Warum läuft auf öffentlich-rechtlichen Sendern Parteiwerbung?

Die Partei „Die Heimat“ (früher NPD) hetzt in einem animierten Clip gegen Migranten, die über das Mittelmeer flüchten. Die „Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung“ lässt in einem Schwarz-Weiß-Film den Sensenmann auftreten und behauptet, der „altersbedingte Tod“ sei technisch lösbar. All das lief in den vergangenen Wochen im Zuge des Europawahlkampfs auch auf öffentlich-rechtlichen Sendern.

Warum müssen die Sender den Parteien für so etwas kostenlose Sendeplätze bieten? Wo ist das geregelt? Können sie die Ausstrahlung bestimmter Inhalte verweigern? Und wie wird eigentlich festgelegt, welche Partei wie viele Sendeplätze bekommt? Das habe ich Holger Klein erzählt – für den Übermedien-Podcast „Holger ruft an“. Zu finden hier und auf allen gängigen Podcast-Plattformen.

Jahresbilanz: 708 Beschwerden über ARD, ZDF und Deutschlandradio

Die Rundfunkräte sollen das Programm der öffentlich-rechtlichen Sender kontrollieren und über Beschwerden entscheiden. Doch nur äußerst selten rügen sie die Anstalten für Verstöße. Meine Recherchen fürs Deutschlandfunk-Medienmagazin @mediasres zeigen: Das hat System.

Bei den Rundfunkräten von ARD, ZDF und Deutschlandradio sind nach Recherchen des Deutschlandfunks im vergangenen Jahr insgesamt 708 förmliche Programmbeschwerden eingegangen.

Eine solche Beschwerde können Nutzer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einreichen, wenn sie Programmgrundsätze verletzt sehen. Eine Entscheidung darüber treffen die Rundfunkräte. Sie gaben im vergangenen Jahr fünf Beschwerden zu zwei Sendungen statt. Drei davon betrafen als menschenverachtend eingestufte Formulierungen eines SWR-Korrespondenten, zwei eine satirische Darstellung im ZDF Magazin Royale.

Weil nicht alle Rundfunkräte und Sender über Programmbeschwerden Auskunft geben, ist die Datenlage lückenhaft. Soweit feststellbar, gab es die meisten Beschwerden im Jahr 2023 zu einer Folge des ZDF-Podcasts „Lanz & Precht“, in dem die beiden Gesprächspartner antisemitische Stereotype verbreitet hatten. Auf den Plätzen 2 und 3 folgten Angebote der Tagesschau-Redaktion und mehrere Ausgaben des ZDF-Magazin Royale.

93 Beschwerden lehnten die Rundfunkräte ab. Sie bekommen aber nur einen Teil aller Programmbeschwerden vorgelegt. Zunächst dürfen die Intendanten antworten und räumen dabei teils bereits Defizite ein. In wie vielen Fällen, ließ sich mangels Auskunft für die meisten Sender nicht ermitteln. Nur wenn die Beschwerdeführer teils mehrmals widersprechen, beraten auch die Rundfunkräte. Wird einer Programmbeschwerde stattgegeben, wird die Sendung korrigiert oder depubliziert. Doch auch abgelehnte Beschwerden führen oft zu kleineren Änderungen.

Wo Umfragen an ihre Grenzen stoßen

Einer Befragung für den „Stern“ zufolge finden es 58 Prozent der Deutschen gut, dass Hubert Aiwanger als bayerischer Wirtschaftsminister im Amt bleibt. Aber an der Zahl gibt es Zweifel. Der Fall zeigt, woran es bei Umfragen in den Medien häufig hakt. Das habe ich im Deutschlandfunk-Medienmagazin @mediasres erklärt.

Betroffene wollen keine Opfer sein

Häufig werden Menschen, die von Gewalt oder Belästigung betroffen sind, in den Medien als Opfer bezeichnet. Doch damit wird oft ein falsches Bild vermittelt. Denn aus der „Opfer“-Rolle wollen sich die Betroffenen – meist Frauen – gerade befreien. Habe ich für „Sagen und Meinen“ in @mediasres im Deutschlandfunk formuliert.

