Pörksen bestreitet Theorie der Filterblase und spricht stattdessen von Filter Clash

Der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen glaubt nicht, dass Eli Parisers Theorie von der Filterblase stimmt. Dieser hatte 2011 geschrieben, dass Algorithmen versuchten herauszufinden, welche Informationen die Benutzer finden möchten – und entsprechend alles aussperre, was nicht dem Standpunkt des Benutzers entspreche (so die Zusammenfassung der Wikipedia).

Auf der Digitalkonferenz Republica erklärte Pörksen, warum er nicht an diese Theorie glaube. Er zieht dazu den Fall Lisa heran. Dabei sei ein Zwiegespräch zwischen Mutter und Tochter weiter kolportiert worden, bis sich auch russische Staatsmedien, russische Politiker und der deutsche Außenminister eingeschaltet hätten. Pörksen weiter:

Die Geschichte wandert gleichsam durch alle unterschiedlichen Ebenen, und es kommt zum Filter Clash. Unterschiedliche Parallelöffentlichkeiten, unterschiedliche Bestätigungsmilieus prallen in radikaler Unmittelbarkeit aufeinander. Eben das meint Filter Clash.

Pörksen verweist darauf, dass es heute so viel Einblicke in andere Lebenswelten gebe wie selten. Im Netz könne man sich genauso über das Leben der Superreichen wie über das Leben der sehr Armen informieren. Es gebe nur noch geringe Möglichkeiten, dem auszuweichen. Pörksen spricht von der „Transparenz der Differenz“.

Die Transparenz der Differenz erzeugt – wäre meine These- gesellschaftlich gesprochen eine Art verstörende Gleichzeitigkeit des Seins, einen Schock der gleichzeitigen Informationen, die doch unvereinbar sind.

Im Programm der Republica wird der Vortrag so angekündigt:

Was prägt das Kommunikationsklima der vernetzten Welt? Die Kernthese: Wir leiden nicht unter der Filter Bubble und der algorithmischen Personalisierung, sondern unter dem Filter Clash, dem Aufeinanderprallen höchst unterschiedlicher Wahrnehmungen und Weltbilder in digitalen Netzwerken. Relevantes, Berührendes, Banales und Bestialisches, Bilder der Armut und des obszönen Reichtums – all das ist nur einen Klick voneinander entfernt. Analytisch und anekdotisch wird gezeigt: Der Filter Clash erzeugt Aufruhr und Gereiztheit, schockiert und mobilisiert.

Ein Gedanke zu „Pörksen bestreitet Theorie der Filterblase und spricht stattdessen von Filter Clash“

  1. Eine interessante These, die auch meine Erfahrung wiederspiegelt.

    Viel Aufregung im Netz beruht auf diesen Clash der Differenzen. Wenn jemand mit einem eher konservativen Weltbild etwas sagt klingt das für jemand aus dem linken Spektrum oft wie ein Angriff und umgekehrt. Dabei geht es auch um unterschiedliche Lebensentwürfe und ob man es erträgt, das es auch andere gibt, als die eigenen. Allgemein würde zuhören, anstatt (sofort) zu werten viel helfen, denn nicht alles was gesagt wird ist ein Angriff.

    Ich schaue sie mir gerade an (5min) und sage, danke für den Hinweis.

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