Zum Höhepunkt des Reformationsjubiläums: „Da scheitert die PR der Kirche“

Die Kirche habe sich von dem Reformationsjahr sehr viel erhofft, sagte Hannes Leitlein im Dlf. Doch die Bedeutung der Reformation und des Glaubens seien zu kurz gekommen, so der Redakteur von „Christ und Welt“, mit dem ich für @mediasres im Deutschlandfunk über die Öffentlichkeitsarbeit der Kirche gesprochen habe.

Medien im Umbruch: „Früher waren die Journalisten die Schleusenwärter“

Die Medienwelt ist im Umbruch – das birgt nicht nur Gefahren für Verlage und Rundfunkanstalten, sondern auch für die Nutzer. Falschmeldungen, Propaganda und PR bedrohen die Demokratie, befürchtet der Medienwissenschaftler Stephan Ruß-Mohl von der Universität Lugano im Dlf-Interview. Ich habe in @mediasres im Deutschlandfunk mit ihm gesprochen.

„Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde“ heißt sein neues Buch. Feinde sind für ihn „Akteure, die entweder mit Fake News, mit Falschmeldungen Geld verdienen wollen, oder Akteure, die Falschnews nutzen zu Propagandazwecken, um politisch in irgendeiner Weise Gewinne zu erzielen“.

Ruß-Mohl sprach im Deutschlandfunk von einem massiven Problem. Vor 30 Jahren sei auf einen Journalisten ein PR-Experte gekommen, heute seien es in den USA fünf PR-Experten pro Journalist. „Es wird einfach sehr viel mehr Öffentlichkeitsarbeit, sehr viel mehr Selbstdarstellung getrieben als früher.“

Außerdem könne heute jeder selbst Medieninhalte erstellen, die Funktion des Schleusenwärters, der Informationen nach bestimmten Kriterien ausgewählt und an Leser und Zuschauer weitergeleitet hat, hätten Journalisten verloren.

Mehr Podcast-Kritik, bitte

Auf Podcasts in Deutschland wird im Moment noch viel zu wenig geschaut. Zwar wurde verschiedentlich über das Format an sich berichtet, wie hier bei @mediasres:

Vor allem erfahren Preisverleihungen und Neustarts eine gewisse Aufmerksamkeit, wie etwa @mediasres über den Grimme Online Award berichtet hat (Podcast von einem anderen Planeten).

Was aber fehlt, ist eine fundierte Podcast-Kritik. Die versucht der Deutschlandradio-Kollege Sandro Schroeder seit ein paar Wochen zu liefern. Gestern hat er bereits bei Breitband die neuen Podcasts von ZEIT ONLINE rezensiert (dort werden im Übrigen schon seit vorigem Jahr hin und wieder Podcasts rezensiert). Und Sandro hat einen Newsletter gestartet, den man hier abonnieren kann.

Außerdem beobachter der Schweizer Journalist This Wachter die Podcast-Szene. Er hat in dieser Woche anlässlich der 13. Tutzinger Radiotage, die er besucht hat und die sich auch mit Podcasts beschäftigt haben, einen Blogpost zum Stand der Dinge geschrieben:

Das Jahr 2017 macht deutlich, dass sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkhäuser überlegen müssen, wie sie sich auf die neue Konkurrenz der „Zeitungs-Podcasts“ einstellen wollen. Audio ist nicht mehr ihr Monopol. (…) Konkurrenz schadet den Radiostationen nicht. Im positiven Fall macht es sie sogar besser. In den USA sind die besten Podcasts von Leuten kreiert worden, die ihr Rüstzeug beim National Public Radio geholt haben. Häufig sind diese Podcast nun wieder Teil des NPR-Programms. (…) So befruchtet sich die Audioszene gegenseitig. Wieso nicht auch im deutschsprachigen Raum?

Hinweise auf gute Podcasts gibt es im Moment hauptsächlich über persönliche Empfehlungen über soziale Netzwerke. Die fallen oft kurz aus und sind eher allgemein gehalten. Eine fundierte Podcast-Kritik tut Not, um in der zunehmenden Flut von Angeboten genauer herauszufinden, was man gerne hören möchte.

Heute mal kein ‚Lammert fordert‘, ‚Lammert kritisiert‘, ‚Lammert wirft vor‘, ‚Lammert weist zurück‘

Der scheidende Bundestagspräsident Lammert hat sich nicht nur als Politiker und Rhetoriker einen Namen gemacht, sondern auch als Medienkritiker. Zum Ende seiner Amtszeit äußert er sich im Deutschlandfunk-Interview über die sich wandelnde Debattenkultur. Ich habe mit ihm für @mediasres gesprochen. Wichtig: Bitte aus dem Interview keine Agenturmeldung machen! Lammert erklärt, warum.

