Die Kunst des guten Interviews (13): Wie Moderatoren gegen Framing vorgehen

Politiker versuchen, ihre Themen auch durch Begriffe zu besetzen. Wer die sprachliche Hoheit über ein Thema erlangt, kann auch die Inhalte leichter bestimmen. Ganz besonders deutlich wird das in PR-Begriffen wie „Gute-Kita-Gesetz“ oder „Widerspruchslösung“, mit der Bundesfamilienministerin Franziska Giffey ihrem Gesetz einen wohlklingenden Namen und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn aus seinem Plan zur Organspende gleich eine Lösung statt nur eine Regelung machten.

Auch in Interviews versuchen Politiker, solche Begriffe zu setzen. Dann bedarf es aufmerksamer Interviewer, um solche Begriffssetzungen deutlich zu machen und zu hinterfragen, wenn sie sich schon – da live – nicht verhindern können.

So sprach Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Jahr 2018 in einem Interview von „Asyltourismus“ – und ZDF-Moderatorin Marietta Slomka hakte nach.

Zwar konnte Söder gleich wieder an sein Thema anschließen und ließ sich nicht darauf ein, sich für den Begriff zu rechtfertigen, aber Slomka konnte immerhin deutlich machen, dass Söder einen euphemistischen Begriff für eine oft tödliche Flucht nutzte.

Ähnlich ARD-Moderator Ingo Zamperoni in einem Interview mit der CDU-Politikerin Julia Klöckner, die auf seinen Einwand allerdings merkwürdig reagierte.

(ab Minute 8:16)

Auch diesen Aspekt habe ich in meiner Sendung über „Die Kunst des guten Interviews“ nicht mehr untergekriegt.

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