Was wirklich nervt an Verlags-Podcasts, ist die Musik

Seit ein paar Monaten machen einige Verlage auch in Audio. Spiegel online, Zeit online, Süddeutsche Zeitung online und viele andere haben eigene Podcasts gestartet. Über die journalistische Inhalte, über die Aufbereitung fürs Hören und die technischen Qualität ist schon an einigen anderen Stellen gesprochen worden, darum geht es mir hier nicht.

Was mich aber auch heute noch nachhaltig verstört, ist die Musik, die dort eingesetzt wird. Wer etwa den „Debatten-Podcast“ von Spiegel online von und mit Sascha Lobo aufruft, wird mit einem elektronischen Loop aus zunächst drei Tönen empfangen, der in seiner Penetranz nervig ist – zumal er in diesem Fall am Anfang sehr lang unter den Zitaten steht. Angenehm anzuhören ist das nicht. So interessant Sascha Lobos Thema auch sein mag, über diese Schwelle muss ich erst mal hinwegkommen. Skippe ich den Teil mit der Musik, muss ich auf die Einleitung zum Thema verzichten.

Ich bin kein Musikwissenschaftler, deswegen kann ich keine professionelle Einschätzung abgeben, welche Wirkung die Musikauswahl im Einzelnen hat. Entscheidend ist für mich, mit welcher Stimmung ich in die Podcasts reingehe.

Bei „Stimmenfang“, ebenfalls von Spiegel online, wird – ebenfalls elektronisch – auf die Trommel geklopft. Die Musik vermittelt in ihrer Disharmonie – so wirkt es auf mich – etwas Dramatisches, ganz gleich um welches Thema es geht.

Die Süddeutsche Zeitung verzichtet in ihrem Podcast „Das Thema“ auf derartige Musik. Sie verwendet ein Jingle als Opener, auch wenn dieses als Bauchbinde eingesetzt wird – also zwischen dem Teaser fürs Thema und dem eigentlichen Gespräch. Ansonsten wird mit akustischen Trennelementen gearbeitet, die hier die Hinführung zum Thema strukturieren. Das ist besser gemacht; wem die Elemente nicht gefallen, der wird damit nicht lange behelligt.

Auch Zeit online setzt in ihrem Nachrichtenpodcast „Was jetzt“ auf zurückhaltende Musik. Ähnlich wie bei „Stimmenfang“ beginnt der Podcast allerdings mit einer disharmonischen Klangfolge. Ein ähnliches Motiv  verwendet die Redaktion auch beim Sexpodcast „Ist das normal?“ Auch hier geht es zum Glück schnell vorbei.

Nun setze ich nicht voraus, dass bei Podcasts alles so laufen muss wie im althergebrachten Radio. Vor allem erwarte ich nicht, dass Zeitungen genauso arbeiten wie Radiosender. Sicherlich ist es sinnvoll, mit anderen akustischen Elementen zu arbeiten, um sich von klassischen Audioproduzenten abzugrenzen.

Andererseits aber klingen viele Melodien, die ich gehört habe, nach Sparprogrammen. Nach vorgefertigter rechtefreier Musik oder solcher, die günstig selbst komponiert wurde. Bei mir hat das Rückwirkungen auf die Wahrnehmung der Inhalte. Genauso wie man etwa im Fernsehen in einer Pappkulisse mit schlechter Beleuchtung auch Rückschlüsse auf die Qualität der Nachrichten ziehen würde, führt eine schlechte akustische Aufbereitung dazu, entsprechende Rückschlüsse auf die Qualität der Podcast-Inhalte zu ziehen. Und bei mir hat es auch Auswirkungen auf die Lust, mir die Inhalte anzuhören. Zumal es auch bei der Wort-Präsentation teilweise an der Qualität hapert – man merkt den Zeitungsmachern an, dass ihnen die Routine vor dem Mikrofon fehlt.

Nun besteht die Gefahr, dass meine Kritik wohlfeil daherkommt. Ich hab gut reden, schließlich arbeite ich bei professionellen Radiosendern mit entsprechender Audio-Kompetenz und hab auch selbst mehr als 20 Jahre Erfahrung vor dem Mikrofon. Vielleicht ist es ja diese Haltung zu Audio-Produkten, die es für mich schwierig macht, den Zeitungskollegen zu folgen. Umgekehrt mag aber – dafür spricht ja der Erfolg einiger Produkte – genau diese Andersartigkeit der Grund dafür sein, warum sie so viele Hörer finden.

Weil es eben nicht das perfekte Audio-Produkt ist. Weil man noch Ecken und Kanten hört (im Gesprächs-Podcast gehört das ohnehin dazu). Weil eben alles ein wenig amateurhaft wirkt – aber vielleicht dadurch eine Besonderheit dieser Produkte ausmacht.

Es ist daher unnötig, die Podcasts zu kritisieren, wenn sie doch ihr Publikum finden. Mich selbst aber schreckt eben oft genug die Musik ab. So interessant die Inhalte auch sein mögen, die Musik versetzt mich in eine Stimmung, die mir das Weiterhören oft verleidet. Und das ist schade – für beide Seiten.

 

Anmerkung: In Vorbereitung auf die Datenschutzgrundverordnung habe ich Widgets, die sich ursprünglich im Text befanden, entfernt und sie teilweise durch Links ersetzt.

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