 

Nachtrag, 31. August: Hat übrigens geklappt. Weder Nachrichtenagentur noch andere Medien haben aus unserem Gespräch eine Meldung gemacht. Entweder haben sie auf Lammert gehört oder wir waren einfach zu unspektakulär…

Wahlwerbung im Radio: Eine Chance für die kleinen Parteien

Der Wahlkampf findet nicht nur auf Plakaten oder im Fernsehen statt, sondern auch im Radio. Bis zur Bundestagswahl dürfen die Parteien mit Radiospots auf sich aufmerksam machen – auch im Deutschlandfunk, der eigentlich werbefrei ist. Warum eigentlich? Mein Beitrag in @mediasres im Deutschlandfunk.

Zensur in Indien: Keine Lizenz zum Küssen

In Indien zensieren Behörden Presse und Filmbranche mit teilweise strikten Vorgaben. Zum 70. Jahrestag der Unabhängigkeit Indiens erklärte ARD-Korrespondent Jürgen Webermann im Dlf die Hauptgründe für die Einschränkungen – von denen auch James Bond betroffen ist. Mein Gespräch mit Jürgen Webermann in @mediasres im Deutschlandfunk.

Wie Journalisten Umfragen besser erklären wollen

Umfragen sind keine Prognosen über einen Wahlausgang, sondern bilden die politische Stimmung zum Zeitpunkt der Umfrage ab. Genau das wollen nun Journalisten vor den Bundestagswahlen deutlicher darstellen. Dafür hat sich die Süddeutsche Zeitung Visualisierungen für ihre Leser ausgedacht. Mein Beitrag in @mediasres im Deutschlandfunk.

Russland verschärft die Internetzensur

Apple entfernt VPN-Apps aus seinem digitalen Geschäft in China, Russland verbietet die Nutzung von VPN-Diensten. In beiden Ländern wird es so immer schwieriger, die Internet-Zensur der dortigen Regierungen zu umgehen. Das hat Folgen für den Journalismus weltweit. Darüber habe ich mit dem Korrespondenten des Deutschlandfunks in Moskau, Thielko Grieß, in @mediasres gesprochen.

Wie wir Journalisten die Hörer manipulieren

Wie erfolgreich kann eine angebliche Manipulation der Leser durch Journalisten sein, wenn diese sie bemerken?

Es ist erstaunlich, wie viele Hörermails mich erreichen, in denen diese Manipulation immer wieder unterstellt wird, weil man sie erkannt zu haben glaubt. Das ist unter anderem deswegen bemerkenswert, weil der jeweilige Hörer glaubt, er sei der einzige, der das bemerken könnte, die große Masse aller anderen Hörer sei dazu aber nicht in der Lage und werde auf diese Weise manipuliert. Das sagt mehr über den Absender als über das Produkt, das er kritisiert.

Außerdem stelle ich ein gewisses Paradox fest: Einerseits wird kritischer Journalismus eingefordert, andererseits lehnen viele aber kritische Fragen gegenüber bestimmten Interviewpartnern ab. Im konkreten Fall wird ein Interview kritisiert, das ich für @mediasres im Deutschlandfunk am 25. Juli mit Florian Jungnikl-Gossy geführt habe, der bei der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ einen Online-Ableger konzipiert hat, der sich speziell an Deutsche richtet.

Der Hörer kritisiert meine Fragestellungen und schreibt, an den „Standard“ gerichtet und uns in CC, der Interviewpartner habe gegenüber meiner „Hörer-Lenkungsabsicht (wie mir auffiel) sehr souverän reagiert“.

Genauer führt der Hörer nicht aus, worin er eine Lenkungsabsicht sah. Ich vermute, dass er die kritischen Untertöne meiner Fragen meinte. Demzugrunde liegt vermutlich die Meinung, dass deutsche Medien nicht objektiv oder jedenfalls nicht in seinem Sinne berichten, ein neues Angebot von außerhalb deshalb nur begrüßenswert und dessen Vertretern deswegen offen und unkritisch begegnet werden müsse. Das ist freilich genauso eine Vermutung wie der Hörer mir gegenüber vermutet, aber mehr weiß ich nicht. So kritisch wie er gegenüber deutschen Medien eingestellt ist, wie die restliche Mail deutlich macht, wünscht er sich keine Kritik an ausländischen Medien.

Dieses Paradox beobachte ich schon seit Längerem. Meine einzige Erklärung dafür ist, dass die entsprechenden Kritiker eine Berichterstattung fordern, die ihre eigene Meinung stützt. Sie verlangen eigentlich gar keine objektive Berichterstattung, auch wenn sie das behaupten, sondern halten ebenjene Berichte dafür, die ihre Meinung stützen – auch wenn sie nicht diesen Qualitätskriterien entsprechen.

Und sie verkennen, dass ich als Interviewer den Interviewpartner nicht mit meiner eigenen Meinung konfrontiere, sondern mit kritischen Gegenpositionen, die keineswegs meiner Meinung entsprechen müssen. Wie würde dann im konkreten Fall eine Einstiegsfrage aussehen?

