Die Pressekonferenz als Bühne (8): Schäuble und die 100.000 D-Mark

Manchmal wird es auch für erfahrene Politikerinnen und Politiker unangenehm. Manch ein Skandal mag hinter einem liegen und als überstanden gelten, aber gelegentlich wird er doch noch mal erneut vorgeführt. Wenn es passt.

Ende Oktober 2009, einen Monat nach der Bundestagswahl, stellen die Vorsitzenden von CDU/CSU und FDP, Angela Merkel, Horst Seehofer und Guido Westerwelle, ihre Koalitionsvereinbarung vor. Zuvor war bekannt geworden, dass Wolfgang Schäuble Finanzminister werden sollte. Im Saal der Bundespressekonferenz erinnert der Berlin-Korrespondent der niederländischen Tageszeitung „De Telegraaf“, Rob Savelberg, daran, dass Schäuble Jahre zuvor in eine Parteispendenaffäre verstrickt war.

Rob Savelberg: „Frau Merkel, eine Frage von Rob Savelberg, ‚Telegraaf‘ aus Amsterdam. Sie reden heute ziemlich viel über Geld, über Finanzen auch der Bundesrepublik Deutschland. Nun wollen Sie das Finanzministerium besetzen mit einer Person, die öffentlich beteuert hat im Deutschen Bundestag, dass er einen Waffenhändler nur einmal getroffen hat und dabei vergessen hat, dass er 100.000 D-Mark von dem angenommen hat. Also: Wie können Sie so eine Person als sehr kompetent schätzen, um sozusagen die Finanzen dieses Landes hinzuzuvertrauen in der Krise. Können Sie das erklären?“

Angela Merkel: „Weil… weil diese Person mein Vertrauen hat.“

Savelberg: „Aber kann er mit Geld umgehen, wenn er vergisst, dass er 100.000 Mark in bar in seiner Schublade liegen hat?“

Merkel: „Ich hab wirklich jetzt alles gesagt dazu.“

Savelberg: „Wenn das alles ist.“

Merkel: „Wie bitte? – Ja, ich kann gerne den Satz noch mal wiederholen, aber ich hab aus meiner Sicht alles gesagt.“

Savelberg: „Aber es geht um die Finanzen von 82 Millionen Deutschen, also…“

Merkel: „Genau.“

Savelberg: „…das ist eine ziemlich große Summe, würd ich sagen.“

Merkel: „Hm.“

Weil es kein 1-zu-1-Interview war, konnte Savelberg Merkel nicht weiter mit Fragen zusetzen. Und er blieb mit seiner Frage allein. Dabei hätten ihm durchaus Kollegen beispringen können, aber sie müssten dann auf eine eigene Frage verzichten.

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