf man als Journalist gehen? Die NDR-Doku „Breaking News in Delmenhorst“ begleitet Reporter, die Unfälle filmen, Brände, Katastrophen überhaupt. Dabei filmen sie nicht nur verunglückte Lastwagen, sondern kommen auch den Verletzten und Toten nahe – und deren Angehörigen. Sie drehen Bilder, die dann später im Fernsehen laufen – in Boulevardmagazinen in privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern, aber auch in der Tagesschau. Kein Job für jedermann.
Der Reporter Julian Amershi arbeitet mit als Blaulichtfilmer und erlebt berührende, aber auch skurrile Momente in einer Welt, in der der Ausnahmezustand der Alltag ist. Eine interessante Reportage aus einer Welt, die auch viele Journalistenkollegen nicht kennen.
Sigi Maurer: „Es ist das Patriarchat“
In ihrem Republica-Talk erzählt die Österreicherin Sigi Maurer darüber, wie sie im vorigen Jahr sexualisiert beleidigt, vom mutmaßlichen Täter angezeigt und verurteilt worden. Mittlerweile wird der Fall neu aufgerollt. Auch eine große Geschichte in den österreichischen und deutschen Medien im Jahr 2018.
Bilanz der Republica 2019: Neue Ideen und alte Diskussionen
Drei Tage lang haben sich in Berlin auf der re:publica Netzaktivisten, Politiker und Journalisten getroffen. Urheberrechtsreform, Netzpessimismus, Netzregulierung – Europas größte Digitalkonferenz hat viele große Themen berührt. Für den Deutschlandfunk habe ich einen Überblick am dritten und letzten Tag der Konferenz gegeben.
Werden die Europawahlen im Netz entschieden?
Über soziale Medien lassen sich politische Botschaften, aber auch Desinformation und Propaganda schnell verbreiten. Inwiefern könnte das die Europawahlen gefährden? Auf der re:publica habe ich für @mediasres mit SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Journalistin Karolin Schwarz und Social-Media-Analyst Luca Hammer diskutiert.
Wie Polizei und Politiker Journalisten einschüchtern
Am Freitag ist Internationaler Tag der Pressefreiheit. Noch vor einigen Jahren war das für deutsche Journalisten eher ein Feiertage. Inzwischen gibt es auch hier Sorgen, diese Freiheit nach Artikel 5 Grundgesetz könne eingeschränkt werden. Denn die Einschläge kommen näher: Hat man früher vor allem über Gegenden außerhalb Europas berichtet, gibt es inzwischen auch in Europa und sogar innerhalb der EU Angriffe auf Medien, nicht nur von Bürgern und Gruppen, sondern auch von Politikern und sogar Regierungsvertretern, wie aktuell in Österreich zu sehen.
Dem Thema haben wir bei @mediasres am heutigen Feiertag eine ganze Sendung gewidmet.
Michael Rediske, Vorstand der deutschen Sektion der „Reporter ohne Grenzen“, erklärt, wie die Rangliste der Pressefreiheit entsteht (Audio).
Dass die österreichische Regierungspartei FPÖ den öffentlich-rechtlichen Sender ORF angreift, hält der Vorsitzende des ORF-Redakteursrats für eine Einschränkung der Pressefreiheit. Dieter Bornemann sagte im Dlf, das habe auf den gesamten Journalismus im Land massive Auswirkungen.
Der Publizist und frühere SZ-Redakteur Heribert Prantl wünscht sich von deutschen Journalisten mehr Souveränität. Er sei zuversichtlich, dass sich der Vorwurf des „Lügenjournalismus“ nicht lange halten werde, sagte er im Dlf. Gleichzeitig kritisierte er den Stand der Pressefreiheit in der Bundesrepublik.
In Bulgarien sollen sich Politiker der regierenden rechts-konservativen Koalition und Medienmogule wiederholt an EU-Geldern bereichert haben. Berichtet wird darüber allerdings kaum – auch weil das lebensgefährliche Konsequenzen haben kann.
Frankreichs Journalistengewerkschaften kritisieren, dass die Polizei Journalisten bei Demonstrationen der Gelbwesten angreift und willkürlich festnimmt. Der Regierung werfen sie vor, solche Verstöße gegen die Pressefreiheit systematisch zu decken.
Kommt nur selten vor: Bundesverfassungsgericht entscheidet über Wahlspot
Das ZDF muss einen aktuellen Wahlspot der NPD nicht spielen, hat das Bundesverfassungsgericht entschieden. Es ist nicht das erste Mal, dass Parteienwerbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk verhindert wird, kommt aber selten vor. Normalerweise landen Spots nicht vor den Gerichten, weil die Sender, die sie spielen müssen, bei der juristischen Prüfung großzügig sein sollen. In @mediasres im Deutschlandfunk habe ich heute ein wenig über die Hintergründe erzählt.