Tatsächlich habe ich Jungnikl-Gossy zum Einstieg gefragt:

Fries: Warum eine österreichische Zeitung für Deutschland? Informieren die deutschen Medien nicht gut genug?

Jungnikl-Gossy: (lacht) Doch, natürlich. Aber schon jetzt kommt auf derstandard.at, unserem Mutterschiff gewissermaßen, ein sehr großer Teil der Zugriffe aus Deutschland. Bevor wir derstandard.de gestartet haben, haben wir auch diese Userschicht gefragt, und ganz oft haben wir da zwei Sachen gehört: Das eine ist, dass unser Blick von außen geschätzt wird mit unserem Qualitätsjournalismus, und das andere ist unsere Community.

Was wäre eine alternative Einstiegsfrage gewesen? Zu sagen: „Endlich eine österreichische Zeitung für Deutschland – es war aber auch höchste Zeit?“ Kommt man nicht weiter mit der Warum-Frage, woraufhin der Interviewpartner die Möglichkeit bekommt, auszuführen, warum er sein Angebot für gut und wichtig hält? Das tut er nämlich.

Die übrigen Fragen waren übrigens:

2. Was unterscheidet denn den Blick eines österreichischen Journalisten von dem eines deutschen auf deutsche Themen?

3. Aber wie sieht dieser Blickwinkel denn aus?

4. Ist es auch so, dass sie weniger als die deutschen Journalisten in diesen Strukturen gefangen sind?

5. Wo haben deutsche Medien denn Lücken, die Sie schließen könnten?

6. Diskutiert der Österreicher denn gesitteter als der Deutsche, wenn Sie jetzt so stolz auf Ihr Community-Management verweisen?

7. In Österreich selbst war so ein Versuch eines ausländischen Mediums zuletzt nicht erfolgreich. Die Neue Zürcher Zeitung aus der Schweiz hat im April ihren österreichischen Ableger nzz.at wieder eingestellt. Was machen Sie denn anders, damit Ihnen so was nicht passiert?

8. Warum machen Sie das im Moment noch nicht mit einer eigenen Redaktion?

9. derstandard.de trägt den kleinen Zusatz „Concept“. Sie sind erst mal in einer Testphase. Was muss passieren, dass Sie sagen, der Test ist erfolgreich verlaufen?

Wenn man so will, greifen die vierte und fünfte Frage sogar die Kritik des Hörers an deutschen Medien auf. Ich ermögliche dem Interviewpartner, eine solche Kritik aus seiner Position zu formulieren.

Die Frage nach einem möglichen Scheitern in Frage 7 könnte dem Hörer womöglich als versteckter Wunsch meinerseits erscheinen, das Projekt scheitern zu sehen. Dabei zielt die Frage darauf ab, mögliche Risiken offenzulegen. Der Interviewpartner bekommt die Möglichkeit, darzulegen, was er dagegen tut.

Interessant, wie so ein Gespräch beim Hörer ankommt, wenn er sie mit seinen eigenen Einstellungen, Meinungen und womöglich auch Vorurteilen hört. Man kann an meiner Gesprächsführung sicherlich Dinge kritisieren, aber eine Hörer-Lenkungsabsicht dahingehend, eine bestimmte Meinung bei ihm zu bilden, kann ich darin beim besten Willen nicht erkennen.

Ich setze mich deshalb so lange mit dieser Einzelmeinung auseinander, die man eigentlich als unbegründet abtun könnte, weil ich sie für exemplarisch halte für ein verbreitetes Missverständnis bei manchen Hörern. Als Journalisten sind wir nicht dafür da, den Interviewpartnern rhetorisch einen roten Teppich auszurollen, auf dem sie ihre Meinungen präsentieren können. Es ist vielmehr meine Aufgabe, den Interviewpartner mit Meinungen und Fakten zu konfrontieren, die den seinen widersprechen. Auf diese Weise erhält er Gelegenheit, seine Position demgegenüber noch deutlicher darzustellen. Er kann jeder Fragestellung widersprechen. Er hat viel mehr Sendezeit als ich. Am Ende bildet sich jeder Hörer seine eigene Meinung – wie ebenjener, der uns geschrieben hat.

Es ist freilich sein gutes Recht, die Meinung zu vertreten, ich habe versucht, etwas zu lenken. Wenngleich mich schon interessieren würde, woran konkret er das festmacht. Ich glaube nur, dass das viel mehr über ihn selbst verrät als sich aus dem eigentlichen Interview herauslesen lässt.

Unter der Gürtellinie lästert nur einer

Gerade mal zehn Tage währte die Romanze zwischen Donald Trump und Anthony Scaramucci, der Kommunikationschef werden sollte. Aber dann trennte sich Trump, noch bevor es ernst wurde. Und dafür verpasste Scaramucci nun die Geburt seines Sohnes. Sad. Meine Glosse für @mediasres im Deutschlandfunk.