Presserat billigt Civey-Umfrage

Jeden Tag erscheinen in Medien neue Umfragen – erstellt von klassischen Meinungsforschern und neuen Konkurrenten aus dem Netz. Aber müssen Redaktionen prüfen, wie deren Ergebnisse zustandekommen? Der Presserat hat sich im Falle einer Umfrage des Anbieters Civey nun dagegen entschieden. In meinem Beitrag für @mediasres im Deutschlandfunk habe ich die Entscheidung und den Fall noch mal kurz zusammengefasst.

Methodenstreit der Meinungsforschung: Was ist repräsentativ?

Die Zahl der Politik-Umfragen nimmt stetig zu – die Nachfrage von Medien und Politik ebenfalls. Doch die klassischen Meinungsforscher wehren sich gegen die wachsende Konkurrenz aus dem Netz: Die Methoden der Online-Umfrageinstitute seien nicht seriös – es werde teils gefährlich Stimmung gemacht. Jetzt ist der Streit vor dem Presserat.

Dort haben sich die klassischen Meinungsforschungsinstitute Forsa, Infas und die Forschungsgruppe Wahlen gegen eine Umfrage von „Focus online“ beschwert, die das Berliner Startup Civey erstellt hat. Heute wird vor dem Presserat verhandelt.

Worum es geht, habe ich gestern in der Deutschlandfunk-Sendung „Hintergrund“ erklärt.

Wie entstehen Hörspiele und Features?

Das Deutschlandradio wirft auf seinem neuen Portal für Hörspiele und Features auch einen Blick hinter die Kulissen. In sechs kurzen Filme aus dem Maschinenraum der Radiokunst stellen die Kollegen ihre Arbeit v or. Aufgenommen im Studio, in der Redaktion, im Besetzungsbüro, bei einer Veranstaltung und bei einer Autorin. Es sind interessante kurze Filme für einen ersten Blick hinter die Kulissen.

Offenlegung: Ich arbeite als freier Mitarbeiter für das Deutschlandradio.

Wie sich Zeitungen in Berlin organisieren

Die meisten Tageszeitungen in Deutschland kämpfen seit Jahren mit den Folgen der Digitalisierung: Sie verlieren Abonnenten, Auflage und Anzeigen. Um dennoch Journalismus betreiben zu können, denken sich die Verlage neue Modelle aus. Eins davon: In Berlin betreiben mehrere Verlage Zentralredaktionen (auch Verbundredaktionen genannt), in denen eine Gruppe von Journalisten für gleich mehrere bis über 50 Tageszeitungen arbeitet.

Was sich dahinter verbirgt, darum ging es am Donnerstag bei der Tagung „Formate des Politischen“, die der Deutschlandfunk gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundespressekonferenz durchgeführt hat. Zum Anfang hat die Medienjournalistin Ulrike Simon eine Einführung ins Thema gegeben.

Anschließend habe ich darüber mit drei Kollegen gesprochen, die von den Änderungen betroffen sind:

  • Gordon Repinski leitet das Hauptstadtbüro des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Seit dem 1. Oktober gehört es nicht nur zur Madsack-Verlagsgruppe aus Hannover, sondern zu 25 Prozent auch DuMont aus Köln.
  • Während die Tageszeitung taz früher eine Zeitung von vielen war, ist sie im Vergleich zu den neuen Zentralredaktionen heute weniger wichtig. Was das bedeutet, hat Parlamentsredakteurin Anja Maier erklärt.
  • Und Cornelia Haß konnte als Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalisten-Union in der Gewerkschaft Verdi über die Auswirkungen für die betroffenen Kollegen berichten.

Über die Diskussion hat gestern auch Philip Banse für das Medienmagazin @mediasres im Deutschlandfunk berichtet.