Ich biete keine Praktikumsstellen und sonstige Jobs an / I do not offer internships and other jobs

Mich erreichen über diese Webseite immer wieder Bewerbungen für Praktika und andere Jobs. Sie kommen meistens von jungen Bewerberinnen und Bewerbern aus Russland und anderen osteuropäischen Ländern sowie aus Indien. Es geht um Bewerbungen für medizinische und soziale Jobs. Aber: Es handelt sich dabei um eine Verwechslung. Der Arzt, an den Sie sich wenden wollen, ist vermutlich Dr. med. Stefan Fries von der Onkologischen Schwerpunktpraxis Bamberg/Forchheim. Seine Webseite findet sich hier. Bitte schicken Sie mir keine Bewerbungen!

I keep receiving applications for internships and other jobs through this website. They mostly come from young applicants from Russia and other Eastern European countries as well as from India. They are applications for medical and social jobs. It is a case of mistaken identity. The doctor you want to contact is probably Dr. med. Stefan Fries from the Oncological Focus Practice Bamberg/Forchheim. His website can be found here. Please do not send me any applications!

Falls mir jemand Hinweise darauf geben kann, warum es immer wieder zu so einer Verwechslung kommt, würde ich mich freuen. Ich habe schon mit der Praxis Kontakt gehabt, die sich auch nicht erklären kann, woher die Verwechslung kommt. Offenbar googeln die Bewerber einfach einen Namen. Dass das gelegentlich vorkommt, ist verständlich. Aber ich habe in den vergangenen fünf Jahren sicherlich rund 50 solcher Bewerbungen bekommen.

Bei jeder einzelnen antworte ich den Bewerbern, dass es sich um eine Verwechslung handelt, weil ich natürlich auch nicht möchte, dass jemand dadurch einen Job nicht bekommt. Allerdings hat noch in keinem einzigen Fall einer der Bewerber geantwortet. Das macht es sehr mysteriös.

Wie groß ist eine Fläche von 55.000 Fußballfeldern?

Wenn Medien einen Eindruck davon geben wollen, wie groß eine Fläche ist, geben sie oft eine Vergleichsgröße an. Am beliebtesten: das Saarland und Fußballfelder. Die Größe des Saarlands ist eindeutig, die eines Fußballfelds aber nicht. In @mediasres im Deutschlandfunk gebe ich Tipps, wie man Flächen besser veranschaulichen kann.

Verwirrung um Kandidatenliste für rbb-Intendanz

Als am Montagabend die Listen der Kandidatinnen für die Intendantinnenstelle beim rbb herauskam, ging man davon aus, dass die amtierende Interimsintendantin Katrin Vernau nicht wieder gewählt werden wollte. Zumal sie sich auch nicht beworben hatte.

Am Dienstag aber bekräftigte sie ohne Bewerbung und ohne Platz auf der Liste, dass der rbb-Rundfunkrat sie ja dennoch nominieren und wählen könne. Man gewann den Eindruck, sie wolle gefragt werden. Darüber habe ich am Dienstag für @mediasres im Deutschlandfunk berichtet – live von der Republica in Berlin, auf der Vernau zu Gast war.

Wer aus der Türkei stammt, ist nicht unbedingt türkischstämmig

Wenn es um Menschen mit Wurzeln in der Türkei geht, heißt es in Medien oft, dass diese „türkischstämmig“ seien. Doch nicht immer trifft der Begriff so auch zu, habe ich für den @mediasres-Sprachcheck „Sagen und Meinen“ im Deutschlandfunk notiert.

Negativer Klimajournalismus: „Lösungen kommen oft zu kurz“

Beim Thema Klimaschutz würden Medien vor allem warnen und mahnen, sagt die Medienforscherin Alexandra Borchardt. Sie fordert: Journalismus muss viel öfter zeigen, dass weltweit längst Lösungen entwickelt werden. Ich habe mit ihr für @mediasres im Deutschlandfunk gesprochen.

Regierungsaufträge für Journalisten: „Rundfunk muss strikt auf Distanz zum Staat achten“

Rund 200 Journalistinnen und Journalisten sollen Aufträge von der Bundesregierung und Bundesbehörden angenommen haben. Das könnte beim Publikum Zweifel an der Unabhängigkeit wecken, kritisiert der Medienwissenschaftler Volker Lilienthal. Ich habe mit ihm für @mediasres im Deutschlandfunk gesprochen.