Netflix entfernt in Saudi-Arabien kritischen Stand-up über Kronprinz

Netflix hat in Saudi-Arabien eine Episode der US-Comedyshow „Patriot Act with Hasan Minhaj“ gesperrt. Minhaj kritisiert darin das Regime in Saudi-Arabien – ausgehend von der Ermordung von Jamal Khashoggi, dem Washington-Post-Journalisten, der Saudi-Arabien immer wieder kritisiert hat.

Hasan Minhaj kritisiert, wie Kronprinz Mohammed bin Salman seine eigene Mutter eingesperrt habe, damit er die Macht übernehmen könne, wie Salman Aktivistinnen inhaftieren ließ und dass Saudi-Arabien die jemenitische Regierung im Bürgerkrieg unterstützt. Er spart aber auch nicht aus, dass alle US-Präsidenten seit Jahrzehnten die Nähe zu Saudi-Arabien als strategischer Partner im Nahen und Mittleren Osten gesucht haben und dass Kronprinz Salman Milliarden Dollar in US-Tech-Companys im Silicon Valley investiert hat.

Die Kritik an sich ist nicht neu, deswegen liegt es womöglich am Kritiker, dass die Show gesperrt wurde. Hasan Minhaj stammt aus einer muslimischen Familie aus Indien, ist aber gebürtiger US-Amerikaner. Er macht seine Comedyshow ausdrücklich aus einer muslimischen Perspektive, indem er zum Beispiel auch sagt, dass sich Saudi-Arabien zwar als Wächter der Pilgerstätten Mekka und Medina im Land verstehe, aber überhaupt nicht die Werte des Islam vertrete.

Netflix hat der „Financial Times“ die Sperrung bestätigt und gesagt, es es müsse sich an lokale Gesetze halten. In diesem Fall sei es um ein Gesetz gegen Cyberkriminalität gegangen, gegen das das Video verstoßen habe. Der entsprechende Artikel verbietet

„die Produktion, Vorbereitung, Sendung oder Speicherung von Material, das sich negativ auf die öffentlich Ordnung auswirkt, auf religiöse Werte oder die öffentliche Moral“.

Mit dieser vagen Aussage lässt sich viel verbieten. Über das Thema habe ich heute in den „Informationen am Mittag“ im Deutschlandfunk berichtet.

 

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