Wie Breitbart sich in Deutschland erfolgreich bekannt gemacht hat

Die US-Webseite Breitbart hat am Wochenende einen Artikel veröffentlicht, der in Deutschland großen Widerhall gefunden hat.

Das Foto, mit dem der Artikel bebildert ist, zeigt keinen Flüchtling oder illegalen Einwanderer, der durch Schleuser ins Land gebracht wird, sondern den Fußballer Lukas Podolski.

Klar, dass das hier zu viel Amüsement geführt hat. Für die Wirkung des Artikels in den USA selbst aber hat das wahrscheinlich zunächst mal kaum Auswirkungen. Wer kennt in einem Land, in dem Fußball keine große Rolle spielt, schon einen ehemaligen deutschen Nationalspieler hinter einer Sonnenbrille?

Und aus unserer Perspektive: Warum sollte man davon ausgehen, dass das Foto zu einem Artikel stimmt, wenn man schon an der Berichterstattung von Breitbart selbst Zweifel haben müsste? Der Faktenfinder der Tagesschau schreibt immerhin:

„Breitbart“ nutzte das Foto als Symbolbild für eine Meldung der „Agence France-Presse“. (…) Die AFP-Meldung hat es tatsächlich gegeben. Das Foto von Podolski steht aber in keinem Kontext zu ihr.

Natürlich wirkt so ein Beitrag besser, je mehr Leute ihn für seriös halten. Und wenn man ein Foto als offensichtlich falsch erkennt, ist diese Wirkung nicht so breit.

Eine Nebenwirkung (oder doch kalkuliert die Hauptwirkung) hat der Artikel allerdings hier ausgelöst: Heute hat Breitbart eine große Medienpräsenz bekommen.

Selbst seriöse Medien widmen der Geschichte ganze Artikel – etwa tagesschau.de:

bildschirmfoto-2017-08-20-um-19-56-46Bento, auf das auch Spiegel online verlinkt:

bildschirmfoto-2017-08-20-um-19-57-53Bild.de:

bildschirmfoto-2017-08-20-um-19-59-10Der Bayerische Rundfunk:

bildschirmfoto-2017-08-20-um-20-00-02Dlf24:

bildschirmfoto-2017-08-20-um-20-01-46…und viele andere.

Fast überall ist zu lesen, die Breitbart-Redaktion habe sich damit blamiert. Ernsthaft? Eine rechtsradikale Webseite, die zur Erreichung ihrer Ziele Propaganda betreibt, lügt und hetzt, hat sich mit einer Bildverwechslung blamiert?

Das ist eine schöne Verharmlosung, das zu glauben Breitbart sicher gelegen kommt.

Inzwischen hat Podolskis Anwalt gedroht, die Redaktion angeblich mit Bedauern reagiert und das Foto ausgetauscht.

Klar, vielleicht war das nur ein Fehler. Wahrscheinlicher eher ein Ich-brauch-irgendein-Foto-das-zur-Geschichte-passt-Kontext-egal. Im Faktenfinder wird Breitbart zitiert:

„Breitbart London“ wolle sich bei Herrn Podolski entschuldigen. „Es gibt keine Beweise dafür, dass Herr Podolski einer Schlepperbande angehört oder als Schlepper tätig ist.“

Womöglich aber auch eine kalkulierte Provokation, die Dutzende Medien in Deutschland dazu gebracht hat, große Aufmerksamkeit auf Breitbart zu lenken. Auch schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten.

 

Nachtrag, 22.50 Uhr: Ich habe Informationen des Faktenfinders eingefügt.

 

Nachtrag, 21. August, 16.20 Uhr: Hier kann man übrigens schauen, wie sich die Google-Suchanfragen nach den Begriffen „Breitbart Podolski“ in den letzten Tagen entwickelt haben.


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