Merkwürdige Mehrheiten für Merz

Schon kurz nachdem Angela Merkel ihren Rückzug als CDU-Chefin ankündigte, schrieben viele Medien über den Kandidaten Friedrich Merz – noch bevor er überhaupt seine Bewerbung für den Parteivorsitz bestätigte. Umfragen sollen das öffentliche Interesse am Politiker belegen – doch es fehlt an Aussagekraft. Ich hab das noch mal für @mediasres im Deutschlandfunk aufgeschrieben.

Außerdem gab es in der Sendung danach ein sehr hörenswertes Interview mit dem Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen. Er sieht in der Debatte um die CDU-Führung eine Neigung zum Hype und zur Personalisierung. Einzelne Politiker würden „zu Erlösergestalten hochgeschrieben“, sagte er. Hier offenbare sich ein Sinnvakuum der gesellschaftlichen Mitte.

Nachrichten aus der Vergangenheit: Bayerns Ministerpräsident von 1919 schickt Whatsapp-Nachrichten

Um mit den Toten zu reden, braucht man ein Medium: Ein Projekt des Bayerischen Rundfunks lässt die Nutzer über WhatsApp mit dem 1919 ermordeten ersten Ministerpräsidenten Bayerns, Kurt Eisner, kommunizieren. „Wir wollen den Menschen erfahrbar machen“, hat mir Projektleiter Matthias Leitner in @mediasres im Deutschlandfunk gesagt.

Politiker-Zitate im Netz: Ohne Einordnung geht es nicht

Das knackige Politikerzitat ist eine beliebte Form in sozialen Netzwerken. Dabei sind Journalisten nicht dafür da, deren Äußerungen einfach nur weiterzureichen, findet Stefan Fries. Ohne Einordnung und Differenzierung gehe es nicht. Mein Kommentar für @mediasres im Deutschlandfunk.

Medien und Rechtspopulismus: Wie soll man berichten?

Rechtspopulisten sind gegen Journalisten, brauchen sie aber auch, um Öffentlichkeit zu bekommen. Das bringt Medien in ein Dilemma: Lassen sie sich von Populisten für deren Agenda benutzen? Wie können sie es vermeiden? Brigitte Baetz und ich haben für @mediasres im Deutschlandfunk eine Sendung gemacht über die Probleme, die das Berichten über Rechtspopulismus mit sich bringt.

„Es geht darum, den Leuten Gehirnfutter zu liefern“

Der Deutschlandfunk-Podcast „Der Tag“ wird ein Jahr alt. Direkt nach der Bundestagswahl 2017 ist er gestartet – und damals gab es viel zu besprechen. Kollegin Ann-Kathrin Büüsker hat schon am Sonntag in ihrem Blog besprochen, was sie an ihrem Podcast so toll findet, ich habe gestern ein paar Gedanken dazu ergänzt.

Heute hat sie nochmal im Medienmagazin @mediasres darüber gesprochen – und eine Sache erwähnt, die ich ganz wichtig finde. Es geht darum, dass sich Hörer manchmal beschweren, dass ihnen eine bestimmte Sichtweise von Journalisten aufgedrängt werden soll. „Meinungsjournalismus“ lautet der Vorwurf. Darauf hat Ann-Kathrin geantwortet:

Wir liefern Fakten, wir erklären Zusammenhänge, und auf dieser Basis kommen die Kolleginnen und Kollegen zu Einschätzungen. Diese Einschätzungen muss man ja nicht teilen. (…) Wir machen nur kenntlich, als die auftretenden Korrespondentinnen, wo wir stehen. Niemand ist frei von politischer Haltung, und indem ich klarmache, auf welchen Fakten ich zu meiner Einschätzung komme, mache ich ja transparent, wo ich stehe, und das hat für mich auch was mit Glaubwürdigkeit zu tun.

Es gehe nicht darum, dass sich die Hörer der Meinung anschließen sollen, die sie hören.

Wir wollen klarmachen, wie die Leute zu diesen Einschätzungen kommen, und damit die Gehirne der Menschen antippen. Die müssen nicht mit dem übereinstimmen, was da im Radio gesagt wird. Es geht darum, den Leuten Gehirnfutter zu liefern, das ist unser Job.